Dienstag: Mehr Atomkraft, riskante Corona-Experimente, E-Autos und Tempo-Limit

AKW-Anlagen im Iran und der Schweiz am Netz + China mit riskanten Corona-Viren-Experimenten + Mehr Ladestationen für E-Autos + Laschet gegen Tempolimit

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 22 Beiträge
Ein AKW in Deutschland

Das AKW Brunsbüttel in Schleswig-Holstein

(Bild: Vattenfall)

Von
  • Torge Löding

Während in der Schweiz die Atomkraftwerke 60 Jahre Laufzeit bekommen könnten, geht das iranische AKW Buschehr wieder ans Netz. In China ahmen Wissenschaftler Techniken ihrer US-Kollegen nach, um neuartige Coronaviren zu erzeugen. Aber all dies mit erheblichem Restrisiko.

Ein Elektro-Lastwagen-Jointventure will 1700 Ladesäulen aufstellen. Unterdessen lehnt CDU-Kandidat Laschet ein Tempolimit ab. Und das, obwohl die Hälfte der Deutschen eine persönliche Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel sieht. Das Wichtigste vom Tage in Kürze:

In der Schweiz wird überlegt, wegen möglicher Unsicherheiten in der Stromversorgung die dortigen AKW länger laufen zu lassen. Hintergrund ist der zwischen der EU und der Schweiz gescheiterte Rahmenvertrag; dadurch könnten auch auf dem Feld der Stromlieferungen keine Abkommen geschlossen werden und es zu Engpässen kommen.

Daher hat die Schweizer Regierung Gespräche mit den AKW-Betreibern über die Laufzeiten aufgenommen. Mit einer längeren Laufzeit wäre die Schweiz weniger von Importen abhängig, außerdem hätte sie mehr Zeit, alternative Energiequellen zu erschließen.

Unterdessen liefert auch das Atomkraftwerk im iranischen Buschehr wieder Strom. Etwa zwei Wochen nachdem es wegen eines technischen Fehlers abgeschaltet wurde, läuft es wieder. Es wird vermutet, dass die technischen Probleme mit fehlenden Ersatzteilen zusammenhängen.

In China gibt es Kritik an wissenschaftlicher Forschung: Chinesische Forscher ahmen Techniken ihrer US-Kollegen nach, um neuartige Coronaviren zu konstruieren, das aber unter sehr unsicheren Bedingungen.

Ganz unschuldig sind die USA daran vielleicht nicht: Die schwelende Besorgnis, dass die USA riskante Forschung in China finanzieren, brach am 11. Mai in die nationale Debatte ein, als Senator Rand Paul den bekannten Corona-Koordinator Anthony Fauci, den langjährigen Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), beschuldigte, eine "Supervirus"-Forschung in den USA zu finanzieren und einen "großen Fehler" begangen zu haben, indem er das Know-how nach China weitergab.

Daimler Truck, Traton und Volvo planen ein Joint Venture zum Aufbau von 1700 Hochleistungs-Ladepunkten für elektrische Fernverkehrs-Lkw und Reisebusse in Europa. Ab 2022 sollen innerhalb von fünf Jahren mit 500 Millionen Euro Ladestation in der Nähe von Autobahnen, an Logistik-Zentralen und Abladestellen gebaut werden.

Der Elektroauto-Absatz hat sich im Juni in Deutschland verdreifacht, zwölf Prozent der Neuwagen werden rein akkuelektrisch betrieben. Mit 33.420 neu zugelassenen Akku-Autos lag die Zahl um 311,6 Prozent über dem Juni 2020. Der Anteil an allen neu zugelassenen Pkw betrug im vergangenen Monat 12,2 Prozent. Die Zahl der neu zugelassenen Hybrid-Fahrzeuge wuchs indes um rund 153 Prozent auf 76.564 Pkw; 31.314 davon waren Plugin-Hybride, deren Absatz um 191,3 Prozent wuchs.

Eine Begrenzung der Geschwindigkeit auf Autobahnen lehnt CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet indes ab. Er sieht die Diskussion über ein Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen als unsinnig an. Vor dem Hintergrund des Klimawandels müssten Technologien verbessert anstatt Debatten wie die über ein pauschales Tempolimit geführt werden.

"Warum soll ein Elektrofahrzeug, das keine CO2-Emissionen verursacht, nicht schneller als 130 fahren dürfen? Das ist unlogisch", sagte Laschet. Wenn das Elektroauto nur noch 130 fahren dürfe, sei dem Klima nicht geholfen. "Im Übrigen liegt auch heute schon die durchschnittliche Geschwindigkeit auf Autobahnen bei Tempo 117", betonte Laschet.

Damit ignoriert er aber das Umwetbewusstsein vieler Deutscher: Denn über die Hälfte der in einer EU-Umfrage interviewten Menschen in Deutschland meinen, persönlich für die Bekämpfung des Klimawandels verantwortlich zu sein. 28 Prozent der Menschen in Deutschland halten den Klimawandel demnach für das wichtigste Problem, dem die Welt gegenübersteht. Damit liegt dieser Anteil über dem EU-Durchschnitt von 18 Prozent. 79 Prozent von 1505 Befragten in Deutschland meinen, dass der Klimawandel ein sehr ernstes Problem ist. EU-weit meinen das unter 26.669 Befragten 78 Prozent.

Auch noch wichtig:

(tol)