Cloud-Monitor 2021: Inzwischen sind (fast) alle Unternehmen in der Cloud

Nur noch 3 Prozent der Firmen verweigern die Cloud-Nutzung kategorisch. Doch Sicherheitsbedenken bleiben – die Hoffnungen liegen auf Gaia-X.

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  • Ariane Rüdiger

Das recht eindeutige Ergebnis des aktuellen Cloud-Monitors Deutschland von Bitkom und KPMG lautet: Die Cloud hat sich hierzulande als Betriebsmodell endgültig durchgesetzt. Nur drei Prozent der befragten 550 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden gaben an, mit dem Thema generell nichts anfangen zu können. 82 Prozent setzen hingegen bereits auf Cloud-Infrastrukturen. Private Cloud-Implementierungen verwendeten 63 Prozent, immerhin 46 Prozent nutzen Public-Cloud-Angebote.

2020 ist der Anteil der Cloud-Nutzer noch einmal gestiegen. Der Anteil nicht an Cloud interessierter Unternehmen befindet sich inzwischen im unteren einstelligen Bereich.

(Bild: Bitkom)

Auf Nachfrage nach den Gründen für ihre Skepsis gaben die wenigen Cloud-abstinenten Firmen hauptsächlich Rechts- und Sicherheitsbedenken an: Sie befürchten unberechtigte Datenzugriffe oder -verluste, Unklarheiten der Rechtslage, regulatorische Komplikationen und die Folgen von Hardware-Schwachstellen. Die Kosten für den Betrieb der Cloud-Infrastruktur wurden demgegenüber kaum als Faktor genannt.

Security bleibt Topthema: Nach der Leistung als wichtigstem Auswahlkriterium folgen mehrere sicherheitsrelevante Kriterien mit hohen Prozentwerten

(Bild: Bitkom)

Doch auch bei den cloud-nutzenden Unternehmen zeigt sich der Wunsch nach Sicherheit: Zwar lag bei der Auswahl des Providers die Cloud-Leistung mit 89 Prozent Nennungen ganz vorn, danach aber folgten bereits Datensicherheit und Compliance mit 86 Prozent. Ein weiteres rechtsrelevantes Kriterium lag auf Rang drei: 75 Prozent befanden, das ausgewählte Cloud-Rechenzentrum solle im Rechtsgebiet der EU liegen. Weitere Kriterien wie Unabhängigkeit des Cloud-Providers, Interoperabilität oder Offenheit traten jeweils mit rund 50 Prozent der „must-have“-Nennungen deutlich zurück.

Peter Heitkamp von KPMG führte die fortwährende Relevanz des Themas Sicherheit auch auf die nach wie vor unklare Rechtslage für US-Unternehmen, insbesondere die Hyperscaler, zurück: „Die Entscheidungen zum Privacy Act auf europäischer Ebene im vergangenen Jahr haben die Unsicherheit der Unternehmen sicher erhöht.“

Kein Wunder also, dass viele Unternehmen große Hoffnungen auf das europäische Cloud-Projekt Gaia-X setzen. Diesen Versuch, ein Netz europäischer Rechenzentren aufzubauen, die sich auf europäische Rechts- und Ethikregeln verständigen, halten 65 Prozent der Befragten für wichtig. Gaia-X schließt die großen US-Hyperscaler übrigens nicht aus; vielmehr sollen sie ihre europäischen RZs in das neue Netz integrieren – aber eben nach europäischen Regeln.

Die Zeiten exzessiv steigender Cloud-Budgets scheinen indes vorbei: Seit 2019 liegt der durchschnittliche Anteil des IT-Budgets, der auf Cloud-Investitionen entfällt, unverändert bei 20 Prozent. Allerdings laut Studie bei einigen Firmen mit erheblichen Ausreißern bis hin zur Hälfte der IT-Ausgaben.

Gerade große Unternehmen entpuppen sich inzwischen als besonders Cloud-affin – die Hälfte von ihnen hat schon heute eine Cloud-First-Strategie, ein Viertel setzt sogar bereits auf Cloud-Only.

Bei den Cloud-Applikationen legen im Corona-Jahr 2020 vor allem E-Commerce-Anwendungen noch einmal kräftig zu.

(Bild: Bitkom)

Bei Standardanwendungen ist es inzwischen üblich, sie als Cloud-Service zu beziehen. Ganz besonders gilt dies für Office- und Collaboration-Apps (41% realisiert, 45% geplant), bei ERP-Tools (40%/31%), CRM (37%/40%) und bei E-Commerce-Anwendungen (38%/27%). Letztere haben im vergangenen Jahr, wohl durch die weltweite Pandemie verursacht, noch einmal einen deutlichen Schub bekommen – ihre Nutzung stieg um 12 Prozent an.

Im Mittelfeld lagen Bereiche wie HR (28%/43%), IoT (29%/36%) und Data Lakes (26%/40%). Selten aus der Cloud stammen hingegen Anwendungen aus relativ neuen Themengebieten, wie Blockchain (3% Implementierungen, 7% Planungen), KI (10%/24%) und Spracherkennung (13%/36%). Bei der Blockchain muss noch zeigen, ob sich dies nur als Anfangsproblem entpuppt, oder ob die Technologie durch ihre Verknüpfung mit dem stark schwankenden Bitcoin oder wegen übermäßig hohen Energieverbrauchs in Verruf geraten ist.

Ansonsten sehen Unternehmen die Cloud als Digitalisierungsmotor: 83 Prozent der Befragten weisen ihr mindestens einen großen Beitrag dazu zu. Ebenfalls häufig genannt wurde die positiven Auswirkungen auf die Digitalisierung von Prozessen und Aufgaben (80% Nennungen), mehr Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen (78%), Basis zum Aufbau von Plattform für die Kooperation mit Dritten (75%).

Der Branchenverband BITKOM veröffentlicht den jährlich erhobenen Cloud-Monitor Deutschland in Kooperation mit dem Beratungsunternehmen KPMG zum zehnten Mal. In den Vorjahren fand die Datenerhebung jeweils im Herbst statt, die Ergebnisse wurden im darauffolgenden Frühjahr präsentiert. Ab 2021 werden die Daten im Frühjahr für den Zeitraum ab der letzten Erfassung erhoben und direkt anschließend ausgewertet. Deshalb taucht 2021 als Vergleichswert das Jahr 2019 und nicht 2020 auf. Die diesjährigen Studienergebnisse bestätigen die Trends aus Vorjahren.

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(jvo)