Deutsche Bahn: Verkehrsminister Wissing macht Schienennetz zur Chefsache

3500 Schienenkilometer gelten als hochbelastet und müssen dringend saniert werden. Verkehrsminister Volker Wissing will sich vorrangig darum kümmern.

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Gleisumbauzug bei der Arbeit.

(Bild: Deutsche Bahn)

Von
  • Andreas Wilkens

Bundesverkehrsminister Volker Wissing will die Probleme der Deutschen Bahn (DB) lösen und macht sie deshalb zu seiner Chefsache. Insbesondere gehe es ihm darum, ein Hochleistungsnetz aufzubauen, das aus Hochleistungskorridoren besteht. Das bestehende Schienenetz solle nicht einfach nur 1:1 ersetzt, sondern modernisiert werden, ließ Wissing über den Twitter-Account seines Ministeriums verlauten.

Damit meint der Verkehrsminister, dass die Hochleistungskorridore "erstklassig" ausgestattet werden. So könnten viel befahrene Strecken um Hamburg, zwischen dem Ruhrgebiet und Hannover, im Rheintal oder zwischen München und Westdeutschland mehr Züge als vorher aufnehmen.

Momentan wertet die Deutsche Bahn 3500 Streckenkilometer seines Schienennetzes als hoch belastet an, diese Hochleistungskorridore seien auch ohne Baustellen durchschnittlich zu 125 Prozent ausgelastet. Bis zum Ende des Jahrzehnts werden nach Schätzung der Bahn 5500 km hinzukommen, die stark belastet werden.

Zunächst einmal müssen aber viele Strecken saniert werden, insbesondere auf den stark befahrenen Abschnitten. Die Bahn hatte dies bereits Ende Mai zu ihrer zentralen Aufgabe ausgerufen und angekündigt, dass dabei möglichst alle Gewerke gebündelt arbeiten sollen.

Darauf geht die Deutsche Bahn nun wieder ein: "Schwellen und Schotter, Gleise und Weichen, Signale und Stellwerke, Bahnsteige werden zukünftig gebündelt und komplett saniert", schreibt sie in einer Mitteilung. Bislang seien Schienen, Oberleitungen, Signaltechnik vorwiegend abhängig von Zustand und Alter der Anlagen saniert worden. Dieses Vorgehen sei aber nicht kundschaftsfreundlich, da auf ein und derselben Strecke immer wieder verschiedene Gewerke nacheinander ausgetauscht werden müssen. "In Zukunft wird die Strecke einmal gesperrt, danach ist sie für viele Jahre nahezu baufrei", schreibt die Bahn.

Dazu will die Bahn zusammen mit der Bauwirtschaft "hochverdichtete und kapazitätsschonende Bauverfahren" planen und einsetzen. Für die Finanzierung dieser Art des Sanierens will die Bundesregierung erstmals "Mittel für kund:innenfreundliches Bauen" bereitstellen. Die DB selbst erhöht das jährliche präventive Instandhaltungsbudget um einen "deutlichen dreistelligen Millionenbetrag".

Der erste Schienenkorridor soll ab 2024 generalsaniert werden. Welcher das sein wird, will die Bahn zusammen mit der Wirtschaft abstimmen. Dabei soll zunächst an jenen Elementen des Korridors gearbeitet werden, die kurzfristig umgesetzt werden können. Dadurch sollen Sperrzeiten besser gebündelt und Spitzen in der Baubelastung stärker geglättet werden, Umleitungsstrecken besser nutzbar gemacht "und höherwertige und robustere Elemente, wo immer möglich, bereits verbaut", teilt die Bahn mit.

(anw)