Defekte Gas-Pipelines Nord Stream 1 & 2: Sabotage nicht ausgeschlossen

Das dänische Militär hat Gasaustritte an den Nord Stream-Pipelines in der Ostsee ausfindig gemacht. Russland, Dänemark und Polen schließen Sabotage nicht aus.

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(Bild: Frame Stock Footage / Shutterstock.com)

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Eine Ursache für die Lecks an den Ostsee-Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 ist noch nicht gefunden. Es könnte es sich um das Ergebnis von Sabotageakten handeln. Die drei Lecks befänden sich in einigem Abstand zueinander, sagte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Dienstag während eines Besuchs im polnischen Goleniow bei Stettin zur Einweihung der Gaspipeline Baltic Pipe. Es sei daher schwer vorstellbar, dass es sich um Zufall handle. Tauchroboter sollen die Lecks in Augenschein nehmen.

Auf die Frage, inwieweit es sich um Sabotage handeln könnte, antwortete Frederiksen nach Angaben der dänischen Sender DR und TV2: "Wir können das jedenfalls nicht ausschließen." Es sei aber noch zu früh, um Schlüsse zu ziehen.

Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki hat sich bereits darauf festgelegt, die Lecks seien auf Sabotage zurückzuführen. "Wir kennen heute noch nicht die Details dessen, was da passiert ist, aber wir sehen deutlich, dass ein Sabotageakt vorliegt", sagte er. Dieser Sabotageakt sei "wahrscheinlich die nächste Stufe der Eskalation, mit der wir es in der Ukraine zu tun haben".

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Offenbar wird spekuliert, ob es einen Zusammenhang zwischen den beschädigten Pipelines und Drohnensichtungen an norwegischen Öl-Plattformen in der Nordsee gibt. Die zuständige norwegische Aufsichtsbehörde PTIL will sich laut einer Mitteilung dazu nicht äußern. Mit der Lage umzugehen obliege den Behörden der betroffenen Länder. Die Polizei untersuche die Fälle, in denen Drohnen Sicherheitszonen um Öl-Plattformen durchflogen haben.

Zuvor hatte Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten, auf die Frage, ob Sabotage der Grund sein könne für den Druckabfall, gesagt, es könne" keine Variante ausgeschlossen werden". Er sei "extrem besorgt. Dies ist eine noch nie dagewesene Situation, die dringend untersucht werden muss."

Die Pipelines haben einen Innendurchmesser von 1,2 Meter und eine Wandstärke von 41 Millimeter. Eine Sabotage der Pipelines in 70 Meter Wassertiefe wäre nur mit viel Aufwand möglich. Das dänische Verteidigungsministerium hat mittlerweile ein Foto und einen Film veröffentlicht, auf denen der Gasaustritt an der Wasseroberfläche der Ostsee zu sehen ist. Entdeckt hat den Gasaustritt Dänemarks Defense F-16 Interceptor Response Unit.

Das dänische Militär hat in dem Gebiet der Lecks an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und dem Doppelstrang von Nord Stream 2 in der Nähe der Insel Bornholm Verbotszonen mit einem Radius von jeweils 5 Seemeilen eingerichtet. Damit wolle es die Sicherheit des Schiffs- und Luftverkehrs gewährleisten, heißt es in einer Mitteilung. Überwacht werden sollen die Verbotszonen außer von Hubschraubern von der Fregatte Absalon und dem Umweltschutzschiff Gunnar Thorson. Weitere Erläuterungen zu den Vorgängen gibt das dänische Verteidigungsministerium derzeit nicht.

In der Nacht zu Montag war zunächst in einer der beiden Röhren der nicht genutzten Pipeline Nord Stream 2 ein starker Druckabfall festgestellt worden. Am Montagabend meldete der Betreiber dann auch einen Druckabfall in beiden Röhren von Nord Stream 1. Die Gas-Versorgungssicherheit für Deutschland ist dadurch nicht gefährdet, denn durch beide Pipelines floss seit einiger Zeit ohnehin kein Gas nach Deutschland. Allerdings tritt Gas aus den Pipelines aus, darunter hochentzündliches Methan. Unterhalb von 1000 Meter Höhe dürfen die Verbotszonen nicht überflogen werden.

Eine kurzfristige und unmittelbare Gefahr für die Umwelt besteht nicht. Das Methan, aus dem Erdgas zu einem großen Teil besteht, löst sich teilweise im Wasser und ist nicht giftig. Je tiefer im Wasser das Gas frei werde, desto mehr davon löst sich im Wasser. Längerfristig ist Methan allerdings ein sehr schädliches Treibhausgas.

(anw)