Die Zukunft der Cloud: Public Top – Private Flop

Der Boom bei der Public-Cloud-Nutzung ist ungebrochen. Das beschert IT viel Gutes, meint Gartner – und schreibt die Private-Cloud ab.

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  • Harald Weiss

Auf dem IT-Symposium von Gartner wurde auch ausgiebig über den Cloud-Trend diskutiert. Im Mittelpunkt stand dabei der Vortrag von Gartner-Analyst Milind Govekar: In „Die Zukunft der Cloud“ ging er sowohl auf die aktuellen, als auch auf die seiner Einschätzung nach zukünftigen Cloud-Entwicklungen ein. Ganz schlechte Aussichten bescheinigte er den Private-Clouds. „80 Prozent aller Private-Cloud-Initiativen werden wieder aufgegeben“, lautet seine Prognose. Wobei er mit Private-Cloud nur die interne Virtualisierung und Automatisierung meint, da diese nicht die alle Funktionen von Public-Cloud-Diensten erbringen können. Ausdrücklich weist er aber darauf hin, dass die „Zwitter-Cloud-Modelle“, wie AWS Outposts, nicht darunterfallen, da deren Angebote mit denen der Public-Cloud-Dienste vergleichbar seien.

Den Public-Cloud-Angeboten prophezeit er dagegen eine äußerst rosige Zukunft. „Ohne Cloud-Strategie kein Business“, sagte er gleich zu Beginn seiner Präsentation. So habe sich die Cloud von einem Technologie-Thema zur Grundlage für Geschäftsinnovationen entwickelt. Das führt er vor allem darauf zurück, dass die Cloud bislang die hohen Erwartungen erfüllt habe. So sagen 17 Prozent der von Gartner befragten CIOs, dass die Cloud ihre IT modernisiert habe. Auf den weiteren Plätzen folgen nahezu gleichauf eine bessere Effizienz, erhöhte Datensicherheit und eine gesteigerte Produktivität. Interessanterweise liegt die ursprüngliche Cloud-Motivation, nämlich Kosten einzusparen, mit mageren acht Prozent abgeschlagen auf dem fünften Platz.

Die Cloud hat laut Gartner viele Erwartungen erfüllt, die versprochenen Kosteneinsparungen hinken aber hinterher.

(Bild: Gartner)

Die Folgen dieser positiven Resonanz sind höhere Cloud-Investitionen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten ihre Cloud-Ausgaben steigern werden, ist 17-mal höher, als dass sie diese senken werden“, meint Govekar. Das führt dazu, dass bis 2025 rund die Hälfte aller Enterprise-Workloads auf IaaS/PaaS eines Hyperscalers laufen werden und dass Cloud-native Plattformen bei über 95 Prozent aller neuen Workloads zum Einsatz kommen. Aber er warnt die CIOs auch deutlich vor den neuen Abhängigkeiten, die sich daraus ergeben: „Anwendungen, die mit nativen Tools auf einer Hyperscaler-Plattform bereitgestellt werden, benötigen im Durchschnitt mehr als ein Jahr, um damit auf eine andere Plattform zu wechseln.“

In diesem Zusammenhang ging er auch auf einige allgemeine Cloud-Missverständnisse ein – beispielsweise, dass viele der Workloads, die einmal in die Cloud verschobenen wurden, wieder ins RZ zurückkehren. „Ja, das gibt es – aber nur in ganz, ganz seltenen Fällen“, lauten seine Erfahrungen. Ein weiteres Missverständnis sei, dass Multi-Cloud einen Lock-in verhindert. „Multi-Cloud bedeutet nur, dass man in mehreren Lock-ins gebunden ist – es bedeutet nicht mehr Freiheit oder Portabilität“, so seine Warnung.

Während Govekar das Cloud-Computing im Allgemeinen als etabliert darstellte, gab es bei der Präsentation der IT-Hypes noch zwei Cloud-Formen, die im unteren Teil der Kurve angesiedelt sind, und erst in fünf bis zehn Jahren etabliert sein werden. Die erste davon sind Industrial-Clouds – wie die von Volkswagen, AWS und Siemens gemeinsam entwickelte, über die sie ein Portfolio an bewährten IoT-Lösungen bereitstellen wollen. Damit soll bei den Automobilherstellern und dem Supply-Chain die Einführung neuer Technologien beschleunigt werden.

Ganz ähnlich sehen die Gartner-Analysten auch das Aufkommen der sogenannten Sovereign-Clouds. Das sind Cloud-Plattformen, die den strengen Sicherheits- und Datenzugriffs-Anforderungen von besonders regulierten Branchen oder Ländern genügen. Ein Paradebeispiel dafür ist die europäische Cloud-Initiative Gaia-X.

Einen breiten Raum nahmen auch die Prognosen über die Zukunft der Anwendungsentwicklung und deren Nutzung ein. So erwartet Gartner eine neue Art von App-Entwickler, die sogenannten „Business-Technologen“. Das ist ein Mix aus Citizen-Developer, Business-Analyst und Sachbearbeiter. Denn laut Gartner werden bis 2025 alle neuen Anwendungen aus bestehenden Komponenten, die in umfangreichen App-Stores in der Cloud zur Verfügung stehen, frei wählbar kombiniert.

An Low und No Code führt laut Gartner in wenigen Jahren kein Weg mehr vorbei – und der Citizen Developer wird durch den Business Technologist abgelöst.

(Bild: Gartner)

„In Zukunft werden alle Anwendungen von den Personen konfiguriert, die damit auch arbeiten“, sagte Govekar über diesen Trend. Und sollte ein notwendiges Modul noch nicht vorhanden sein, so wird es in Low Code programmiert und der Bibliothek hinzugefügt. Folglich sollen bis 2025 knapp drei Viertel aller neuen Anwendungen in Low Code entstehen.

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(fo)