Citroën ë-C4 X: SUV-Coupé kommt nur als Elektroauto nach Deutschland

Das SUV-Coupé auf Basis des ë-C4 bekommt den bekannten 100-kW-Elektroantrieb mit 50-kWh-Batterie. Glänzen will Citroën mit ungewöhnlichem Design und Komfort.

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Citroën ë-C4 X

(Bild: Citroën)

Von
  • Martin Franz

"Kompaktklasse, geräumig, komfortabel." Mit diesen Worten kündigte Citroën den ë-C4 X vorab an. Redaktionsintern gingen wir von einem SUV zwischen C3 Aircross und C5 Aircross in mehrheitsfähigem Design aus – also etwa das, was Stellantis mit dem Peugeot 2008 im Sortiment aus. Dafür sprach, dass der schon vorgestellte ë-C4 Individualisten erfreuen mag, die Masse wird er eher nicht ansprechen. Doch es kam ganz anders: Der Citroën ë-C4 X ist ein SUV-Coupé, das den C5 Aircross mit insgesamt 4,6 m sogar noch einmal um 10 cm überragt. Die Einordnung "kompakt" wurde hier also überaus großzügig ausgelegt.

Ob das SUV-Coupé optisch gelungen ist, mag der geneigte Leser bitte selbst beurteilen. Unstrittig ist dagegen, dass sich Citroën für ungewöhnliche Proportionen entschieden hat. Der Radstand ist mit 2,67 m so lang wie im ë-C4, der mit 4,36 m insgesamt deutlich kürzer ist. Die Franzosen haben im SUV-Coupé den Überhang hinten vergrößert. Die Platzverhältnisse für die Insassen dürften durch die etwas höher positionierten Sitze im SUV-Coupé minimal luftiger erscheinen, viel tut sich hier aber nicht. Dafür ist der Kofferraum 130 Liter voluminöser. Seine Beladung hätte ein großer Heckdeckel erheblich erleichtert, doch Citroën verbaut nur eine kleine Klappe.

Das Armaturenbrett ist wohltuend funktional gestaltet. Alle wichtigen Funktionen sind leicht erreichbar. Temperatur und Lautstärke haben eigene Drehregler, auf Touchflächen am Lenkrad verzichteten die Designer. Beides kommt der Funktionalität im Alltag entgegen. Das Infotainmentsystem ermöglicht es, die Bedienung über wählbare Widgets in gewissen Grenzen den eigenen Vorstellungen anzupassen. Die Sprachsteuerung soll weiter verbessert worden sein, was nur zu begrüßen ist, denn die jüngsten Testwagen von Stellantis ließen diesbezüglich durchaus noch Luft nach oben. Android Auto und Apple CarPlay lassen sich kabellos einbinden, auch an eine induktive Ladeschale haben die Entwickler gedacht.

Citroën ë-C4 X (14 Bilder)

Citroën bewirbt den ë-C4 X mit den Umschreibungen kompakt und elegant. Ersteres ist eine ...
(Bild: alle: Citroën)

Das Kombiinstrument erscheint ähnlich trist wie im DS4 (Test). Schade auch, dass Citroën entschieden hat, das Head-up-Display auf einer kleinen, ausfahrenden Scheibe darzustellen. Positiv fällt dagegen auf, dass sich das optionale Glasdach auch öffnen lässt. Das ist leider nicht mehr selbstverständlich. Citroën betont zudem, sich intensiv dem Thema Komfort gewidmet zu haben. Die Sitze vorn haben einen "hochverdichteten Schaumstoff im Kern", der für "optimalen Komfort" sorgen soll. Die im Konzern inzwischen weit verbreiteten AGR-Sitze haben einen sehr guten Ruf, Citroëns Sonderweg wird sich daran messen lassen müssen. Besonderen Komfort verspricht die Marke mit einem ungewöhnlichen Fahrwerksaufbau. Statt eines mechanischen Anschlags verwendet Citroën zwei progressive Stoßdämpfer - einer für die Kompression, der andere für die Dekompression.

Zweigleisig fährt Stellantis in diesem Auto bei den Antrieben. Verbrennungsmotoren wird es nur noch auf einigen Märkten geben. In Deutschland wird der ë-C4 X ausschließlich mit dem aus vielen anderen Modellen des Konzerns bekannte Elektroantrieb angeboten. Seine Eckdaten: Jeweils 100 kW Motor- und Ladeleistung, 50 kWh Energiegehalt brutto in der Batterie. Die Reichweite im WLTP wird mit 360 km angegeben. Das Werk nennt zudem 9,7 Sekunden im Standardsprint und eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h.

Sehr ungewöhnlich erscheint, dass der ë-C4 X serienmäßig nur ein einphasiges Ladegerät mit auf den Weg bekommt. Bei 7,4 kW ist an Wechselstrom so die Spitze erreicht. Doch selbst dieses Tempo lässt sich in der Regel nur an öffentlichen Ladestationen komplett nutzen. Wer sich eine geförderte Wallbox mit 11 kW zugelegt hat, kann das Auto dort nur mit 3,7 kW laden. Denn die Ladestationen verteilen ihre Ladeleistung auf drei Phasen. Ein Ladegerät, das alle drei Phasen anspricht, wird Aufpreis kosten.

Einigermaßen kurios erscheint in diesem Zusammenhang, dass der ë-C4 den Drei-Phasen-Lader ohne Aufpreis ab Werk eingebaut bekommt. Vielleicht haben die Kalkulatoren bis zum Start des Verkaufs Anfang 2023 noch ein Einsehen und statten das SUV-Coupé gleichwertig aus. Citroën nennt vorab noch keine Preise, doch eine erste Orientierung gibt der ë-C4. Er ist ab 36.140 Euro (Preisliste April 2022) zu haben. Der deutlich längere ë-C4 X wird also kaum unter 40.000 Euro angeboten werden.

(mfz)