Collabora bringt Online-Suite als Desktop-Anwendung

Collabora veröffentlicht seine Office-Suite nun auch als Desktop-Anwendung. Die nutzt Web-Technik statt des klassischen Toolkits.

vorlesen Druckansicht 3 Kommentare lesen
Collabora Office Fenster mit dem Schriftzug Office in lila

(Bild: Collabora Productivity Ltd)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Collabora hat eine Desktop-Version seiner bisher als Web-Anwendung veröffentlichten Office-Suite Collabora Online vorgestellt. Dabei setzt Collabora Office Desktop auf die gleiche Web-Technik wie die Online-Variante und unterscheidet sich damit grundlegend vom ebenfalls fĂŒr den Desktop gedachten Collabora Office Classic. Wie dieses ist es fĂŒr die Bearbeitung von lokalen Dateien gedacht, eine Cloud-Anbindung ist keine Voraussetzung. Das Gleiche gilt fĂŒr die Integration ins lokale Betriebssystem: Das neue Paket setzt auf das native Drucksystem und die dem Anwender bereits bekannten Befehle wie TastaturkĂŒrzel.

Entscheidend ist jedoch der technische Unterschied unter der Haube: Konkret basiert Collabora Office Classic auf dem traditionellen VCL-Toolkit von LibreOffice, wĂ€hrend die neue Desktop-Version JavaScript, CSS, Canvas und WebGL fĂŒr die BenutzeroberflĂ€che einsetzt. Hierbei handelt es sich also explizit um die gleiche technische Architektur wie bei Collabora Online, die ursprĂŒnglich nur fĂŒr den Einsatz im Browser entwickelt wurde.

Die technische Neuausrichtung bringt sowohl Vorteile als auch EinschrĂ€nkungen mit sich. Auf der Plus-Seite steht eine fĂŒr Nutzer einheitliche BenutzeroberflĂ€che, die konsistent mit Collabora Online gestaltet ist. Zudem entfĂ€llt die AbhĂ€ngigkeit von Java, das in der Classic-Version fĂŒr bestimmte Features, Assistenten und Datenbanktreiber benötigt wird. Entwickler können Änderungen an der JavaScript-basierten OberflĂ€che schneller umsetzen, da keine zeitaufwendigen Neukompilierungen von C++-Code erforderlich sind.

Allerdings verzichtet Collabora Office Desktop auf einige Funktionen der Classic-Version. So ist die Datenbank-Anwendung Base nicht integriert und die Makro-UnterstĂŒtzung beschrĂ€nkt sich auf die AusfĂŒhrung vorhandener Skripte – ein vollstĂ€ndiger Makro-Editor mit erweiterten BASIC-, Python- und UNO-Funktionen fehlt. Auch die umfangreichen Einstellungen und MenĂŒs der Classic-Version wurden zugunsten vereinfachter Standardoptionen reduziert.

Videos by heise

Mit den beiden parallel existierenden Produktlinien will Collabora unterschiedliche Nutzergruppen ansprechen. Collabora Office Classic mit seinem etablierten Interface und umfassenden Feature-Set richtet sich an Anwender, die maximale FunktionalitĂ€t und langfristigen Enterprise-Support benötigen. FĂŒr diese Variante bietet das Unternehmen bereits entsprechende Support-VertrĂ€ge an.

Die neue Desktop-Version zielt dagegen auf existierende Collabora-Online-Nutzer ab, die das gleiche Office-Paket fĂŒr ihren lokalen Desktop benötigen. Enterprise-Support fĂŒr Collabora Office Desktop ist laut AnkĂŒndigung in Planung, aber noch nicht verfĂŒgbar. WĂ€hrend fĂŒr die Classic-Version umfangreiche HandbĂŒcher und BĂŒcher existieren, stehen fĂŒr die Desktop-Variante zunĂ€chst Quick-Start-Guides zur VerfĂŒgung. Eine Tabelle mit den Hauptunterschieden der neuen Desktop-Version und der Classic-Variante findet sich ebenfalls in der AnkĂŒndigung.

Beide Produktlinien basieren auf dem LibreOffice-Code, unterscheiden sich jedoch in ihrer technischen Umsetzung und Zielrichtung. Collabora selbst ist stark an der Weiterentwicklung des Open-Source-Pakets der Document Foundation beteiligt, das aktuell in Version 25.8 vorliegt.

(fo)