Corona Warn App in Kürze bei F-Droid verfügbar

Der Entwickler Marvin Wißfeld hat die Client-Bibliotheken für die Corona Warn App nachgebaut. Damit funktioniert die App unter Android ohne Google-Services.

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(Bild: Marco.Warm / Shutterstock.com)

Von
  • Andreas Itzchak Rehberg

Nicht nur Forscher stellen fest, dass der Erfolg der Corona-Warn-App entscheidend von ihrer Akzeptanz abhängt. Eine erhöhte Akzeptanz war auch einer der Gründe, warum man sich frühzeitig für eine dezentrale Lösung entschied – die auch, für mehr Transparenz, quelloffen (also "open source") entwickelt werden sollte. Was auch so geschieht: Der Quellcode lässt sich bei Github einsehen.

Der gesamte Quellcode? Fast. Es gibt da noch ein kleines Fleckchen… Für die Funktionalität wird nämlich auf die so genannte "Exposure API" von Google (bzw. Apple) zugegriffen. Und deren Code ist nicht quelloffen. Auch lässt sich die App selbst derzeit nur über die jeweiligen "offiziellen Stores" von Google und Apple beziehen. Mehrfache Anfragen, die APK Datei für Android z. B. auf Github zur Verfügung zu stellen, wurden hauptsächlich mit zwei Begründungen zurückgewiesen:

  • Die App würde ohne vorinstallierte Google Services ohnehin nicht funktionieren (was seit Anfang September so nicht mehr stimmt, da mittlerweile auch microG die Exposure API abbildet)
  • Das RKI hätte dafür keine Freigabe erteilt

Da betont also das RKI auf der einen Seite, es sollten doch bitte alle diese App installieren – macht sie aber auf der anderen Seite nicht für alle verfügbar: Insbesondere Nutzer neuerer Huawei-Geräte schauen somit weiterhin in die Röhre. Ebenso diejenigen, die zum Schutz ihrer Privatsphäre auf die Google-Anbindung (einschließlich des für die Nutzung des Play Store notwendigen Google Kontos) verzichten.

Also hat sich Marvin Wißfeld, der Autor des microG Frameworks, erneut hingesetzt – und in wenigen Wochen im Alleingang das geschafft, was den Großunternehmen SAP und DTAG trotz staatlicher Bezuschussung scheinbar nicht gelungen ist: Er hat auch die Client-Bibliotheken (also die bislang in der App selbst benötigten unfreien Google-Komponenten zum Ansprechen der Exposure API) als Open Source nachgebaut. Und natürlich unter einer freien Lizenz verfügbar gemacht. Und zwar derart, dass sie als sogenanntes "drop-in replacement" mit wenigen Schritten die proprietären Google Bibliotheken ersetzen können.

Dies hat die F-Droid Community sofort zum Anlass genommen, das Ganze in einem Fork der App umzusetzen – und bereits wenige Stunden später eine funktionstüchtige App erstellt, die vollständig quelloffen ist. Derzeit wird diese noch intern getestet – sollte aber in wenigen Tagen bei F-Droid bereitstehen. Und natürlich steht es auch SAP/DTAG frei, auf diese quelloffenen Bibliotheken umzustellen. Das entsprechende Angebot wurde ihnen bereits unterbreitet. Aber wahrscheinlich muss da das RKI erst wieder zustimmen.

(bme)