Der BärCODE: Digitale Signatur als Corona Test- oder Impfnachweis

Einfach und datensparsam

Inhaltsverzeichnis

Interview mit Prof. Dr. Roland Eils, Gründungsdirektor BiH-Zentrum für digitale Gesundheit, und Harald Wagener, Gruppenleiter Cloud in der AG Eils am BiH

Herr Prof. Dr. Eils, Herr Wagener, was ist die Idee hinter dem BärCODE und wie kam das Projekt zustande?

Roland Eils: Spätestens seit dem Höhepunkt der zweiten Welle war uns klar, dass es eine Herausforderung werden würde, kulturelles Leben trotz hoher Inzidenzen wieder möglich zu machen oder aufrechtzuerhalten. Der wichtigste Faktor dafür ist ganz klar "Testen, Testen, Testen". In Herbst und Winter 2020 waren die Prioritäten allerdings noch andere, und entsprechende Ansätze waren politisch nicht durchsetzbar. Das änderte sich während der dritten Welle, als der Berliner Senat den Plan fasste, Pilotprojekte für ein vorsichtiges Öffnen verschiedener Arten kulturellen Lebens zu starten.

Am 31. März fand dazu ein Konzert in der Berliner Philharmonie statt, das wir aufwendig begleiten konnten: Alle Besucherinnen und Besucher waren frisch getestet oder geimpft und es gab im Nachgang keine Infektionsfälle. Uns fiel aber auch auf: Das Handling vor Ort war kompliziert. Die Einlasskontrolle sah sich drei Arten von Belegen ausgesetzt: Einem Identitätsnachweis, dem Ticket zum Event sowie dem Nachweis eines negativen Tests. Die Berichte der Labors kommen in allen möglichen Formen und Varianten daher. Da ist es kaum möglich, den Überblick zu bewahren.

Für Einrichtungen des Alltags gilt das noch viel mehr: Ein Restaurant, das jeden Gast kontrollieren muss, bevor es Zutritt gewähren darf, wird mit der Flut unterschiedlichster Nachweise zu kämpfen haben. Parallel entstand bei uns seinerzeit auch ein gewisser Unmut über kommerzielle Anbieter mit sehr einfachen Ideen, die viel Geld verlangten, um dasselbe Problem zu lösen.

Harald Wagener: Ein Kernaspekt des Projektes in der Berliner Philharmonie war die Frage, welche bestehenden Testsysteme den anstehenden Aufgaben gewachsen sein würden. Schnell stellte sich heraus: Keine der etablierten Lösungen war gut genug. So entstand bei uns die Idee, ein einfaches, auf Datensparsamkeit basiertes Konzept inklusive einer möglichen Offline-Prüfung von Testergebnissen zu entwickeln. Der Berliner Senator für Kultur und Europa, Klaus Lederer, war dabei von Anfang an involviert und hat die Pilotphase aktiv gefördert. Dabei hat uns geholfen, dass wir als Charité kein Verwertungsmodell mit dem BärCODE verfolgen -- es gibt keinen kommerziellen Hintergrund.

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Das Ziel ist im Kern ein einfach zu nutzender, zentraler Standard für den digitalen Nachweis von Test- und Impfergebnissen. Zudem war ein Kernkonzept des BärCODE von Anfang an eine bessere Fälschungssicherheit als ein simpler Ausdruck auf Papier, der sich mit Photoshop manipulieren lässt. Frühzeitig haben wir auch die Fühler in Richtung anderer Entwickler ausgestreckt, etwa zu den Machern der Corona-Warn-App, wo die Integration von Testergebnissen und Impfnachweisen seinerzeit noch keine Rolle gespielt hat.

Wodurch unterscheidet sich also der BärCODE von anderen Anwendungen wie der Corona-Warn-App oder der Luca-App?

