Datenschutzbeschwerde gegen "Pur"-Abos deutschsprachiger Nachrichten-Webseiten

Die Datenschutzorganisation noyb von Max Schrems legt Beschwerde gegen mehrere Cookie-Paywalls ein, darunter auch die von heise online.

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(Bild: Shutterstock/dotshock)

Von
  • Martin Holland
  • Dr. Volker Zota

Die österreichische Datenschutzorganisation noyb hat eine Beschwerde gegen sechs große deutschsprachige Nachrichten-Websites eingelegt und wendet sich darin gegen sogenannte Cookie-Paywalls. Besucher und Besucherinnen der Seiten müssen an dieser Schranke entscheiden, ob sie entweder der Anzeige personalisierter Werbung und dem damit verbundenen Tracking zustimmen, oder ein kostenpflichtiges Abo abschließen wollen.

noyb zweifelt an, dass eine so erlangte Einwilligung wirklich freiwillig sei und spricht von "Wucherpreisen". Die Beschwerde richtet sich gegen die Cookie-Paywalls von spiegel.de, zeit.de, derstandard.at, krone.at, t-online.de sowie heise.de.

Die Datenschützer und -schützerinnen erkennen in der Begründung ihrer Beschwerden an, dass Zeitungen und Zeitschriften im digitalen Zeitalter nach Wegen suchten, um zu überleben. Es sei aber ein Trugschluss, die Finanzierung über die Weitergabe von Daten zu Website-Besuchen zu erreichen.

Auch mit nicht-personalisierter Werbung ließe sich "gutes Geld" machen, behauptet die Organisation. Wer bei Besuchen auf Nachrichten-Websites keine Einwilligung zur Verarbeitung von Daten für die Werbung zustimme, müsse nicht nur aufwendig ein Abo abschließen, sondern auch viel Geld bezahlen. Teilweise kommen demnach jährliche Kosten von über 80 Euro zusammen.

Für uns war die Einführung des "Pur"-Abos Anfang 2021 aufgrund der Entwicklung des Online-Werbemarkts notwendig. Die meisten unserer Leserinnen und Leser akzeptieren, dass wir in der aktuellen Situation des Werbemarktes ihre Einwilligung für die Werbevermarktung benötigen, für die anderen gibt es seitdem ein "Pur"-Abo. Dieses verzichtet vollständig auf Tracking, kostet dafür aber aufgrund entfallender Werbeeinnahmen einen kleinen monatlichen Beitrag. Wer ein Magazin von Heise Medien oder von Maker Media abonniert hat, bezahlt für Pur 1,95 Euro/Monat. Für neuen Kunden kostet Pur 4,95 Euro/Monat. Alle weiteren Informationen zu dem "Pur"-Abo haben wir in einer ausführlichen FAQ zusammengefasst.

Angesichts der Beschwerden von noyb weisen wir erneut darauf hin, dass derartige Pur-Abos nach bisherigen Aussagen der zuständigen Datenschutzbehörden grundsätzlich DSGVO-konform sein können. So führt die für Heise Medien zuständige Datenschutzbehörde in Niedersachsen aus: "Es wird allerdings nicht gegen die Freiwilligkeit verstoßen, wenn dem Nutzer neben der Einwilligung die Alternative angeboten wird, die Sichtbarkeit der Inhalte durch eine angemessene Bezahlung herbeizuführen" (Handreichung: Datenschutzkonforme Einwilligungen auf Webseiten – Anforderungen an Consent-Layer)

(mho)