Chipmangel: Weißes Haus lehnt Intels Produktionspläne in China ab

Um der Chipkrise entgegenzutreten, wollte Intel die Produktion mit Hilfe einer chinesischen Fabrik erhöhen. Die Biden-Regierung lehnt das ab.

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(Bild: Dragon Images/Shutterstock.com)

Von
  • Bernd Mewes

Der US-Chiphersteller Intel wollte kurzfristig die Produktion erhöhen und der Chipkrise entgegentreten, indem er eine chinesische Fabrik für die Herstellung von Siliziumwafern nutzt. Die Produktion in der Fabrik in Chengdu, China, hätte bereits Ende des kommenden Jahres beginnen können. Das weiße Haus lehnte die Idee aufgrund von Sicherheitsbedenken jedoch ab, berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit den Überlegungen vertrauten Personen.

Intel und andere Chiphersteller warten auf die Verabschiedung des CHIPS-Gesetzes, das Finanzmittel in Höhe von 52 Milliarden US-Dollar für die heimische Forschung und Fertigung beinhaltet. Die Maßnahme zielt darauf ab, mit China konkurrieren zu können, längerfristige Lieferengpässe zu verhindern sowie die Abhängigkeit von anfälligen Lieferketten zu verringern. Das Geld solle jedoch nicht ohne Bedingungen ausgezahlt werden, so einige Republikaner, die eine Erhöhung der Präsenz in China verhindern wollen.

Pat Gelsinger, CEO von Intel, versuche mit der erhöhten öffentlichen und staatlichen Kontrolle der Chipindustrie fertig zu werden. Mindestens eine Intel-Produktionsstätte wurde im August vom US-Verteidigungsministerium als "Trusted Foundry" zertifiziert und ist so in der Lage, Halbleiter für das Militär zu produzieren. Das Geschäft sei zu einem wichtigen Schlachtfeld in der zunehmenden Rivalität zwischen den USA und China geworden und Unternehmen aus Asien müssten immer mehr Hindernisse überwinden, so der Intel-Chef weiter.

China ist der größte Verbraucher von Halbleitern. Aus logistischen Gründen und um Peking bei Laune zu halten, unterhalte neben anderen Chipherstellern auch Intel Werke in China. Ebenso dient das Land als Montagezentrum für den Großteil der weltweit eingesetzten Elektronik. China sei jedoch mit langjährigen Beschränkungen der US-Regierung konfrontiert, die etwa den Export von hochmodernen Halbleitern zu verhindern versuche.

Derzeit überlege das Weiße Haus, bestimmte strategische Investitionen in China einzuschränken. Der nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan erklärte, dass die Regierung einen Prüfmechanismus für ausgehende Investitionen erwäge und mit Verbündeten an einer entsprechenden Lösung arbeite. Ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte, die Regierung sei "sehr darauf konzentriert, China daran zu hindern, US-Technologien, Know-how und Investitionen in aktuelle Entwicklung zu nutzen", heißt es in dem Bericht weiter.

Intel plane nach Beratungen mit der Biden-Administration nun doch keine Aufnahme der Produktion in China, sei aber offen für andere Lösungen, um die Nachfrage nach Halbleitern abzudecken, und plant den Bau einer sogenannten Mega-Fab in den USA. Der Chipmangel wird derzeit zu einem größeren politischen Thema, weil Unternehmen ihre Produktion aufgrund fehlender Halbleiter herunterfahren oder ganz einstellen müssen und folglich auch Arbeitsplätze betroffen sind. Das betrifft in Deutschland auch die Automobilindustrie. In einigen Branchen, erklärte der Intel-Chef, wird der Chipmangel noch Jahre anhalten.

(bme)