Datenschutz: Noyb legt Beschwerde gegen Adresshandel für Kreditscoring ein

Adressen, die fürs Direktmarketing gesammelt wurden, würden rechtswidrig für die Berechnung der Kreditwürdigkeit genutzt, kritisiert der Datenschutzverein.

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(Bild: TippaPatt/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Der Datenschutzverein Noyb hat nach eigener Angabe eine Beschwerde gegen den Adresshändler Acxiom und die Kreditauskunftei CRIF Bürgel eingereicht. Der Verkauf personenbezogener Daten von Millionen Deutschen durch Acxiom an die Auskunftei sei rechtswidrig, weil diese ursprünglich für Direktmarketing erhoben worden seien. Die nachträgliche Änderung des Zwecks werde durch die DSGVO untersagt, kritisiert der Verein nun, außerdem erfolge der Handel heimlich. Betroffene wüssten in der Regel nicht, dass ihre Daten gesammelt und vor allem für die Berechnung einer Kreditwürdigkeit genutzt würden. Auch gegen eine Regelung des Bundesdatenschutzgesetzes werde verstoßen.

Bei der Beschwerde vertritt Noyb eine anonyme Person, die persönlich betroffen ist. Sie hatte demnach selbst Auskunft von CRIF Bürgel und Acxiom verlangt. Dem Datenschutzverein zufolge hat der Betroffene dabei erfahren, dass ihm nur auf Basis des Namens und der aktuellen sowie einer ehemaligen Wohnadresse von CRIF Bürgel ein Kreditscore zugewiesen worden sei. Solch eine Zuschreibung der Kreditwürdigkeit auf Basis von Daten, die nicht auf früheren Zahlungen beruhen, seien aber illegal, Noyb spricht von "Voodoo-Kreditscores". Sie widersprechen demnach auch dem Bundesdatenschutzgesetz, das ausdrücklich verbiete, "einen Bonitätsscore ausschließlich anhand von Adressdaten zu berechnen".

Die nun eingereichte Beschwerde folgt auf eine ähnliche aus Österreich, dort war der Datenschutzverein im März aktiv geworden. Schon damals lautete der Vorwurf, dass Adressverlage ihre Daten ausschließlich zu Werbezwecken weitergeben dürfen, nicht aber etwa zur Berechnung der Kreditwürdigkeit. In Deutschland trifft das nun angeprangerte Vorgehen demnach so gut wie "alle am Wirtschaftsleben teilnehmenden Privatpersonen". Insgesamt hat CRIF Bürgel nach eigenen Angaben Datensätze zu mehr als 62 Millionen Privatpersonen. "Wenn Sie einen Wohnsitz in Deutschland haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie ebenfalls betroffen sind und CRIF Bürgel und Acxiom mit Ihren Daten heimlich Geschäfte betreiben", meint der Datenschutzjurist Alan Dahi von Noyb.

(mho)