Corona-Warn-Apps: EU-Staaten testen grenzüberschreitende Funktion

Deutschland und fünf weitere EU-Länder proben auf einer von der EU-Kommission entwickelten Infrastruktur, ob ihre Tracing-Apps Daten abgleichen können.

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(Bild: Marco.Warm / Shutterstock.com)

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  • Stefan Krempl

Seit Monaten sind sich die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten im Prinzip einig, dass möglichst viele nationale Corona-Warn-Apps über Grenzen hinweg zusammenspielen können sollten. Die Brüsseler Regierungseinrichtung hat dafür nach eigenen Angaben inzwischen eine technische Lösung in Form eines Back-End-Servers sowie eines grenzüberschreitenden Datenabgleichdienst entwickelt, die sechs Länder seit Montag testen. Dazu gehören Dänemark, Irland, Italien, Lettland, Tschechien und Deutschland.

Der Matching-Service wird von den Konzernen T-Systems und SAP entwickelt und eingerichtet, die bereits die deutsche Corona-Warn-App (CWA) programmiert haben. Anschließend soll die Infrastruktur vom Rechenzentrum der Kommission in Luxemburg aus betrieben werden. Den Realbetrieb will die Exekutivinstanz im Oktober direkt nach dem Ende des Probelaufs aufnehmen.

Die meisten Mitgliedsstaaten haben inzwischen eine Mobilanwendung herausgebracht, um Coronavirus-Infektionsketten besser nachverfolgen zu können, beziehungsweise planen einen solchen Schritt. Die Kommission hat den Abgleichdienst auf Basis einer Absprache im Rahmen des E-Health-Netzwerks der Mitgliedsstaaten konzipiert, wonach die nationalen Systeme prinzipiell interoperabel sein und eine dezentrale, besonders datenschutzfreundliche Architektur verwenden sollen. Nun geht es um einen weitergehenden Informationsaustausch über ein Gateway zwischen den Back-End-Servern der nationalen Anwendungen.

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Nutzer sollen so nur eine App installieren müssen und trotzdem fähig sein, auch bei Reisen in andere Mitgliedsstaaten einen positiven Test zu melden oder eine Warnmeldung zu empfangen. Dabei werden laut der Kommission über den Abgleichdienst willkürlich ausgewählte Kennungen zwischen den interoperabel aufgebauten nationalen Systemen empfangen und weitergeleitet, um die ausgetauschte Menge an Bits und Bytes sowie den Datenverbrauch der Nutzer möglichst gering zu halten.

Der Informationsaustausch erfolge "pseudonymisiert und verschlüsselt und bleibt auf das Minimum beschränkt", betont das Brüsseler Gremium. Alle Daten würden nur so lange gespeichert, "wie es für die Rückverfolgung von Infektionen erforderlich ist". Einzelpersonen könnten damit nicht identifiziert werden.

Mitgliedsstaaten wie Frankreich, die auf eine zentrale Serverlösung setzen, bleiben bei dem Ansatz außen vor. In dem deutschen Nachbarland sind die Infektionszahlen in den vergangenen Tagen besonders rasant angestiegen. Europäische Länder wie die Schweiz verfolgen zwar einen dezentralen Ansatz, gehören aber nicht der EU an und müssten daher für den grenzüberschreitenden App-Einsatz erst ein bilaterales Interoperabilitätsabkommen unterzeichnen.

Binnenmarktkommissar Thierry Breton knüpft dennoch große Hoffnungen an den nun eingeleiteten Schritt. Der Franzose zeigte sich zuversichtlich, dass der Abgleichdienst das Reisen in Zeiten der Pandemie erleichtern und "Menschenleben retten" werde. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides betonte, dass die Mobilanwendungen angesichts steigender Fallzahlen andere Maßnahmen ergänzen könnten wie "verstärkte Tests und die herkömmliche Kontaktrückverfolgung durch die Gesundheitsbehörden".

(olb)