Deutschlandtempo: Gaseinspeisung in Wilhelmshaven einen Tag früher als geplant

Am LNG-Terminal in Wilhelmshaven wurde das erste Gas einen Tag früher als geplant in das Gasnetz eingespeist. Vor Rügen wartet weiteres LNG für Lubmin.

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Der unter bahamaischer Flagge fahrende Tanker "LNG Fukurokuju" hat am griechischen LNG-Terminal Revithoussa festgemacht.

Der unter bahamaischer Flagge fahrende Tanker "LNG Fukurokuju" hat am griechischen LNG-Terminal Revithoussa festgemacht.

(Bild: Aerial-motion/Shutterstock.com)

Von
  • Bernd Mewes
  • mit Material der dpa
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Einen Tag früher als geplant, hat der Gasimporteur und Betreiber des Terminals in Wilhelmshaven, Uniper, Berichten zufolge heute um kurz nach 9 Uhr das erste Gas des Terminalschiffs "Höegh Esperanza" über die neu gebaute Anbindungspipeline in das Gasnetz eingespeist. Das Spezialschiff unter Norwegens Flagge ist eine Übergangslösung, bis es in einigen Jahren durch eine an Land gebaute Regasifizierungsanlage ersetzt wird. Gechartert wurde die "Höegh Esperanza", die am 15. Dezember in Wilhelmshaven eintraf, für 10 Jahre.

"Dass heute schon das erste Gas über unser LNG-Terminal in Wilhelmshaven fließt, ist ein weiterer Beweis dafür, mit welcher Entschlossenheit alle Beteiligten das Projekt vorantreiben. Jetzt beginnt die Testphase, die Ende Februar beendet sein soll", sagte der für Investitionsplanung zuständige Uniper-Manager Holger Kreetz der Deutschen Presse-Agentur. Scholz bezeichnete die Planungs- und Bauzeit von des Terminals von knapp zehn Monaten auf der Eröffnungsfeier als "das neue Deutschlandtempo".

Ursprünglich hatte Uniper anvisiert, am 22. Dezember das erste Mal Gas in das deutsche Gasnetz einzuspeisen. Dass es nun zügiger geht, liegt laut einem Uniper-Sprecher an der engen Zusammenarbeit von Behörden und Unternehmen bei der Realisierung des Terminals. Am vergangenen Samstag hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zusammen mit weiteren Spitzen der Ampel-Regierung das Terminal eröffnet. Uniper betreibt das Terminal mit Unterstützung der Bundesregierung.

Das Spezialschiff "Höegh Esperanza" hatte Wilhelmshaven vergangenen Donnerstag voll beladen mit rund 165.000 Kubikmetern LNG an Bord erreicht und am neu gebauten Anleger festgemacht. Das Schiff ist das technische Herzstück des Terminals, das das angelieferte verflüssigte Gas wieder regasifiziert und an Land pumpt. Die Menge LNG, die das Schiff an Bord hat, reicht laut Uniper, um 50.000 bis 80.000 Haushalte in Deutschland ein Jahr lang zu versorgen.

In der Inbetriebnahmephase wird das Schiff laut Marktmitteilungen täglich zwischen 15 und 155 Gigawattstunden Erdgas in das Gasnetz abgeben. Das Gas dient dann auch zur Inbetriebnahme der neu gebauten, rund 26 Kilometer langen Anbindungsleitung von Wilhelmshaven bis ins ostfriesische Etzel. Es steht dann aber auch dem Markt zur Verfügung. Ab Mitte Januar ist der kommerzielle Betrieb des schwimmenden Terminals geplant mit einer maximalen Kapazität von etwa 155 Gigawattstunden pro Tag. "Der nächste Meilenstein ist die Ankunft des ersten LNG-Schiffes Mitte Januar", sagte Kreetz.

Fast zeitgleich ist der LNG-Tanker "Seapeak Hispania" mit knapp 140.000 Kubikmeter Flüssiggas vor Mukran auf Rügen eingetroffen. Die Ladung ist die erste Lieferung für das LNG-Terminal in Lubmin, dem bislang die Genehmigung für die Inbetriebnahme fehlt – die Deutsche Regas habe bereits einen Probetrieb beantragt. Berichten zufolge soll die "Seapeak Hispania" vor Mukran auf Reede gehen und kleinere Tanker ("Schuttle-Schiffe") das LNG durch den flachen Greifswalder Bodden zum eigentlichen Zielort Lubmin befördern.

Die fehlende Betriebserlaubnis des LNG-Terminals in Lubmin könne dem Schweriner Umweltminister Till Backhaus (SPD) zufolge gegebenenfalls innerhalb weniger Tage erteilt werden. Die "Seapeak Hispania", die unter spanische Flagge fährt und 137.814 Kubikmeter Flüssiggas befördern kann, hatte zuvor LNG in Ägypten geladen und soll künftig als Zwischenlager auf der Ostsee liegen. Im Greifswalder Bodden beträgt die durchschnittliche Wassertiefe 5,6 Meter (maximal 13,5 m), die knapp 280 m lange und 43 m breite "Seapeak Hispania" soll Marine Traffic zufolge einen Tiefgang von 11,2 m haben – deshalb sind kleinere Tanker für den Transport zum eigentlichen Ziel nötig.

Schon im November kam das Spezialschiff "Neptun" zur Umwandlung von LNG in den gasförmigen Zustand im Hafen von Mukran an. Dort wurden – bevor das schwimmende LNG-Terminal am 16. Dezember in den Industriehafen von Lubmin einlief – zur Verringerung des Tiefgangs, Treibstoff und Ballastwasser abgelassen und Montagearbeiten durchgeführt. Die "Neptun" ist wie die "Höegh Esperanza" eine FSRU (Floating Storage and Regasification Unit), die LNG nicht nur speichern, sondern auch erwärmen und wieder gasförmig machen kann. Die "Neptun" sei das größte Schiff, das bisher in Lubmin eingelaufen ist.

Die "Neptun" wurde von 2106 bis 2019 als FSRU in der Türkei eingesetzt. Neben Lubmin sind in Deutschland drei weitere Standorte für LNG-Terminals in Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven.

(bme)