Betriebssystem VSE: Der große Unbekannte im Mainframe

Neue Umgebungen und SAP

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Der Fokus ihrer aktuellen Entwicklung liegt auf der Integration des Mainframes in heterogene Rechnerwelten und auf individuellen Lösungen im Kundenauftrag. Können Sie vielleicht ein, zwei aktuelle Beispiele für solche Projekte kurz vorstellen?

Hans-Dieter Lattwein: Zunächst einmal: Die großen Entwicklungen in der Anwendungsmodernisierung gehen – wie eben schon gesagt – auf die Jahrtausendwende zurück. Damals hatte die IBM ja noch nichts, was sie heute „Konnektoren“ nennt. Allerdings gab es damals schon aussagefähige IBM-Veröffentlichungen dazu, was mit VSE alles möglich ist, zum Beispiel mit unseren Entwicklungen.

Unsere Werkzeuge für die Entwicklung von Intranet-/Internet-Anwendungen unter CICS sind seit 1997 erfolgreich im praktischen Einsatz, Browser-Anwendungen mit reinem Mainframe-Background und unsere Konnektoren für plattformübergreifende Entwicklungen. Schon 1999 konnten wir einen Referenzkunden für Browser-Anwendungen unter CICS vorzeigen, dann kamen schnell Referenzkunden für Internet-Anwendungen mit VSE und für Zugriffe auf andere Plattformen hinzu.

Unser erstes größeres Projekt haben wir dann Ende der 90er für einen Nicht-Kunden gemacht, der uns an einem Informationsstand kennengelernt hat: etwa 35 Anzeige-Programme haben wir damals auf Browser-Anwendungen umgestellt. In einem Tag pro Programm! Der große Vorteil war damals die Bedienbarkeit und Akzeptanz beim Anwender, weil große Datenmengen besser in beliebig langen Tabellen und List-Boxen dargestellt werden konnten und die Verzweigung zur Einzelanzeige per Link gelöst werden konnte. Damit entfielen die Einschränkungen des 3270-Bildschirms auf 24 Zeilen und 80 oder 132 Spalten. Unsere Bestandskunden konnten wir dafür in einem Wochenseminar schulen.

In den 2000er Jahren rückten als Entwicklungsumgebungen unter anderem .NET und Java in den Vordergrund – da mussten wir nur jeweils in wenigen Tagen einen anforderungsspezifischen Prototypen entwickeln, um in solche Anwendungen ein Mainframe-Programm mit Parameter-Übergabe einzubinden oder um mit VSE-Anwendungen online oder im Batch direkt mit Webservices zu kommunizieren.

Auch Lattwein integriert VSE-Systeme mit anderen Anwendungswelten – zum Beispiel in SAP-Umgebungen. Welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht? Wird diese Integration durch neue Technologien wie Cloud oder Hana komplizierter oder einfacher?

Hans-Dieter Lattwein: SAP – da hat es in den letzten zwanzig Jahren bei uns mehrere Projekte gegeben. Zwischenzeitlich mussten wir feststellen, dass früher im SAP die Datenstrukturen maximal komplex und proprietär waren; das „Zerpflücken“ von IDocs war zum Beispiel eine Qual.

Das geht heute besser: Seit 2006 gibt es bei uns die CPG/SAP-Shell, um aus Host-Anwendungen Daten ins SAP abzustellen. Zehn Jahre später haben wir auch für den umgekehrten Weg einen Prototypen entwickelt: Ist SAP das führende System, dann können Host-Anwendungen online und im Batch per Link einen Funktionsbaustein (BAPI) im SAP-System aufrufen. Also es ist eindeutig einfacher geworden. Zumindest für unsere Kunden. Im Einsatz sind diese neueren Lösungen allerdings noch nicht.

Meine Herren, vielen Dank für das Interview!

Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Linux auf dem Mainframe: So hat die IBM erst Mitte des Monats ihren neuen LinuxONE Emperor 4 vorgestellt und Linux-Admins haben in dem Feld beste Berufsaussichten. (fo)