Die andere Seite von Mr. Spock: Der Fotograf Leonard Nimoy

Heute kommt mit „Star Trek Beyond” ein neuer Raumschiff-Enterprise-Film in die Kinos. Nicht mehr dabei ist „Mr. Spock” Leonard Nimoy, der Anfang 2015 gestorben ist. Was viele nicht wissen: Nimoy war auch ein begabter und engagierter Fotograf.

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(Bild: R. Michelson Galleries)

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Berühmt wurde er als Mr. Spock, der für seine trockenen Bemerkungen bekannte Halb-Vulkanier auf dem Raumschiff Enterprise. Seine Leidenschaft gehörte aber der Fotografie. Im Alter von 40 Jahren, als er bereits ein erfolgreicher Schauspieler und wirtschaftlich gesichert war, begann Leonard Nimoy sich intensiv damit zu beschäftigen.

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Entstanden sind dabei viele beeindruckende Fotoserien. So war eines seiner bekanntesten Projekte, mit dem er als Fotograf auch ein größeres Publikum erreichte, The Full Body Project. Es zeigt mehrere gut gelaunte, beleibte Frauen, die nackt vor der Kamera tanzen. Die Schwarzweiß-Fotografien stellen dabei das verbreitete Konzept von Schönheit auf den Kopf. Die Damen sind nicht schlank, ihre Haut ist nicht mehr jugendlich – und doch zeigen sie sich fröhlich, unbeschwert und stolz. Nimoy wollte damit unterstreichen, das nur wenige Menschen im Körper eines Supermodels geboren werden und dass man glücklich mit sich selbst sein sollte.

Aufnahme aus „The Full Body Project“ von Leonard Nimoy

(Bild: L. Nimoy, R. Michelson Galleries)

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Aber er konnte auch anders. Im 2002 veröffentlichten Fotoband Shekhina beschäftigte sich Nimoy ebenfalls mit dem (meist) nackten weiblichen Körper. Diese Fotografien sind ebenso schwarzweiß, unterscheiden sich aber stark von The Full Body Project. Die Frauen sind schlanker und verbergen sich immer wieder hinter Schleiern. Shekhina steht im Hebräischen für die Präsenz Gottes auf Erden und brachte ihm den Vorwurf der Gotteslästerung ein. Der Begriff weist auf die Wurzeln von Leonard Nimoy hin. Er wurde 1931 in Boston als Sohn jüdisch-orthodoxer Einwanderer aus der Ukraine geboren. In Secret Selves versuchte er einen Blick in das Innerste der Menschen und wollte damit zeigen, was sie gerne sein würden.

Cover-Bild des Fotobands „Shekhina“ von Leonard Nimoy

(Bild: L. Nimoy, R. Michelson Galleries)

Schon als Kind begann er mit der Schauspielerei, interessierte sich aber bereits früh auch für Fotografie. Fasziniert hat ihn daran zeitlebens ihre Unmittelbarkeit. Gegenüber der Weltwoche bezeichnete er die Fotografie deswegen als "hervorragendes Medium, um sich rasch auszudrücken". Nimoy: "Habe ich eine Idee, kann ich sie sofort umsetzen." Dabei müsse er niemanden um Erlaubnis oder Geld bitten. Fotografie "braucht kein Drehbuch, keine Schauspieler und keine Produktionsfirma", sagte er dem Weltwoche-Reporter Peter Hossli.

Seine Erfolge als Mr. Spock und die daraus resultierende finanzielle Unabhängigkeit haben ihm viele Möglichkeiten – und Türen – eröffnet. Dabei habe er jedoch durch die Arbeit mit anderen Fotografen gemerkt, dass er kein kommerzieller Fotograf sein wolle, sondern lieber ein künstlerischer. Er hatte nie im Sinn, die fotografierten Frauen zu Objekten zu machen, wie etwa Playboy oder Hustler. Leonard Nimoy zur Weltwoche: "Ich bin nicht voyeuristisch, ich mache die Frauen nicht zu Objekten, ich erniedrige sie nicht, ich zeige sie nicht als Objekte der Lust oder der Sexualität. Für mich ist das ein soziales Projekt.”

(Bild: R. Michelson Galleries)

Bis heute kennt man ihn aber trotzdem vor allem für seine Rolle in der Fernsehserie Raumschiff Enterprise: In ihr und in mehreren Kinofilmen verkörperte er den eigensinnigen, aber doch auch immer humorvollen Querkopf Mr. Spock, der an der Seite von William Shatner als Captain Kirk den Weltraum bereiste. Der daraus entstandene Ruhm und die Identifizierung mit einer Kunstfigur waren nicht immer seine Sache. So nannte er seine Autobiografie treffenderweise „I am not Spock”. Im Interview mit Die Welt gab er jedoch zu, dass die Rolle ihn durchaus geprägt hatte: "Ich habe mich verändert, weil ich den Vulkanier so lange gespielt habe. Ich bin durch ihn ein anderer Mensch geworden."

Am heutigen Donnerstag kommt mit Star Trek Beyond ein neuer Raumschiff-Enterprise-Film in die Kinos (heise Online-Filmkritik), in dem Leonard Nimoy erstmals nicht mehr mitspielen konnte. Anders noch etwa in Star Trek Into Darkness, der 2013 erschien und in dem er sein eigenes älteres Ich spielte. Im Alter von 83 Jahren ist er Anfang 2015 an einer schweren Lungenerkrankung gestorben.

[Update 21. Juli 2016, 12:54: Filmtitel im letzten Absatz korrigiert] (keh)