Demoszene als immaterielles Kulturerbe anerkannt

Neben Streuobstwiesen und der Gebärdensprache macht auch die digitale Kreativdisziplin einen Schritt zum Weltkulturerbe.

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Evoke 2016

(Bild: Daryaandthedog, CC BY-SA 4.0)

Von
  • Torsten Kleinz

Die Kulturministerkonferenz hat die Demoscene am Freitag in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Damit nähert sich die Nischenbewegung ihrem langfristigen Ziel, als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt zu werden.

Ursprünglich hatte die Demoszene ihren Ursprung in Gruppen, die den 90er-Jahren den Kopierschutz von Spielen knackten und die Software weiterverteilten. Mit der Zeit ist daraus eine eigene Kulturdisziplin hervorgegangen, bei denen die Teilnehmer nicht mehr fremde Programme knacken, sondern eigene Kunstwerke erstellen und dabei die Grenzen ihrer digitalen Werkzeuge austesten. Sie packen zum Beispiel minutenlange Demos in Dateien von nur vier Kilobyte oder programmieren Grafik-Demos für Geräte, die eigentlich keine Grafikfähigkeiten haben sollen. Vorgeführt werden diese oft über Monate ausgetüftelten Arbeiten auf Demoparties.

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Insgesamt stehen nun 126 Einträge im deutschen Verzeichnis des Immaterien Kulturerbes. Am Freitag kamen 18 hinzu. Darunter: das Buchbinderhandwerk, die Deutsche Gebärdensprache und Streuobstwiesen. "Wenn wir gemeinsam Traditionen pflegen, Wissen weitergeben und neue Wege finden, uns auszudrücken, entwickelt sich Zusammenhalt", erklärt Professor Christoph Wulf, Vorsitzender des Expertenkomitees, das die Liste zusammengestellt hat. "Wenn wir miteinander singen, tanzen und feiern, entsteht Gemeinschaft", ergänzt Wulf, der auch Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission ist.

Bereits im vergangenen Jahr wurde die Demoszene in Finnland ebenfalls als nationales kulturelles Erbe anerkannt. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Partys wie die Evoke, die Breakpoint und die Evoke zum Weltkulturerbe der UNESCO hinzugefügt werden können. Tobias Kopka vom Verein Digitale Kultur erwartet, dass die offizielle Anerkennung die Bekanntheit der Demoszene erhöht und als Türöffner dient, wenn es darum geht, mit kulturellen und staatlichen Organisationen zu kooperieren.

Wie alle kulturellen Veranstaltungen sind Demopartys zurzeit nur eingeschränkt möglich. Die Revision 2021 findet am Osterwochenende online "auf einem Sofa in deiner Nähe" statt. Ob die traditionelle Party Evoke im August wieder vor Ort in Köln ausgerichtet werden kann, steht noch nicht fest.

(mho)