Clubhouse: Ramelow spielt Candy Crush oder das Ende des Hypes?

In einem Talk plaudert Thüringens Regierungschef und liefert damit auch eine Steilvorlage für Kritik. Die Debatte über Clubhouse gewinnt an Fahrt.

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(Bild: Camilo Concha/Shutterstock.com)

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  • Martin Holland

Die Debatte über die jüngste Hype-App Clubhouse dreht sich inzwischen nicht mehr nur um den Datenschutz, sondern nun auch den Umgang mit den Wortmeldungen und der journalistischen Herangehensweise. Auslöser ist Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, der sich bei zwei Veranstaltungen in der Audio-App ziemlich salopp gab und im Anschluss "die Grenzen aufgezeigt bekam". Unter anderem hatte er eingestanden, dass er bei den stundenlangen und immer wieder auch unterbrochenen Treffen der Landesregierungschefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Candy Crush spielt: "Bis zu zehn Level schaffe ich", zitieren ihn Teilnehmer.

Ramelow hatte das in einem der Live-Podcasts erzählt, die den Kern von Clubhouse bilden. Jeder Nutzer kann solche starten beziehungsweise anderen zuhören. Da die App aber bislang nur für iOS verfügbar ist und Nutzer eine Einladung benötigen, ist der Kreis jener, für die das auch tatsächlich gilt, noch sehr klein. Das Publikum ist dementsprechend oft vergleichsweise klein, die Atmosphäre entspannt. Ramelow hatte sich nun in einen Talk "Trash und Feuilleton" eingeklinkt und dort dann äußerst frei gesprochen, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Mit Manuela Schwesig sei auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern dazugekommen und danach viele Journalisten sowie weitere Politiker.

Nachdem Ramelows Äußerungen – es fiel demnach auch der Satz, "da können wir die MPK auch gleich auf Clubhouse machen und holen das Merkelchen dazu – später in der Presse zitiert wurden, gab es umgehend Kritik aus der Landespolitik. "Entweder ist es Ausdruck von Arroganz der Macht oder Amtsmüdigkeit", schrieb etwa der Chef der Thüringer CDU auf Twitter. Ramelow erklärte der Nachrichtenagentur dpa, "die einen spielen Sudoku, die anderen spielen auf ihren Handys Schach oder Scrabble, und ich spiele Candy Crush". Das sei kein Aufreger und auch kein Geheimnis. Den Abend bereue er nicht, sagte er dem RND, spricht aber auch von "Lernprozessen".

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Diskutiert wird derweil auch, inwieweit Journalisten aus den Veranstaltungen zitieren sollten, die deutlich vertraulicher wirken als andere Medienformate. So sind direkte Zitate ohne eine Einwilligung in den Nutzungsbedingungen von Clubhouse zwar untersagt, aber hier handelt es sich immerhin um quasi-öffentliche Debatten mit prominenter Beteiligung. Wenn sich Berichterstatter selbst an den Debatten beteiligen, könnte die Vertraulichkeit in den Talks außerdem Zweifel an der journalistischen Distanz wecken. Ramelow selbst jedenfalls meint, "wenn ich da meinen Regierungssprecher mitbringen muss, dann ist Clubhouse für Politiker tabu".

(mho)