Daimler-Chef: "Wir müssen auch die Software beherrschen"

Daimler konzentriert sich mehr auf Software, denn das sei eine Möglichkeit, mehr Kontakt zu den Kunden zu bekommen, sagt der Konzern-Chef.

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Daimler-Portal "Mercedes me"

(Bild: Daimler)

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"Autos werden zu Smartphones auf Rädern", meint Daimler-Vorstandvorsitzender Ola Källenius. "Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir neben der Hardware auch die Software beherrschen", sagte er in einem Interview. Sein Unternehmen wolle in Elektromobilität und Digitalisierung Milliardenbeträge investieren und ein völlig neues Betriebssystem entwickeln.

"Stellen Sie sich so etwas wie Windows fürs Auto vor", zieht Källenius im Handelsblatt einen Vergleich zur IT-Welt. Es gehe also nicht nur um Navigation, Sprachsteuerung, Musik oder Telefonie, sondern um das komplette Fahrzeug – von Bremssystemen über die Ansteuerung des Antriebsstrangs und der Airbags bis hin zu Infotainment.

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Ein eigenes Betriebssystem namens MB.OS hatte Daimler-Entwicklungschef Markus Schäfer im Januar dieses Jahres auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Der Konzern wolle dazu die Rechenfunktionen in den eigenen Fahrzeugen bündeln und mehr Software-Kompetenz im Unternehmen aufbauen, statt diese Aufgaben an Fremdfirmen zu vergeben. Bis das System fertig sei, könnten vier Jahre vergehen, hieß es seinerzeit.

Källenius ergänzt nun: "Erste Bestandteile und Teildomänen gibt es bereits. Seit zwei Jahren haben wir beispielsweise unser Multimediasystem MBUX auf dem Markt. Mit der neuen S-Klasse kommt Ende des Jahres der nächste sehr große Schritt." Bis der komplette Paradigmenwechsel zu MB.OS vollzogen sei, dauere es aber noch bis 2024 oder 2025."

Sein Unternehmen wolle die neuen, softwarebasierten Geschäftschancen selbst wahrnehmen, sagte Källenius weiter. "Heute verkaufen oder verleasen wir alle paar Jahre ein Auto an einen Kunden. Dazwischen findet aber wenig Interaktion statt." Eine rein Software-definierte Architektur könne es ermöglichen, Kunden über cloudbasierte Over-the-Air-Updates neue Features anzubieten. "Das wird eine wichtige Einnahmequelle für uns werden." Der Daimler-Chef stimmt dabei eine Analogie mit Apple zu, das in den vergangenen fünf Jahren den Serviceanteil am Umsatz verdoppelt habe.

Källenius zeigte sich in Sachen Softwarearchitektur für die Zusammenarbeit mit Partnern offen. Im März dieses Jahres wurde berichtet, die Vorstände von Daimler und Volkswagen hätten darüber beraten, ob sie gemeinsam ein Betriebssystem, Vernetzungs- und autonome Fahrfunktionen für ihre Elektroautos coden lassen sollten.

(anw)