Cybercrime: Ermittlungen nach IT-Ausfall an Düsseldorfer Uniklinik eingeleitet

Große Krankenhäuser zählen zur besonders schützenswerten Infrastruktur. Ermittler untersuchen den umfangreichen IT-Ausfall an der Düsseldorfer Uniklinik.

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(Bild: antb/Shutterstock.com)

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  • dpa

Nach dem umfangreichen Ausfall des IT-Systems am Düsseldorfer Uniklinikum mit tagelangen Einschränkungen für viele Patienten hat die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime des Landes Nordrhein-Westfalen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. "Es verdichten sich die Hinweise, die auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten hindeuten", sagte ein Sprecher der Zentralstelle, die bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelt ist, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Im Austausch mit den Betroffenen werde unter anderem geprüft, ob und gegebenenfalls welche Maßnahmen erforderlich seien.

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Der Ausfall des IT-Systems hatte am Universitätsklinikum Düsseldorf am Freitag den zweiten Tag in Folge starke Einschränkungen zur Folge. "Wir sind von der Notfallversorgung abgemeldet", sagte ein Sprecher Freitagvormittag der dpa. Damit würden Rettungswagen das Uniklinikum weiterhin nicht anfahren, sondern andere Krankenhäuser ansteuern. Die Notfallaufnahme selbst sei aber besetzt. "Wer kommt, wird behandelt", erklärte er. Die Telefonanlage habe man am Donnerstag wieder ans Netz nehmen können, sowohl externe als auch interne Anrufe seien wieder möglich. "Wir sind wieder erreichbar", betonte der Sprecher.

Allerdings habe der E-Mail-Verkehr zunächst noch nicht funktioniert. Planbare und ambulante Behandlungen fänden bis auf Weiteres nicht statt und werden verschoben, heißt es in einem Warnhinweis auf der Internetseite des Klinikums von Donnerstagabend, die auch noch am Freitagnachmittag eingeblendet wurde. Patienten würden daher gebeten, das Universitätsklinikum Düsseldorf nicht aufzusuchen – auch dann nicht, wenn ein Termin vereinbart worden sei, hieß es darin.

Am Donnerstag war um 3 Uhr nachts im Universitätsklinikum Düsseldorf das Computer- und Informationssystem weitgehend ausgefallen. Am Universitätsklinikum Düsseldorf werden jährlich mehr als 50.000 Patienten nach Angaben der Einrichtung stationär versorgt. Zudem würden etwa 300.000 Patienten im Jahr ambulant behandelt. Gemessen an der Bettenzahl belegt es einem Ranking zufolge den Platz sieben der größten NRW-Kliniken.

Die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen haben ihren Schutz gegen Cyberangriffe nach Verbandsangaben in den vergangenen Jahren gezielt überprüft. Seitdem sei es zu wenigen Sicherheitsvorfällen gekommen, erklärte ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft NRW am Freitag auf Anfrage der dpa. Die Krankenhäuser in NRW seien sehr sensibilisiert und arbeiteten auf Landesebene über die Krankenhausgesellschaft eng mit Behörden zusammen. So fänden Workshops mit dem Landeskriminalamt und ein enger Austausch mit dem Gesundheitsministerium statt.

In Nordrhein-Westfalen waren das Lukaskrankenhaus im benachbarten Neuss und das Forschungszentrum Jülich sowie mehrere Unternehmen in der Vergangenheit Ziele von Hackerangriffen. Große Krankenhäuser werden zu der sogenannten kritischen Infrastruktur gezählt, die es besonders zu schützen gilt. Für sie gibt es branchenspezifische Sicherheitsstandards, erläuterte die Krankenhausgesellschaft NRW.

(bme)