Data Science: Mozilla stellt webbasiertes Tool Iodide ein

Das ambitionierte Projekt zum Erstellen interaktiver Datendiagramme mit JavaScript, CSS und HTML sowie Python wird nicht weiterentwickelt.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 12 Beiträge
Von
  • Rainald Menge-Sonnentag

Das webbasierte Tool zur Datenanalyse im Browser Iodide hat keine Zukunft. Nach eineinhalb Jahren Alphaphase haben die Entwickler das Projekt nun eingestellt. Der Sourcecode bleibt aber zunächst ebenso erhalten wie die offizielle Site mit der interaktiven Spielwiese.

Mozilla hatte Iodide im März 2019 angekündigt. Das Projekt richtet sich an Data Scientists und bietet eine ähnliche Arbeitsumgebung wie Jupyter Notebooks. Erklärtes Ziel war es, eine Brücke zwischen Data-Science-Werkzeugen wie Jupyter oder R-Studio auf der einen Seite und dem Web auf der anderen Seite zu schlagen. Das webbasierte Tool ermöglicht das interaktive Erstellen von Diagrammen zur Datenexploartion im Browser.

Iodide lässt sich nach wie vor auf der Alpha-Site testen, wird aber nicht weiterentwickelt.

Iodide kombiniert Python mit Markdown sowie Webtechniken wie JavaScript und CSS. Projekte lassen oder ließen sich auf einem Mozilla-Server speichern und sowohl in der Codeansicht als auch als Report weitergeben.

Auch nach dem Einstellen des Projekts ist die Iodide-Alpha-Site weiterhin verfügbar – inklusive der interaktiven Spielwiese, in der Entwicklerinnen und Entwickler sowie DataScientists eigenen Code interaktiv testen können.

Wie lange der Server erhalten bleibt, ist fraglich: Das Readme im GitHub-Repository erklärt zunächst, dass die Entwicklung von Iodide eingestellt ist und die Maintainer des Projekts neue Pull Requests und Issues vermutlich nicht mehr berücksichtigen und wohl auch keine Bugs mehr beheben. Allerdings gebe es zum Stand September 2020 keine Pläne, den Demoserver abzuschalten. Von der Verwendung für ernsthafte Projekte rät das Team jedoch ab, da es den Server in der Zukunft eventuell abschaltet.

data2day 2020

Mehr zu den Themen Data Science und Visualisierung bietet auch das Programm der diesjährigen data2day-Konferenz am 19. und 20. Oktober 2020.

In zahlreichen Vorträgen präsentieren Experten ihre praxiserprobten Erfahrungen in der modernen Datenaufbereitung – von den Rohdaten über die Analyse bis hin zur Visualisierung der Erkenntnisse.

Ob die Einstellung des Projekts mit den jüngsten Einsparungen und Entlassungen bei Mozilla zusammen hängt, dem Team die Komplexität des Projekts über den Kopf gewachsen ist oder sich nicht genügend Interessierte gefunden haben, lässt sich nicht erkennen.

Offen bleibt auch die Frage, was aus dem Projekt Pyodide wird, das die Grundlage für Iodide bietet und auf GitHub als Unterprojekt läuft. Der Python-Interpreter verbindet emscripten mit WebAssembly und erlaubt das Einbinden von Python-Libraries wie NumPy und Matplotlib. Auch wenn Pyodide die Basis für Iodide ist, lässt sich der Interpreter unabhängig davon direkt aus JavaScript oder einem Web Worker verwenden.

Pyodide kümmert sich unter anderem um das korrekte Wandeln von Datentypen.

(Bild: Mozilla)

Auch das Einbinden weiterer Programmiersprachen über das Iodide-Projekt steht damit potenziell auf der Kippe. Mozilla hatte im Sommer 2019 unter anderem die Förderung der Julia-Integration angekündigt. Die Betreiber des Projekts haben auf Anfrage von heise Developer erklärt, dass sie planen, die Integration unabhängig von Iodide auf einem Pluto-basierenden Frontend weiterzuentwickeln. Neben Python und Julia stehen andere Programmiersprachen wie Ruby, OCaml und Lua auf der Liste der Iodide-Implementierungen.

(rme)