Der NASA fehlen die Raumanzüge für eine Mondlandung 2024

Die von Ex-Präsident Trump für 2024 bestellte Mondlandung verspätet sich. Nicht einmal die Raumanzüge werden rechtzeitig fertig, selbst zu Milliardenkosten.

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Metallene Arme eines Raumanzug-Prototypen hängen in einer Vitrine

Arme des Raumanzug-Prototypen RX-1 von Litton Industries aus dem Jahr 1962. Das Konzept der "harten" Raumanzüge hat sich damals gegen die "weichen" Modelle nicht durchsetzen können.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Raumanzüge für eine Mondlandung sind sagenhaft teuer. Und frühestens 2025 verfügbar. Das geht aus einem Untersuchungsbericht des NASA-Rechnungshofes hervor. Seit 14 Jahren arbeitet die NASA an der nächsten Generation der Raumanzüge, was bislang 420 Millionen US-Dollar gekostet hat. Dieser Geldberg wird auf mindestens eine Milliarde Dollar anwachsen, bis die ersten zwei einsatzbereiten neuen Raumanzüge zur Verfügung stehen.

An den fehlenden Raumanzügen alleine wird die Mondlandung 2024 allerdings nicht scheitern. Im März 2019 hatte US-Präsident Donald Trump den Befehl ausgegeben, spätestens 2024 – also noch in Trumps erhoffter 2. Amtszeit – Amerikaner auf den Mond zu bringen. Im September 2020 machte der damalige NASA-Administrator Jim Bridenstine bei einer Anhörung im US-Senat deutlich, dass dies nur möglich wäre, sollten noch im selben Jahr 3,2 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung dreier Mondlandefähren fließen. Weil das Parlament weniger als ein Drittel bewilligte, musste Trump seinen Traum von einer US-Mondlandung 2024 begraben.

Trumps Amtsnachfolger Joe Biden unterstützt ausdrücklich das Artemis-Programm mit dem Ziel einer bemannten Mondlandung. Allerdings weiß Biden, dass Trumps Zeitplan unrealistisch ist.

Der NASA-Rechnungshof fasst es so zusammen: "Das Unvermögen der NASA, die (neuen Raumanzüge) für eine Mondlandung 2024 fertig zu entwickeln, ist keineswegs der einzige Umstand, der die Durchführbarkeit des aktuellen Fahrplans der Behörde für eine Rückkehr zum Mond beeinträchtigt. Zum Beispiel haben unsere früheren Prüfungen signifikante Verspätungen bei anderen wichtigen Projekten, die für eine Mondlandung essenziell sind, aufgezeigt, darunter bei der Rakete des Space Launch Systems und der Orion-Kapsel. Darüber hinaus verhindern Verspätungen bei der Entwicklung der Mondlandefähre und der kürzlichen Entscheidung über die Berufung gegen die Auftragsvergabe eine Landung 2024." Ende Juli wurde die Beschwerde Blue Origins gegen die Vergabe des Auftrags für die Mondlandefähre an SpaceX abgelehnt.

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Die Beschaffung der Raumanzüge erscheint im Lichte des Rechnungshofberichts chaotisch. Für Weltraumspaziergänge außerhalb der Internationalen Raumstation (ISS) nutzen Astronauten derzeit Raumanzüge, die auf 45 Jahre alten Modellen des Space-Shuttle-Programms basieren. Sie haben keine Zukunft mehr. Eine neue Generation namens Exploration Extravehicular Mobility Units (xEMU) soll sowohl auf der ISS als auch im Rahmen der Artemis-Mission beim Mond-Gateway und auf dem Mond selbst zum Einsatz gelangen.

Der offizielle NASA-Fahrplan sieht vor, dass die ersten beiden neuen Raumanzüge im November 2024 fertig werden. Darin enthaltener Spielraum von 20 Monaten wurde aber durch die Coronavirus-Pandemie, Budgetmangel und technische Schwierigkeiten aufgebraucht. Jetzt gibt es laut Prüfbericht keinen Spielraum mehr.

Nach Lieferung der einsatzbereiten Raumanzüge müssen diese erst in die Raumfahrzeuge integriert werden, was wenigstens ein halbes Jahr dauern werde. Daraus ergibt sich der frühestmögliche Start zum Mond im April 2025.


Litton RX-2 Pressuire Suit – Stummaufnahe einer Vorführung des nie eingesetzten Prototypen aus 1964, aufgenommen von KPRC-TV (via texasarchive.org)

Allerdings muss das Personal erst lernen, mit den Raumanzügen umzugehen. Die dafür notwendigen Übungsanzüge werden aber nicht rechtzeitig fertig, um 2024 einem Astronauten einen flugfähigen Anzug anzulegen. Hinzu kommt, dass sich die Anforderungen für die verschiedenen Einsatzszenarien in den nächsten drei Jahren ändern könnten. Das erhöht das Risiko, dass die Raumanzüge verändert werden müssen, was wiederum Zeit und Geld braucht.

Schließlich kritisiert der Rechnungshof die Beschaffungsstrategie der NASA. Im Oktober 2019 bat die NASA potenzielle Lieferanten um ihre Vorschläge (RFI). Damals wollte die Raumfahrtbehörde mehrere Aufträge für verschiedene Entwicklungs- und Wartungsaufgaben sowie einen Generalunternehmerkontrakt für die Integration der verschiedenen Teile vergeben. Vor vier Monaten hat die NASA ihren RFI jedoch durch einen neuen RFI ersetzt: Jetzt möchte sie die Raumanzüge lieber als Dienstleistung beziehen denn als Sache.

Der neue RFI ist so formuliert, dass die Lieferanten wählen können, ob sie eigene Konzepte neu entwickeln oder auf die bislang 420 Millionen Dollar teuren Entwicklungen aufbauen. Außerdem verlangt die NASA nicht mehr, dass die Anzüge sowohl für das Mondprogramm Artemis als auch die ISS taugen. Das könnte zu zwei völlig unterschiedlichen Raumanzugmodelle führen – was der Rechnungshof angesichts der begrenzten Lebenserwartung der ISS für wenig effizient erachtet.

(ds)