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"Covid Certificate": Schweiz startet digitales Impfzertifikat​

Tom Sperlich

(Bild: bag.admin.ch)

Die Apps für iOS und Android sind schon da, bald soll es auch die digitalen Zertifikate für Impfungen und Tests geben. Das Schweizer Modell ist EU-kompatibel.

In der Schweiz hat der Testbetrieb für das digitale Covid-Zertifikat begonnen. Seit Montag stehen die "Covid Certificate" genannten Apps in den App-Stores für iOS (ab Version 12) und Android (ab Version 7) zu Verfügung. Nur mit den Zertifikaten selbst wird es noch etwas dauern. Bis voraussichtlich Ende Juni 2021 soll das System der breiten Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Das Covid-Zertifikat dokumentiert eine Covid-19-Impfung (Gültigkeitsdauer 180 Tage), eine durchgemachte Erkrankung aufgrund einer Infektion mit SARS-CoV2 (Gültigkeitsdauer 180 Tage) oder ein negatives Testresultat auf Basis eines PCR-Tests (Gültigkeitsdauer 72 Stunden) oder Antigen-Schnelltests (Gültigkeitsdauer 24 Stunden).

"An alle, die jetzt ungeduldig auf die Lösung warten - sie nützt noch nichts, weil sie noch nirgends angewendet wird, weder in der Schweiz noch im Ausland", bat Finanzminister Ueli Maurer um etwas Geduld. Zu den Sommerferien rechnet der Minister mit der Einsatzfähigkeit. Entwickelt wurde die App innerhalb von gut drei Wochen von dem federführenden Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) sowie Partnern aus der Privatwirtschaft.

Technisch und inhaltlich ist das Schweizer Zertifikat mit dem "EU Digital COVID Certificate [1]" (ehemals "digitales grünes Zertifikat") kompatibel. Und wenn dieses wie geplant ab 1. Juli zur Verfügung steht, soll auch das Schweizer Zertifikat anerkannt worden sein. Spätestens bis dahin soll für Reisen in den Schengen-Raum auch eine Lösung mit der EU gefunden werden

Grundsätzlich sollen die Zertifikate automatisiert herausgegeben werden, betont das BIT. Dazu sollen die vorhandenen Informationen aus den Systemen mit digitalen Impf- und Testdaten der jeweiligen Kantonen automatisch übernommen und bei Bedarf manuell ergänzt werden. Wobei die Kantone zunächst noch definieren müssen, wer die Zertifikate ausstellen wird. In Frage kommen dafür die Impf- und Testcenter, Krankenhäuser, Ärzte oder Apotheken.

Das BIT will ein System zur Verfügung stellen, mit dem die Aussteller möglichst einfach Covid-Zertifikate generieren können. Das wird zunächst über eine Web-Anwendung des BIT passieren, während parallel dazu eine digitale Schnittstelle eingeführt wird, die es erlaubt, Zertifikate direkt aus den kantonalen Impf- und Testsystemen sowie aus IT-Systemen in Arztpraxen, Spitälern und Apotheken auszustellen.

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Hersteller entsprechender IT-Systeme können auf Antrag beim BIT ihre Systeme an die Schnittstellen anbinden lassen. Da die Systeme der Kantone unterschiedlich sind, muss vom Bundesamt jeweils eine funktionierende Lösung zusammen mit den Kantonen gefunden werden, erklärte der Leiter des BIT, Dirk Lindemann.

Außerdem wurde für Geimpfte, Getestete, Genesene und App-User vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), der Auftraggeber des Covid-Zertifikats, eine Webseite [3] aufgeschaltet, auf der Links zu einer Reihe von Kantonen zu finden sind. Diese informieren darüber, wie man im jeweiligen Kanton an das Zertifikat gelangt.

Grundsätzlich wird das Zertifikat als PDF-Dokument oder in Papierform mit einem QR-Code zur Verfügung gestellt. Der QR-Code kann mit der Covid Certificate App gescannt und das Zertifikat so gespeichert werden. Es soll später im Monat, sobald alle Systeme laufen, aber auch direkt auf die App geliefert werden, was insbesondere für Testresultate wichtig ist, da die Gültigkeit schnell abläuft.

Der QR-Code des Zertifikats ist mittels einer digitalen Signatur des Bundes zudem fälschungssicher, unterstreicht das BIT. Der Quellcode des Zertifikats [4] ist öffentlich. Damit kann das Programm auf Sicherheitslücken überprüft werden, was das

Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) bereits gemacht hat. Dennoch wird das System derzeit noch im Rahmen eines Public Security Tests [5] durch weitere Fachleute und interessierte Personen einem Härtetest unterzogen.

Während des ganzen Prozesses der Zertifikaterstellung und Auslieferung finde keine Speicherung persönlicher Daten in einem zentralen System statt. Die für die Signierung des Zertifikats benötigten Daten würden vom System gelöscht, sobald das Zertifikat generiert und übermittelt ist, betonen BAG und BIT. Auch das Covid-Zertifikat selbst befindet sich ausschließlich in persönlichem Besitz, betont der Bund.

Die QR-Codes der Covid-Zertifikate respektive ihre digitalen Signaturen können mit der Prüf-App "COVID Certificate Check" verifiziert werden. Diese ist jedoch ausschließlich für Personen und Institutionen notwendig, welche die Covid-Zertifikate überprüfen. Auch beim Überprüfungsvorgang speichert die App keine Daten auf zentralen Systemen oder in der Prüf-App, versichert der Bund. Die prüfende Person sieht lediglich den Namen, Vornamen, das Geburtsdatum und die Gültigkeit des Zertifikats.

Nach Einführung des "EU Digital COVID Certificate“ können die Schweizer Zertifikate an der Grenze zu EU-Staaten über den zentralen EU-Gateway und den Austausch der digitalen Signaturen geprüft werden und vice versa. Unklar ist allerdings noch, wo das Covid-Zertifikat überall zur Anwendung kommt. Zunächst wird es wohl zum Reisen und für Großveranstaltungen verwendet werden. Über die weiteren Einsatzbereiche wird der Bundesrat ab Mitte Juni 2021 entscheiden.

(vbr [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-6066671

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Einigung-bei-digitalem-EU-Covid-Zertifikat-zwischen-Rat-und-Parlament-6051713.html
[2] https://www.heise.de/news/Digitaler-Impfpass-Warum-sich-das-gruene-Zertifikat-in-Deutschland-verspaetet-6058656.html
[3] https://bag-coronavirus.ch/zertifikat/wie-erhalte-ich-ein-covid-zertifikat-und-wie-verwende-ich-es/
[4] https://github.com/admin-ch/CovidCertificate-Documents
[5] https://www.ncsc.admin.ch/ncsc/de/home/dokumentation/covid-certificate-pst/faq.html
[6] mailto:vbr@heise.de