Chipmangel trifft nun auch Toyota – 40% weniger Produktion in Japan

Als letzter großer Autohersteller muss sich Toyota dem Chipmangel fügen und Fließbänder stoppen. Ford und GM reduzieren weiter bei ihren US-Fabriken.

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Säule mit Aufschrift MSC Malaysia Cybercentre

Malaysia und andere südostasiatische Staaten liefern derzeit viel weniger Computerchips als vorgesehen. Das liegt an der Coronavirus-Pandemie.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Der weltgrößte Autohersteller Toyota kommt um den weltweiten Chipmangel nicht herum. Als letzter großer Kfz-Hersteller muss das japanische Unternehmen nun ebenfalls deutliche Produktionskürzungen verkünden: "Anpassungen werden an den Produktionsbetrieb für Fabriken fertiggestellter Fahrzeuge in Japan gemacht werden", teilte am Donnerstag Toyota kurz angebunden mit. Die aktuelle COVID-19-Welle in Südostasien verursache einen Mangel an Bauteilen.

"Wir entschuldigen uns aufrichtig für die Unannehmlichkeiten für unsere Kunden und Lieferanten", schreibt Toyota. Während andere Hersteller schon seit geraumer Zeit weniger Fahrzeuge bauen können als vorgesehen, hat Toyota bis jetzt durchgehalten. Die Japaner waren stolz auf ihre engen Beziehungen zu Chiplieferanten. Zudem hat Toyota nach dem Erdbeben im Jahr 2011 sowie der Atomkraftkatastrophe in Fukushima größere Lagerbestände angelegt und robustere Pläne für das betriebliche Kontinuitätsmanagement geschmiedet.

Doch bei so hartnäckigen Schwierigkeiten beim Chip-Nachschub geraten selbst diese Vorkehrungen an ihre Grenzen. Malaysia hat fast alle Fabriken geschlossen, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Bereits seit Mitte Mai gelten Ausgangsbeschränkungen. Das südostasiatische Land ist wichtiger Chiplieferant für die Kfz-Branche.

Ende Juli/Anfang August musste Toyota erstmals die Herstellung in Japan bremsen. Stillgelegt wurden damals nur einzelne Produktionsstraßen für jeweils einzelne Tage. Jetzt kommt es dick: Betroffen sind zahlreiche Produktionsstraßen in insgesamt 14 Fabriken der Marken Toyota, Gifu Auto Body, Hino Motors und Daihatsu Motors. Für jeweils mehrere Tage bis Wochen wird dort im September nichts hergestellt. Zwei Produktionsstraßen schließen sogar von Ende August bis zum 30. September.

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Laut Wall Street Journal (WSJ) bedeutet das eine Drosselung der japanischen Produktionsmenge des Septembers von 40 Prozent. Nicht einmal die Bestsellermodelle RAV4 und Corolla kann Toyota verschonen. In seinen nordamerikanischen Fabriken muss das Unternehmen bereits im laufenden August um 40 bis 60 Prozent kürzen, was laut WSJ 60.000 bis 90.000 Fahrzeuge weniger bedeutet. Für September erwarte Toyota weitere 80.000 US-Fahrzeuge weniger. Toyota-Aktien sind am Donnerstag um 4,1 Prozent gefallen.

Ebenfalls mit Verweis auf ausbleibende Lieferungen aus Malaysia muss Ford die Produktion des F-150 Pickup in Kansas stilllegen. In zwei anderen US-Werken wird das wichtigste Ford-Fahrzeug noch hergestellt. Dieses Jahr hat Ford jedoch bereits 160.000 F-150 weniger bauen können, schätzt der Marktforscher AutoForecast Solutions.

General Motors (GM) muss in den USA, Kanada und Mexiko zusätzliche Zwangspausen verordnen, darunter in Fabriken für Elektroautos und SUVs. Der Konzern erwartet einen Produktionsausfall in Nordamerika von 100.000 Fahrzeugen allein im zweiten Halbjahr. In Deutschland gibt es bei VW und Audi wieder Kurzarbeit. BMW könnte dieses Jahr 70.000 bis 90.000 Autos mehr verkaufen – hätten die Bayern bloß die notwendigen Halbleiter-Elemente.

Wenig Hoffnung auf Besserung macht den Kraftwagenkäufern die Royal Bank of Canada (RBC). Deren Analyst Joe Spark fürchtet einen jahrelangen Mangel an Computerchips für Kfz, aus mehreren Gründen: Elektroautos brauchen deutlich mehr Computerchips als herkömmliche Fahrzeuge, das Gleiche gilt für Kraftwagen mit modernen Fahrerassistenzsystemen.

Gleichzeitig kaufen Verbraucher in aller Welt immer mehr elektronische Geräte, sodass die Chipnachfrage insgesamt steigt. Und schließlich setzen Kfz-Hersteller auf ältere, verlässlichere Chipmodelle – für deren Herstellung in neue Fabriken zu investieren ist wenig attraktiv. Die Auto-Preise dürften daher weiter steigen, was Inflation auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach sich zieht. Teurere Autos und Ersatzteile bedingen wiederum höhere Versicherungsprämien, selbst für Halter wertloser Rostlauben.

(ds)