Digitaler Euro: Datenschutz ja, aber keine uneingeschränkte Anonymität

Die EZB hat eine umfassende Auswertung ihrer Konsultation zu einem digitalen Euro veröffentlicht. Die meisten Rückmeldungen kamen aus Deutschland.

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(Bild: SWKStock/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Datenschutz ist für die breite Öffentlichkeit sowie für Fachleute wie Händler und sonstige Unternehmen die wichtigste Eigenschaft eines potenziellen digitalen Euros. Beide Gruppen sind aber auch der Ansicht, dass illegalen Aktivitäten wie Geldwäsche vorgebeugt werden müsse. Weniger als ein Zehntel der Bürger befürworten daher eine "uneingeschränkte Anonymität". Dies geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten ausführlichen Bericht zu den Ergebnissen der Konsultation zu einem digitalen Euro hervor, die die Europäische Zentralbank (EZB) im Oktober gestartet hatte.

Am wichtigsten für die Öffentlichkeit und für Fachkreise ist bei einer solchen digitalen Währung demnach mit 43 Prozent der Erhalt der Privatsphäre. Es folgen Sicherheit (18 Prozent) und die Möglichkeit, im ganzen Euroraum damit bezahlen zu können (elf Prozent). Neun Prozent machten sich vor allem dafür stark, dass mit einem digitalen Euro keine zusätzlichen Kosten entstehen. Acht Prozent drängen insbesondere darauf, die Währung auch offline nutzen zu können.

Die Endresultate decken sich weitgehend mit einer vorläufigen Auswertung, die die EZB im Januar publik gemacht hatte. Damals hatte das Finanzinstitut die Quote der Teilnehmer, in deren Antworten der Datenschutz an erster Stelle der gewünschten Eigenschaften rangierte, noch mit 41 Prozent angegeben. Anonymität definierte die Bank für die Umfrage so, dass damit – wie in der Regel bei Bargeld – die rechtliche Identität von Nutzern nicht überprüft werden könnte, wenn sie auf einen Zahlungsdienst zugreifen. Mit "selektiver Privatsphäre" beschrieb sie Lösungen, bei denen ein Anwender zwar prinzipiell identifiziert wird. Daten, die in bestimmten Transaktionen Kleinbetragszahlungen enthalten sind, würden hier aber nicht mit allen Akteuren in der Zahlungswertschöpfungskette geteilt. Einen höheren Schutz biete ein Ansatz, in dem diese Drittbeteiligten unabhängig von den Geldgeschäften keine Zahlungsdaten erhalten.

Die meisten involvierten Bürger und Gewerbetreibenden sind der Ansicht, dass digitale Euro-Zahlungen in bestehende Transferlösungen oder -produkte integriert werden sollten. Die Mehrheit wünscht sich, dass über die grundlegenden digitalen Euro-Zahlungen hinaus zusätzliche Dienstleistungen angeboten werden. Rund ein Viertel der Befragten vertritt die Auffassung, dass ein digitaler Euro grenzüberschreitende Zahlungen schneller und kostengünstiger machen sollte. Dieser Anteil will die Währung eingeschränkt auch außerhalb des Euroraums verwenden können.

Die Teilnehmer gaben der EBZ auch zahlreiche technische Anregungen mit auf den Weg. Damit ein digitaler Euro wie Bargeld funktioniert, wären laut 25 Prozent der Privatpersonen Endnutzer-Lösungen wie Smartcards oder ein Secure Element im Smartphone zu bevorzugen. Unter den befragten Profis würde ein Drittel auch Softwarelösungen wie Wallets und Apps bevorzugen. Weitere 33 Prozent sind für eine Kombination von Endnutzerlösungen mit einer Backend-Infrastruktur, wobei viele auf dezentrale Ansätze verweisen. Dazu kam eine Reihe von Vorschlägen, um Fälschungen und technische Fehler zu verhindern sowie sicherzustellen, dass die im Umlauf befindliche Menge an digitalen Euros der von der Zentralbank ausgegebenen Menge entspricht. Darunter befanden sich Techniken wie die Blockchain, Kryptografie sowie lizenzierte Soft- und Hardware. Nahezu die Hälfte der Teilnehmer hält Obergrenzen für Guthaben, eine gestaffelte Verzinsung oder eine Kombination dieser Maßnahmen für nötig, um den Umlauf des digitalen Euro zu steuern.

Insgesamt gingen bis 12. Januar über 8200 Antworten bei der EZB ein, was einen Rekord darstellt. Die große Mehrheit der Befragten stellten mit 94 Prozent Privatpersonen. Zu den übrigen Teilnehmenden gehörten Banken, Zahlungsdienstleister, Händler und Technologie-Unternehmen. Mit 47 Prozent kam fast die Hälfte der Rückmeldungen aus Deutschland, gefolgt von Italien und Frankreich mit 15 beziehungsweise elf Prozent. Die Antworten seien "nicht unbedingt repräsentativ für die Ansichten der EU-Bevölkerung", schreibt die EZB. Dennoch handele es sich um "wichtige Informationen", die in die Analysearbeit und praktische Tests einflössen. Auch der EZB-Rat werde die Eingaben berücksichtigen bei seinem geplanten Beschluss, eine formelle Untersuchungsphase für einen digitalen Euro einzuleiten.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde ging jüngst davon aus, dass die Digitalwährung binnen der nächsten fünf Jahre kommen werde. Fabio Panetta, einer der Direktoren der Notenbank, brachte bereits "Anonymitätsgutscheine" dafür ins Spiel. Nutzer könnten diese "auf eine Art und Weise ausgeben, die vom System nicht verfolgt wird". Die Menge an digitalen Euros müsse zudem gegebenenfalls begrenzt werden, um Währungsschwankungen gering zu halten.

(kbe)