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Das Interview zur neuen iX: Wie Softwareentwicklung mit verteilten Teams klappt

Auch viele Softwareentwickler wollen lieber weiter im Homeoffice arbeiten. Mit den richtigen Methoden und Werkzeugen klappt das – die neue iX stellt sie vor.

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Von
  • Moritz Förster

Im Homeoffice winken auch Softwareentwicklern viele Vorteile. Doch gestaltet sich hier die Zusammenarbeit besonders schwer oder können Führungskräfte mit den richtigen Methoden und Werkzeugen ein gutes Team zusammenstellen? Die Titelstrecke der neuen iX 6/2022 zeigt, wie Sie es richtig machen – einen ersten Einblick gibt das Interview mit den Autoren Stefan Mintert und Isabel Drost-Fromm.

Stefan Mintert im Interview für die iX 6/2022

Stefan Mintert unterstützt Unternehmen dabei, eine agile Kultur nicht nur für verteilte Teams zu etablieren.

Isabel Drost-Fromm im Interview für die iX 6/2022

Isabel Drost-Fromm ist Java-Entwicklerin, Mitglied der Apache Software Foundation und Open Source Strategist bei der Europace AG.

Agile Teams und verteilte Zusammenarbeit – widerspricht das nicht dem sechsten Prinzip des agilen Manifests? Am besten seien schließlich Gespräche von Angesicht zu Angesicht. Können agile Teams dennoch auch verteilt gut zusammenarbeiten?

Stefan: Zunächst ist das agile Manifest schon 21 Jahre alt. Alle Meeting-Werkzeuge, die wir heute in der Softwareentwicklung verwenden, sind erst später entstanden. Zweitens ist im sechsten Prinzip das Gespräch der entscheidende Aspekt. Es ist viel besser als der Austausch von Dokumenten. In der agilen Zusammenarbeit entsteht viel Gutes durch den Dialog über eine User Story, den es bei schriftlichen Vorgaben eines Requirements nicht geben würde. Diese Gespräche kann eben auch ein verteiltes Team führen.

Viele Angestellte genießen die Vorteile der verteilten Teamarbeit – wie können denn auch Unternehmen und Geschäftsleitungen von dieser Arbeitsweise profitieren?

Stefan: Die Teamstruktur muss für beide Seiten funktionieren, anders ist das nicht auf Dauer tragfähig. Mein wichtigstes Argument aus Unternehmenssicht ist der Pool an verfügbaren Mitarbeitern. Früher lautete hierbei die entscheidende Frage für Unternehmen: Wie kann ich die besten Leute, die an meinem Standort leben, für mich gewinnen und halten? Heute lautet die Frage: Wie kann ich die besten Leute weltweit für mich gewinnen und halten?

Einem neu gegründeten Softwareentwicklungsunternehmen würde ich in Zeiten des Fachkräftemangels meist dazu raten, auf eine Standortbindung zu verzichten. Bei einem vorhandenen Team sieht es anders aus. Es lediglich durch einzelne Personen zu verstärken, die nicht am Standort arbeiten, ergibt kein verteiltes Team. Stattdessen werden die Neuen remote arbeiten – und nicht dort sein, wo die eigentliche Arbeit erledigt wird. Das schwächt gar den Teamzusammenhalt.

Open-Source-Teams arbeiten fast ausschließlich geografisch verteilt. Was können Unternehmen konkret von der Zusammenarbeit in diesen Projekten lernen?

Isabel: In vielen Firmen sehe ich noch einen starken Fokus auf zeitlich synchronen Austausch – entweder persönlich oder wenigstens in Videokonferenzen. Dies bietet in der Kommunikation viel Bandbreite, geht aber mit hohem Aufwand einher. Open-Source-Projekte setzen im Vergleich stark auf asynchrone Kommunikation. Auf diese Weise kann die Zeit in Meetings oder persönlichen Treffen viel effektiver genutzt werden, fokussiert all jene Themen anzugehen, die sich tatsächlich asynchron nicht lösen lassen.

Muss man direkt alle Prozesse auf asynchrone Kommunikation ausrichten oder gibt es Kernbereiche, die man zuerst anvisieren sollte – wie gelingt der Einstieg am einfachsten?

Isabel: In der InnerSource Commons Foundation haben wir nicht nur Patterns zu konkreten Open-Source-Arbeitsweisen im Unternehmen gesammelt, sondern auch zur Umstellung an sich. Will man in das Thema einsteigen, bietet sich ein Pilotprojekt in einem abgesteckten Rahmen an. Basierend auf diesen Erfahrungen kann man dann im Unternehmen Schritt für Schritt weitere Anpassungen vornehmen.

Und wenn man als Unternehmen den Wandel zur verteilten Softwareentwicklung mit InnerSource geschafft hat, dann muss sich das Team nie mehr begegnen…?

Isabel: So ganz stimmt das natürlich nicht. Wer je in einem Open-Source-Projekt unterwegs war, weiß, dass man sich auch dort persönlich trifft. Der Fokus von persönlichen Treffen wird sich aber verschieben: Vieles von dem, was bei reiner Büroarbeit quasi nebenbei passiert, muss explizit Raum und Zeit bekommen. Wo früher viel neben der Kaffeemaschine, in den zehn Minuten bis zum Meeting oder beim zufälligen Treffen im Flur passierte, braucht es dafür heute neue Räume.

In der Juni-iX geht es außerdem um digitale Gesundheits-Apps, denn ebenso hoch wie das Marktpotenzial sind die Anforderungen und Hürden für Entwickler der Anwendungen. Einen kritischen Blick wirft das neue Heft zudem auf das neue Ubuntu 22.04 LTS und den neuen Mainframe IBM z16. Die iX 6/2022 ist im Heise-Shop als PDF oder gedrucktes Heft erhältlich.

Dieses Interview wurde ursprünglich für den iX-Newsletter geführt. Er erscheint monatlich am Erscheinungsdatum jeder neuen Ausgabe und bietet spannende Hintergründe zu den wichtigsten Themen des Hefts. Die Anmeldung zum iX-Newsletter ist kostenlos.

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(fo)