Digitaler Corona-Impfpass: IBM, Ubirch und fünf Blockchains

Die Bundesregierung hat IBM und der Firma Ubirch den Zuschlag für die Entwicklung eines digitalen Impfpasses gegeben.

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(Bild: FabrikaSimf/Shutterstock.com)

Von
  • Detlef Borchers

In einem besonders eilbedürftigen Vergabeverfahren hat das Bundesgesundheitsministerium einem Konsortium von IBM Deutschland und dem Blockchain-Spezialisten Ubirch die Entwicklung eines digitalen Impfpasses für 2,7 Millionen Euro anvertraut. Gleich fünf Blockchains sollen dabei den deutschen Impfpass absichern. Der Quellcode des Passes soll vollständig veröffentlicht und dokumentiert werden.

Die Entscheidung für IBM Deutschland wurde durch die Veröffentlichung im Europäischen Amtsblatt bekannt, mit der das am 25. Februar gestartete dringliche Vergabeverfahren beendet wurde. Laut Amtsblatt hat der Auftrag für den digitalen Corona-Impfpass ein Volumen von 2,7 Millionen Euro. 51 Prozent des Auftrags gibt IBM an die Firma Ubirch weiter, die seit einem Jahr Werbung für ihren per Blockchain abgesicherten Seuchenpass macht.

Das Kölner Unternehmen Ubirch hat nach eigener Darstellung bereits Impfpässe für den bayerischen Landkreis Altötting und den Zollernalbkreis in Baden-Württemberg realisiert, bei dem zum ausgedruckten QR-Code für den Geimpften ein "anonymer Fingerabdruck" kryptografisch signiert und von Ubirch als Nachweis in einer Blockchain der Govdigital sowie vier weiteren Blockchains verankert wird. Govdigital ist eine Genossenschaft für Government-IT, an der unter anderem die Bundesdruckerei beteiligt ist.

Optional soll die geimpfte Person den Code in einer Wallet auf dem Smartphone speichern können. Bereits vor einem Jahr hatte Ubirch-Geschäftsführer Stephan Noller erklärt: "Ein verlässlicher Corona-Status wird in den nächsten Monaten ein ganz entscheidendes Merkmal sein, um wieder zu mehr Normalität zurückkehren zu können." Ob der nun vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene digitale Impfpass dazu genutzt wird, dass etwa Restaurants und Hotels entscheiden können, wem sie Zutritt gewähren, steht in den Sternen.

Nach den aktuellen Plänen der Bundesregierung soll es jedenfalls keine staatlichen Sonderregeln für Geimpfte geben, wie dies etwa in Israel der Fall ist. Wie es in der Ausschreibung des Bundesgesundheitsministeriums heißt, ist der digitale Impfpass "eine zusätzliche Möglichkeit zum gelben Impfpass, um Impfungen zu dokumentieren. Statt nur im gelben Impfpass Impfzeitpunkt, Impfstoff und Namen vorweisen zu können, sollen Nutzerinnen und Nutzer diese Informationen künftig auch personalisiert bequem auf ihren Smartphones digital speichern können."

Dieser Impfnachweis ist nicht mit dem medizinischen Informationsobjekt (MIO) zu verwechseln, der für die elektronische Patientenakte von Versicherten entwickelt wird und ein vollumfänglicher Ersatz des gelben Imfpasses sein soll. Die Spezifikationen für diesen Impfpass wurden von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am vergangenen Freitag veröffentlicht.

(axk)