Deep Fake: Politiker fallen auf gefälschten Nawalny-Vertrauten rein

In einer Videokonferenz sprachen unter anderem niederländische Politiker mit einem gefälschten Leonid Wolkow, Vertrauter des Kreml-Kritikers Alexei Nawalny.

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(Bild: TippaPatt/Shutterstock.com)

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  • Eva-Maria Weiß

Ein Unbekannter soll sich in mehreren Videokonferenzen als Leonid Wolkow ausgegeben haben – per Deep Fake. Niederländische Politiker berichten von einem Gespräch via Zoom mit dem Vertrauten des Kreml-Kritikers Alexei Nawalny. Auch Politiker in Großbritannien, den baltischen Staaten und der Ukraine sollen ähnliche Konferenzen gehabt haben.

Laut der niederländischen Zeitung de Volkskrant hat das Parlament den Vorfall bestätigt. Konkret ging es um eine Konferenz mit einem Ausschuss des Außenministeriums am vergangenen Mittwoch. Freitag wurde bestätigt, dass dem Ausschuss ein Gespräch mit Wolkow angeboten und dieses auch geführt wurde, sich allerdings im Nachhinein rausstellte, dass es ein Fake-Wolkow war. "Das Repräsentantenhaus prüft nun, wie ein solcher Vorfall in Zukunft vermieden werden kann", zitiert die NL Times.

Bereits im März hatte sich ein lettischer Abgeordneter mit dem Deep Fake über Russlands Krim-Politik ausgetauscht. Der falsche Wolkow soll dem Land für seine Unterstützung gedankt haben. Erst als ukrainische Politiker von einem solchen Vorfall berichteten, soll in Lettland wie auch in Estland, Litauen und Großbritannien aufgeflogen sein, dass sie alle auf einen Deep Fake hereingefallen waren.

Live-Aufnahmen vor Webcams derart zu fälschen ist eine noch gar nicht so alte und vor allem eine anspruchsvolle Technik. Deep Fakes gelten in jeglicher Form als Gefahr für die Gesellschaft und Politik. So warnte etwa die Bundesregierung 2019 davor, die Manipulationen könnten demokratische Prozesse bedrohen und die Kriminalitätsbekämpfung erschweren. Entsprechend wird vermehrt daran gearbeitet, Software zu entwickeln, die solche Fälschungen erkennt: Bei Microsoft heißt das etwa "Authenticator".

Google hat eine Plattform entwickelt, auf der Falschinformationen, auch Deep Fakes, entlarvt werden sollen. "Assembler" läuft als Projekt unter dem Dach von Jigsaw, Alphabets Tochter, die sich der Bekämpfung von Extremismus und dem Schutz von Informationsfreiheit widmet. In vielen sozialen Netzwerken und auf anderen Plattformen sind Deep Fakes laut der Nutzungsbedingungen verboten.

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(emw)