Cyberwar: US-Militär hackt "defensiv und offensiv" zugunsten der Ukraine

Ein US-General hat bestätigt, dass US-Dienste der Ukraine auch im Cyberwar beistehen. Man sei defensiv aber auch offensiv aktiv, sagte Paul Nakasone.

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(Bild: Josef Cole, U.S. Cyber Command)

Der für die elektronische Kriegsführung verantwortliche US-General hat bestätigt, dass die Vereinigten Staaten im Ukraine-Krieg offensiv, defensiv und zur Informationsgewinnung Hacking-Operationen durchführen. Das sagte Paul Nakasone, der das Cyber Command der US-Streitkräfte und den Geheimdienst NSA leitet, dem Nachrichtensender Sky News. "Wir haben eine Reihe von Operationen durchgeführt, die das gesamte Spektrum abdecken", sagte Nakasone. Außerdem ergänzte er, dass Spezialisten bis kurz vor Kriegsbeginn in der Ukraine anwesend waren, um nach Cyberbedrohungen zu jagen und dem Land bei der Cyberabwehr zu helfen. Alle Aktivitäten würden im gesetzlichen Rahmen und unter voller ziviler Kontrolle durchgeführt.

Was genau die US-Dienste als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg unternommen haben, führt der General in dem Interview nicht aus. Sein Job sei es, dem US-Verteidigungsminister und dem US-Präsidenten Optionen anzubieten, "und das ist es, was ich tue". Welche Optionen das seien, sagte er nicht. Anders als Russland zielten die USA aber darauf, "strategisch die Wahrheit zu sagen". Die Möglichkeit, Informationen mit der Öffentlichkeit zu teilen, und sicherstellen zu können, dass die wahr sind, zur rechten Zeit kommen und Konsequenzen haben, sei "sehr, sehr wirkungsvoll in dieser Krise". Außerdem widersprach er Einschätzungen, dass Warnungen vor den Cyberaktivitäten im Rahmen des Kriegs übertrieben seien. Die Ukraine würde dem sicher widersprechen, aber deren Unverwüstlichkeit sei womöglich der faszinierendste Aspekt der Geschichte.

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Nakasone lobte demnach weiterhin eine unter seiner Führung entwickelte Initiative namens "Hunt forward" (etwa "Vorwärts jagend"). In deren Rahmen werden demnach Spezialisten und Spezialistinnen des Cyber Commands für begrenzte Zeiträume in andere Staaten entsandt, um dort in den IT-Netzen nach geheimdienstrelevanten Informationen zu suchen. Dabei geht es etwa um Spuren von Hackerangriffen, Details dazu würden dann mit den gastgebenden Staaten geteilt. Über 16 Nationen seien beteiligt. Für eine solche Mission seien Angehörige des US-Militärs im Dezember in die Ukraine gereist, wo sie für fast 90 Tage geblieben seien. Vor Beginn der Invasion habe man sie wieder abgezogen.

Mit dem Eingeständnis, dass die USA defensiv, aber auch offensiv in den Cyberwar um die Ukraine eingreifen, fügt Nakasone dem Bild der Aktivitäten jetzt ein weiteres Puzzlestück hinzu. Kurz nach Kriegsbeginn gab es teils fast apokalyptische Warnungen vor einem Cyberkrieg. Das war wohl deutlich übertrieben. Einzelne Angriffe mit teils schwerwiegenden Folgen wurden öffentlich. Vor allem Russland scheint aber deutlich in die Defensive gedrängt worden zu sein, mehrere Terabyte an gehackten Daten wurden auf einschlägigen Plattformen bereits öffentlich gemacht. Vor wenigen Tagen hat Russlands Präsident Wladimir Putin eine Zunahme von Cyberangriffen gegen sein Land beklagt und ausländischen Geheimdiensten vorgeworfen, diese zu koordinieren.

(mho)