Corona-Pandemie: Russische Desinformationskampagne gegen Biontech-Impfstoff

Staatliche Stellen in den USA haben eine russische Desinformationskampagne vor allem gegen den Impfstoff von Pfizer/Biontech beobachtet.

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(Bild: Andrey_Popov/Shutterstock.com)

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  • Martin Holland

Russische Geheimdienste stecken hinter einer Kampagne, mit der das Vertrauen in westliche Impfstoffe gegen Covid-19 unterminiert werden soll. Das behaupten Vertreter von US-Regierungseinrichtungen gegenüber dem Wall Street Journal. Die beziehen sich demnach auf mehrere Websites, hinter denen die Geheimdienste stecken sollen und die falsche Narrative über Impfstoffe wie den von Pfizer und der deutschen Firma Biontech verbreiten würden. Ähnliches hat ein Think-Tank bei einer Analyse von Hunderten Social-Media-Accounts mit Verbindungen zu den Regierungen Russlands, Chinas und des Irans herausgefunden, aber nur in Bezug auf den Pfizer-Impfstoff, weniger auf westliche Alternativen.

Die Desinformationskampagne wurde der US-Zeitung von einem ungenannten Vertreter des Global Engagement Centers beschrieben, das für das US-Außenministerium solche Aktionen analysiert. Vier verschiedene Publikationen im Internet, die von dem Zentrum direkt mit russischen Geheimdiensten in Verbindung gebracht werden, verbreiten demnach falsche oder irreführende Aussagen über westliche Impfstoffe gegen Covid-19. Zwar hätten die vier keine große Leserschaft, aber ihre Inhalte könnten von russischen oder internationalen Medien weiter verbreitet werden, warnt der Regierungsvertreter. Die Medien heißen demnach "New Eastern Outlook", "Oriental Review", "News Front" und "Rebel Inside".

Beweise für die behauptete Verbindung zu russischen Geheimdiensten und anderen russischen Einrichtungen hat der Regierungsvertreter nicht genannt, schreibt das Wall Street Journal noch, was in dem Artikel auch kritisiert wird. Als Beispiel für die behauptete Desinformation werden Artikel genannt, in denen die Publikationen tatsächliche Nachrichtenbeiträge zu den Impfstoffen aufgegriffen hätten. Dabei seien dann aber Komplikationen oder Risiken in den Fokus gestellt worden, während dagegen sprechende Informationen und Details zur allgemeinen Sicherheit der Impfstoffe ausgelassen würden. So wurden die Impfstoffe inzwischen millionenfach verabreicht, bei den Komplikationen ging es aber meist um Einzelfälle.

In eine ähnliche Richtung geht die Analyse der "Alliance for Securing Democracy", die Teil der Stiftung des German Marshall Funds ist. Dafür wurden mehr als 35.000 Nachrichten in sozialen Netzwerken untersucht, die von Diplomaten, Regierungsvertretern und Staatsmedien aus Russland, China und dem Iran verbreitet wurden und einen Bezug zu Impfstoffen hatten. Besonders häufig wurde demnach der Impfstoff von Pfizer und Biontech erwähnt, und die Accounts aus Russland und dem Iran waren demnach besonders kritisch. Jeweils rund 90 Prozent der Beiträge seien negativ gewesen. Aber man könne nicht schlussfolgern, dass alle Beiträge über westliche Impfstoffe negativ gewesen waren. So seien die Beiträge zum Impfstoff von Moderna "gemischt" gewesen und die zu dem der Universität Oxford und von AstraZeneca neutral beziehungsweise positiv.

Der Analyse zufolge haben russische Accounts am häufigsten Bezüge zwischen dem Pfizer-Impfstoff und Todesfällen hergestellt. Warum ausgerechnet dieser Impfstoff so stark kritisiert wurde, sei unklar. Es könnte daran liegen, dass er als Erster aus dem "Westen" zugelassen wurde und deswegen als wichtigster Konkurrent für Impfstoffe aus Russland oder China galt. Der russische Umgang mit dem AstraZeneca-Impfstoff habe sich derweil deutlich geändert, nachdem Versuche mit einer Kombination aus diesem und dem russischen Impfstoff Sputnik V angekündigt wurden. Russland und China hätten außerdem jeweils nur die eigenen Impfstoffe beworben, nicht die jeweils anderen.

(mho)