Datenschutz-Richtlinien bei sozialen Netzwerken: Bis zu 104 Minuten Lesedauer

Richtlinien zum Schutz der Privatsphäre sind laut einer Umfrage schwer verständlich und lang: Bei TikTok dauert alleine das Lesen 104,8 Minuten.

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Knapp 105 Minuten dauert es, die Datenschutz-Richtlinie zu lesen.

(Bild: Screenshot)

Von
  • Eva-Maria Weiß

Nutzer von sozialen Netzwerken sind oft überfordert, wenn es darum geht, die Richtlinien zum Schutz der Privatsphäre zu lesen. Eine Umfrage vom Portal Addictivetips ergab, dass 89 Prozent sie als zu lang empfinden, 83 Prozent zustimmen, ohne sie gelesen zu haben und 74 Prozent glauben, sie eh nicht zu verstehen. Zudem sind zahlreiche Wörter enthalten, die etwa der Hälfte der Befragten nicht bekannt sind.

Um die Richtlinien von TikTok zu lesen, braucht man im Durchschnitt 104,8 Minuten. Laut Addictivetips.com muss man mindestens 17 oder 18 Jahre alt sein, um sie verstehen zu können. Das Alter, ab dem man sich bei dem sozialen Netzwerk anmelden kann, liegt aber bei 13 Jahren. WhatsApp erlaubt die Nutzung erst ab 16 Jahren. Die Datenschutz-Richtlinien können aber schon 13-14-Jährige verstehen – sie zu lesen dauert aber immerhin auch noch 85 Minuten. Bei WeChat sind es 74,4 Minuten, LinkedIn ist mit 48,2 Minuten schon deutlich kürzer bei der Lesedauer. Am kürzesten ist die Richtlinie von Twitch, wobei auch hier das Mindestalter bei 13 Jahren liegt und das Verständnis erst ab etwa der Volljährigkeit gegeben sein dürfte. Flickr und Tumblr schreiben so, dass es schon unter Zehnjährige verstehen.

Problematisch sind auch die Fachbegriffe in den Richtlinien. Unter den Befragten war 62 Prozent nicht klar, was ein API ist. Dabei werden sie durchschnittlich vier Mal in den Richtlinien genannt. Auch wissen 57 Prozent nicht, was sich wirklich hinter dem Begriff Cookies verbirgt, sowie 53 Prozent wenig mit Drittanbieter anfangen können. Die IP-Adresse sagt 46 Prozent wenig, Datenschutzgrundverordnung ist für 41 Prozent unklar.

Befragt wurden 2105 Menschen zwischen 18 und 50 Jahren. Die Lesedauer wurde mit der Seite wordstotime.com ermittelt, der Schwierigkeitsgrad beim Verständnis mittels Web FX Readability Test Tool.

Dass Richtlinien lang und schlecht verständlich sind, ist kein neues Phänomen. Google versucht etwa, die Texte anzupassen und Einstellungen leichter findbar zu machen. Vieles ist dennoch unabdingbar. Mehr dazu gibt es auch im Datenschutz-Podcast Auslegungssache der c't.

(emw)