Deutsche Industrie sieht Investitionsbedarf für Klimaschutz in Billionenhöhe

Um bis 2045 klimaneutral zu werden, müsse in Deutschland viel Geld in Industrie, Verkehr, Gebäude und Energiewirtschaft gesteckt werden, meint der BDI.

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So illustriert der BDI seine "Klimapfade 2.0".

(Bild: BDI)

Von
  • Andreas Wilkens

Um das Klimaschutzziel Treibhausneutralität bis 2045 zu erreichen, sind Mehrinvestitionen in Billionenhöhe nötig, hat sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) von Boston Consulting ausrechnen lassen. Für das Etappenziel einer 65-prozentigen Reduzierung des CO2 bis 2030 seien etwa 860 Milliarden Euro nötig.

BDI-Präsident Siegfried Russwurm meinte zur Vorstellung der Studie "Klimapfade 2.0", aus der die großen Geldsummen stammen: "Uns läuft die Zeit davon; politische Grundsatzentscheidungen zur Umsetzung der Klimaziele sind überfällig. Deutschland braucht jetzt einen großen Aufbruch mit einem historischen und schnellen Wirtschaftsprogramm für die Zukunft des Standortes." In der Vorgängerstudie von 2019 war der BDI davon ausgegangen, dass bis 2030 in Deutschland rund 10 Millionen Elektroautos zugelassen werden müssten.

Schnelles Handeln angesichts der Klimaziele forderten kürzlich ebenfalls 69 deutsche Unternehmen von der kommenden Bundesregierung. Sie solle innerhalb der ersten 100 Tage verdeutlichen, wie Deutschland konkret klimaneutral werden soll, hieß es in einer Erklärung beispielsweise von der Telekom, Vatenfall, Eon, Epson, EnBW und Infineon.

Für den BDI reicht nun die aktuelle Klimapolitik in keinem Sektor aus. Daher soll die Machbarkeitsstudie aufzeigen, wie sich auf nationaler Ebene in den Sektoren Industrie, Verkehr, Gebäude und Energiewirtschaft die Klimaschutzziele erreichen lassen.

Die kommende Bundesregierung müsse also schnell Impulse für einen Investitionsturbo setzen, meint der BDI – insbesondere für einen massiven Aus- und Neubau von Strom-, Wasserstoff- und Ladeinfrastrukturen, für die Erzeugung erneuerbaren Stromes und Wärme, für Elektromobilität und Schienennetze. Dabei gehe es nicht ausschließlich um Geld, sondern auch die schnelle Umsetzung, zum Beispiel durch deutlich straffere Planungs- und Genehmigungsverfahren.

In der Industrie seien bis 2030 rund 50 Milliarden Euro Investitionen für die bis dahin mögliche teilweise Umstellung zentraler Produktionsprozesse in den Bereichen Stahl, Chemie, Zement und Kalk notwendig, heißt es in der Studie. Der Strombedarf in der Industrie werde bis 2030 durch die Elektrifizierung industrieller Wärmeprozesse um 63 Terawattstunden steigen, das sei mehr als der heutige jährliche Strombedarf der Schweiz.

Im Verkehr werde der Ausbau der Lade- und Wasserstofftankstelleninfrastruktur bis 2030 insgesamt 74 Milliarden Euro Investitionen beanspruchen. Trotz umfangreicher Elektrifizierung der Neufahrzeuge und des Ausbaus des Schienenverkehrs werden voraussichtlich auch 2030 mehr als 30 Millionen Pkw mit Verbrennermotor auf der Straße sein. Daher müsse es auch Anreize für strombasierte Kraftstoffe und Biokraftstoffe geben.

Um die Emissionen der Gebäude wie erforderlich zu mindern werde eine jährliche Förderung von bis zu 17 Milliarden Euro bis 2030 nötig; das entspreche mehr als einer Verdoppelung der heute im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gewährten jährlichen Fördersumme.

Um eine mehr als 40 Prozent höhere Stromnachfrage im Jahr 2030 bedienen zu können, müssten der EEG-Ausbaupfad von Wind und Photovoltaik verdoppelt und Stromnetze ausgebaut und der Verbrauch flexibilisiert werden. Zusammen mit der Dekarbonisierung der Fernwärme würden im Energiesektor insgesamt Investitionen von 415 Milliarden Euro bis 2030 nötig.

(anw)