Deutscher Windcloud-Server: CO2-positives Vorzeigeprojekt mit Algenfarm

Die deutsche Firma Windcloud betreibt ein Rechenzentrum, dessen Abwärme beim Heranzüchten von Mikroalgen hilft. Das Resultat: grüne Rechenleistung.

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(Bild: Windcloud)

Von
  • Mark Mantel

In der nordfriesischen Gemeinde Enge-Sande steht ein kleines Rechenzentrum, das dank grüner Energie nicht nur CO2-neutral arbeiten, sondern zum Abbau des Kohlenstoffdioxids beitragen soll. Dazu setzt der Betreiber Windcloud auf Gewächshäuser, die im Stockwerk über den Servern sitzen und Mikroalgen heranzüchten.

Große Ventilatoren durchströmen die Hardware-Räume mit Frischluft von draußen, um Prozessoren und andere IT-Komponenten zu kühlen. Die erwärmte Abluft gelangt in die Gewächshäuser, um dort Wohlfühltemperaturen von etwa 34 Grad Celsius für die Algenfarm zu schaffen: Im Winter heizt die Abwärme die Räume auf, im Sommer genügt der Luftstrom zur Kühlung – durch die direkte Sonneneinwirkung würde die Temperatur ansonsten zu stark steigen.

Der Großteil der benötigten Energie kommt von den Offshore-Windparks in der Nordsee – Solar und Gas dienen laut FAZ mit einem Anteil von rund zwei Prozent als Unterstützung und Ausfallsicherung. Der Partner Novagreen erntet die gezüchteten Mikroalgen ein- bis zweimal pro Woche und verkauft diese aufbereitet etwa an die Lebensmittelindustrie als Nahrungsergänzungsmittel.

Die Mikroalgen werden zunächst in Wasserschläuchen herangezüchtet, bevor sie in größere Becken gelangen.

(Bild: Windcloud)

Andere Betreiber nutzen die Abwärme ihrer Rechenzentren als Heizenergie für Anwohner, was allerdings nur mit vor Ort ausgebauten Fernwärmenetzen funktioniert. Zudem ist dafür eine vergleichsweise aufwendige Wasserkühlung der Hardware notwendig, die vornehmlich bei größeren Rechenzentren zum Einsatz kommt. Nicht zuletzt verpufft die Energie im Sommer, wenn Anwohner nicht heizen.

Auch das Algenfarmprojekt von Windcloud kommt nicht ohne Einschränkungen daher: Im Winter etwa benötigen die Mikroalgen künstliche UV-Lichtquellen zum Wachsen, die Gewächshäuser müssen aktiv gewartet werden und benötigen zusätzlichen Platz.

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Das Rechenzentrum in Enge-Sande diente zunächst als Machbarkeitsstudie. Die 30 Server-Schränke benötigen pro Jahr nicht einmal eine Megawattstunde an Energie – ein Bruchteil von dem, was andere deutsche Rechenzentren aufnehmen. Zusammen mit Dell EMC will Windcloud die Idee nun auf einen industriellen Maßstab skalieren. Dazu entsteht ein neues Rechenzentrum im nordfriesischen Bramstedtlund mit einer projizierten Leistungsaufnahme von 1 Megawatt, was bei durchgehender Nutzung einem Jahresbedarf von 8760 Megawattstunden entspräche.

Zum Vergleich: In Frankfurt laufen derzeit Rechenzentren mit einer Kapazität von insgesamt knapp 500 MW, die schon in Vor-Corona-Zeiten mehr Strom vom Energieversorger Mainova bezogen als der Flughafen Frankfurt und auch als sämtliche Privathaushalte Frankfurts zusammen.

(mma)