Datev: Verkettung zweier Software-Fehler war Schuld am Komplettausfall

Drei Wochen nach dem Ausfall ihres Nürnberger Rechenzentrums liefert die Datev Details zu den massiven Störungen und zeigt sich selbstkritisch.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 42 Beiträge

Zentrale der Datev eG in Nürnberg.

(Bild: dpa, Daniel Karmann)

Von
  • Hans-Peter Schüler

Die Datev hat erstmals Einzelheiten zur Ursache des Systemausfalls im November mitgeteilt. Zwei inzwischen behobene Softwarefehler seien der Grund für den Ausfall gewesen, teilte eine Sprecherin gegenüber heise online mit. Ein Fehler sei nach einer "systemseitigen Aufräumaktion" entstanden. Aufgrund eines zweiten Software-Fehlers ließ sich das System dann weder bereinigen noch wieder starten. Zusammen mit Experten von Datev, IBM Deutschland und den USA habe man an der Behebung der Störung gearbeitet.

Am Vormittag des 8. November hatten die verketteten technischen Störungen im Rechenzentrum der Datev zu größeren Dienstausfällen geführt. Die genossenschaftlich organisierte Datev bedient nicht nur ihre Mitglieder – die allermeisten Steuerberater in Deutschland – mit ihren IT-Diensten, sondern auch zahlreiche Unternehmen, die darüber ihre Finanz- und Lohnbuchhaltung sowie die Zusammenarbeit mit ihrem Steuerberater abwickeln. Die Probleme reichten so tief, dass laut Datev sogar die deren hausinterne E-Mail betroffen war.

″Erster Auslöser am 8. November war ein Fehler in der IBM-Datenbank-Software, der bei automatischen systemseitigen Aufräumaktionen zu einem fehlerhaften Speichermanagement und in Folge dem Systemabsturz geführt hat″, erklärt die Datev-Sprecherin im hauseigenen Community-Blog. Ein zweiter Softwarefehler habe verhindert, dass der Zustand unmittelbar vor dem Absturz rechtzeitig wiederhergestellt werden konnte. Als die Datenbank-Wiederherstellung nach Mitternacht, also am 9. November durchlief, geriet die Vergabe eindeutiger Beleg-Identifier ins Schleudern. Erst am 14.11. teilte die Datev mit, dass alle Services wieder uneingeschränkt zur Verfügung stünden.

Heute übt sich der Dienstleister in ausführlicher Selbstkritik – vor allem darüber, dass er die Rechenlast unmittelbar nach dem Ausfall am 8. November nicht richtig vorhergesehen hat. Statt der üblichen gut 2,5 Millionen Belege seien etwa am 13.11. mehr als 4,5 Millionen hochgeladen worden. Der Dienstleister habe für diese Zusatzlast zwar in mehreren Stufen seine Reservekapazitäten zugeschaltet, aber diese hätte er erst hochfahren müssen und dabei zusätzliche Probleme mit Hardware-Ausfällen bekommen. In der Konsequenz hätten betroffene Kunden mit rund 40 Datenbeständen insgesamt etwa 500 Dokumente erneut hochladen müssen.

Zwar beteuert die Datev, alle Belege würden ordnungsgemäß gespeichert und könnten auch gebucht werden. Aber die Originalscans und die buchhalterischen Metadaten würden unabhängig voneinander verwaltet, und bei der Zuordnung der beiden Datenbestände sei es zu logischen Fehlern gekommen.

Immerhin gehen die Nürnberger davon aus, dass sie ihr System gerade noch rechtzeitig wieder zum Laufen bekommen haben, sodass vermutlich kein Kunde Nachteile durch eine Fristüberschreitung erlitten hat. Falls vereinzelt doch ein Finanzamt einen Säumniszuschlag verlangt, hat die Datev ein Dokument über den Verlauf der Störungen ins Netz gestellt und darin auch ein Vorlageschreiben fürs Finanzamt verlinkt.

Für den Fall künftiger Störungen will sich die Datev nun eine Möglichkeit geschaffen haben, ein allgemeines Notfall-Banner vor ihre Webseite zu hängen, außerdem will sie die technischen Abhängigkeiten zwischen lokalen und externen Ressourcen reduzieren. (hps)