Deutschland erforscht Manganabbau im Pazifik – Greenpeace protestiert

Wie sich Manganknollen in der Tiefsee abbauen lassen, untersucht die Bundesanstalt für Geowissenschaften in einem Forschungsprojekt. Umweltschützer warnen.

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In 4500 Meter Wassertiefe soll ein Prototyp des Kollektors "Patania II" Manganknollen ansaugen.

(Bild: RHJPhtotoandilustration/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg
  • mit Material der dpa

Deutschland untersucht im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts den Abbau metallhaltiger Knollen in der Tiefsee. Im Pazifik zwischen Hawaii und Mexiko werde bis Mitte Mai ein Gerät getestet, das sogenannte Manganknollen vom Meeresboden aufnehmen kann, teilte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) am Mittwoch mit. Die Knollen enthalten Rohstoffe, die für erneuerbare Energietechnologien und Elektrogeräte wichtig sind, neben Mangan sind das Nickel, Kupfer und Kobalt.

Die Arbeiten für das Projekt "Mining Impact" finden zunächst in einem belgischen, dann in einem deutschen Manganknollen-Lizenzgebiet statt. Der Kollektor-Prototyp der belgischen Firma Global Sea Mineral Resources (GSR) wird dafür in 4500 Meter Tiefe abgelassen. Der Prototyp mit dem Namen "Patania II“ besteht laut BGR-Mitteilung aus einem Fahrwerk und einem hydraulischen Aufnahmesystem, über das die Knollen zusammen mit dem umliegenden Sediment angesaugt werden. GSR zufolge wird der Knollensammler durch ein fünf Kilometer langes Kabel vom Schiff mit Energie versorgt und gesteuert.

Daneben sind zwei Tauchroboter und ungefähr 40 verschiedene Sensoren am Meeresboden im Einsatz. Ein Team aus 23 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Bord des norwegischen Schiffes "Island Pride" soll die Umweltauswirkungen erforschen. Nach Angaben der BGR ist es der weltweit erste Test dieser Art.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte davor, den Meeresboden auszubeuten. "Industrieller Tiefseebergbau würde das rasante Artensterben in den Ozeanen beschleunigen. Diese ökologische Katastrophe muss verhindert werden", sagte die Meeresbiologin Sandra Schöttner. Bereits in der Nacht zum Dienstag demonstrierten Greenpeace-Aktivisten im nordöstlichen Pazifik auf dem Schiff "Rainbow Warrior" vor dem Industrieschiff "Maersk Launcher", von dem aus die kanadische Firma Deepgreen Metals den Rohstoffabbau plane.

Die BGR erkundet seit 2006 im Auftrag der Bundesregierung ein Manganknollen-Gebiet im Pazifik. Grundlage dafür ist ein Vertrag mit der Internationalen Meeresbodenbehörde, der Deutschland das exklusive Recht gibt, 15 Jahre lang auf einem Meeresareal von 75.000 Quadratkilometern den Bestand der Manganknollen und die Umweltbedingungen zu untersuchen. Das Projekt läuft am 18. Juli aus. Die Erkundung geht einer möglichen industriellen Nutzung voraus. Ziel ist es, die Versorgung Deutschlands mit Rohstoffen wie Mangan, Nickel, Kupfer und Kobalt langfristig sicherzustellen. Bisher ist Deutschland dabei auf Importe aus anderen Ländern angewiesen.

(axk)