Dialog Semiconductor: Einst wichtiger Apple-Zulieferer wird verkauft

Der japanischen Chipproduzent Renesas will Dialog Semiconductor übernehmen. Apple hatte zuvor damit begonnen, eigene Power-Management-Komponenten zu bauen.

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Standort von Dialog in Großbritannien.

(Bild: Dialog Semi)

Von
  • Ben Schwan

Ein Elektronikunternehmen, das zwischenzeitlich drei Viertel seines Umsatzes mit Apple gemacht hatte, begibt sich offenbar unter die Fittiche einer neuen Konzernmutter. Dialog Semiconductor, ein britischer Spezialist für Power-Management-Halbleiter, der auch in Deutschland produziert, soll Teil des japanischen Konzerns Renesas Electronics Corporation werden. Renesas stellt unter anderem Chips für Fahrzeuge her und gilt als einer der wichtigsten Anbieter in dieser Sparte. Einem Kaufpreis von 4,9 Milliarden Euro für Dialog Semi wurde am Montag zugestimmt, das sind 20 Prozent mehr als die Aktie am vergangenen Freitag wert war.

Dialog war lange Zeit stark von Apple abhängig. Der iPhone-Produzent war Großkunde bei dem Komponentenhersteller, dessen Power-Management-Hardware unter anderem in den Smartphones von Apple steckten. 2018 entschied sich Apple dann allerdings, verstärkt auf eigene Technik in diesem Bereich zu setzen. Dazu kaufte man für 600 Millionen US-Dollar Teile von Dialog Semi, 300 Ingenieure wechselten zu Apple. Zwei Standorte in Deutschland wurden ebenfalls übernommen, genauso wie zwei weitere in Italien und Großbritannien. Bis zu 16 Prozent der Belegschaft wechselten.

Schon 2017 hatte sich abgezeichnet, dass Apple für Dialog Semi weniger Umsatz bedeuten würde. Dennoch lief das Geschäft auch noch in der China-bedingten iPhone-Krise nicht schlecht. Bis mindestens 2020 sollten vorhandene Verträge weitergeführt werden, doch dieses Jahr ist nun um. Renesas bot sich da als idealer Partner an – beide Unternehmen sollen bereits seit einem Jahrzehnt miteinander kooperieren. Dialog Semiconductor könnte den Japanern unter anderem dabei helfen, Car-Computing-Komplettsysteme zu entwickeln. Noch ist der Deal aber nicht abgeschlossen, er könnte auch unter regulatorischem Vorbehalt stehen.

Der Fall Dialog Semiconductor zeigt, wie sich Apples eigene Produktion verändert. Der Konzern versucht, mehr und mehr zentrale Komponenten selbst zu entwickeln und dann durch Auftragsfertiger bauen zu lassen. Dazu gehören die Chips der A- und M-Serie ebenso wie GPUs und künftig auch 5G-Modems – und besagte Power-Management-Chips, die mit dem Übergang zu eigenen ARM-Chips in allen Produktlinien immer wichtiger werden. (bsc)