Harald Wagener: Wie die Corona-Warn-App und die Luca-App auch ist der BärCODE ein Ansatz zur Bekämpfung der Pandemie. Er tritt nicht in Konkurrenz zu den anderen beiden Apps, sondern ergänzt diese. Das vorrangige Ziel des BärCODE besteht darin, die weitverbreitete Zettelwirtschaft zum Nachweis von negativen Tests und Corona-Impfungen zu beenden. Er ist nur ein Container-Format für Testergebnisse und Impfzertifikate. Man hat also seinen Nachweis -- als PDF am Smartphone oder als Ausdruck -- bei sich, geht zu einer Institution, die man betreten möchte, und die Person vor Ort scannt lediglich den BärCODE ein. Sie sieht nur die Details, die zur Verifizierung nötig sind, und hat dadurch ein solides Fundament, um den Zutritt zu gewähren oder zu verwehren. Aufseiten des Nutzers ist dafür nicht mal eine separate App notwendig, die irgendwelche Daten speichert. Und der BärCODE enthält auch nur die Daten, die ein analoger Testnachweis ebenfalls umfasst.

Herausforderungen gibt es im Kontext des BärCODE natürlich trotzdem. Eine davon ist die Frage, wie sich die Erstellung der digitalen Zertifikate in den Arbeitsprozess von Laboren und Impfstellen integrieren lässt. Hier arbeiten wir aktuell eng mit Dr. Florian Kainzinger von Think.Health zusammen, um eine möglichst nahtlose Anbindung zu ermöglichen. Bestehende Prozesse soll der BärCODE so wenig wie möglich ändern, um die Einstiegshürde gering zu halten.

Wie schnell wird das gehen? Wann wird der BärCODE im Alltag nutzbar sein?

Roland Eils: Unser Ziel besteht klar darin, eine möglichst kleine Anzahl von Lösungen zu haben, mit denen Bürgerinnen und Bürger, Betriebe und Institutionen konfrontiert sind. Es liegt in der Natur der Sache, dass andere Unternehmen ihre jeweiligen Lösungen favorisieren -- der BärCODE hat aus unserer Sicht aber zwei zentrale Vorteile.

Erstens: Er ist gnadenlos transparent. Er basiert auf Open-Source-Software, nutzt ein quelloffenes Design und kommt ohne jedes finanzielle Interesse daher. Er ist für die Anwender so einfach wie möglich gehalten und konform mit allen Regeln des Datenschutzes. Obendrein ist seine Integration in bestehende Anwendungen trivial.

Zweitens: Der BärCODE ist aktuell die einzige Lösung, die schon heute aus einer Hand Zertifikate für verschiedene Zugangsberechtigungen auszustellen in der Lage ist. Die Entscheidung darüber, ob jemand eintreten darf oder nicht, liegt beim Veranstalter. Aber der BärCODE steuert die Informationen bei, damit der Veranstalter eine qualifizierte Entscheidung treffen kann. Ob es sich dabei um einen Impf- oder Testnachweis handelt, ist aus BärCODE-Pespektive praktisch egal.

Zeitlich hat der BärCODE insofern einen Vorteil, und sobald die gerade vorangetriebene Integration bei den Labors und Impfstellen voranschreitet, wird er im Alltag sinnvoll nutzbar sein -- und zwar in Kürze. Seitens der Berliner Politik gibt es dafür klare Unterstützung, etwa eine gemeinsame Erklärung der drei Bürgermeister Berlins.

Wird sich der BärCODE auch außerhalb Berlins nutzen lassen?

Roland Eils: Unser Ziel war im ersten Schritt eine Lösung aus Berlin für Berlin, die zuvorderst Berliner Interessen bedient. Grundsätzlich lässt sich der BärCODE aber auch in anderen Bundesländern nutzen. Die Entscheidung darüber, welche Zertifikate für Tests oder Impfungen als ausreichend gelten, ist eine hoheitliche Aufgabe, wahrgenommen von den Ländern. Technisch spricht nichts dagegen, den BärCODE dort einzusetzen, wo eine Integration in bestehende Test- wie Impfprozesse möglich ist -- und das ist fast überall so. Zum Teil gibt es sogar bereits fertige Anwendungen dafür.

Ob der BärCODE zum Erfolg wird, wird sich dabei in den kommenden zwei bis vier Wochen herausstellen -- spätestens dann wird klar werden, ob unser Optimismus für unseren Ansatz gerechtfertigt ist.

(emw)