Digitaler Führerschein kommt in Österreich

Vor einem Jahr scheiterte die deutsche Führerschein-App "ID Wallet" krachend. Nun hat Österreich eine App eingeführt, die Datenschützer "tauglich" finden.

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Der österreichische Innenminister Gerhard Karner und Staatssekretär Florian Tursky bei einer simulierten Verkehrskontrolle mit dem digitalen Führerschein.

(Bild: BMI/Schober)

Von
  • Christian Wölbert
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In Österreich können Autofahrer ab sofort ihren klassischen Führerschein zu Hause lassen und bei einer Kontrolle stattdessen eine digitale Variante vorzeigen. Dafür werden Führerscheindaten mittels der App "eAusweise" im Smartphone gespeichert. "Der digitale Führerschein als erster digitaler Ausweis in Österreich ist ein Meilenstein am Weg in die Digitalisierung", sagte Innenminister Gerhard Karner bei der Vorstellung des digitalen Führerscheins am Mittwoch.

Die deutsche Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr mit der App "ID Wallet" ebenfalls einen digitalen Führerschein-Ableger eingeführt. Allerdings verhagelten technische Probleme den Start. Kurz darauf folgte massive Kritik von IT-Sicherheitsexperten, die darauf hinwiesen, dass ID Wallet es Dritten leicht machte, die Ausweisdaten über das Internet abzufischen. Die Bundesregierung zog die App daraufhin wieder zurück. Obendrein konnte die App den klassischen Führerschein aus rechtlichen Gründen nicht bei Kontrollen ersetzen, und es gab auch keine weiteren Anwendungsfälle.

Mit der App "eAusweise" kann man Führerscheindaten gegenüber der Polizei oder gegenüber anderen Nutzern der App offenlegen.

Anders in Österreich: Dort reicht bei einer Verkehrskontrolle ab sofort der digitale Führerschein. "Das Mitführen der Scheckkarte ist nicht erforderlich", stellt die Regierung in einer FAQ klar. Allerdings gilt das nicht im Ausland.

Auch technisch unterscheidet sich das österreichische System vom ID-Wallet-Ansatz. Bei einer Verkehrskontrolle kann man mit der eAusweis-App einen QR-Code generieren, der Daten wie Name und Geburtsdatum sowie einen Schlüssel für das Führerscheinregister enthält. Die Polizei scannt diesen Code und prüft die Fahrerlaubnis online im Führerscheinregister. Um den Führerschein einzuziehen, kann sie einen Eintrag im Register setzen, wie das Bundesrechenzentrum (BRZ) erklärt.

Eine Grafik des Bundserechenzentrums gibt eine Überblick über die Systemarchitektur des digitalen Führerscheins.

(Bild: BRZ)

Abseits solcher hoheitlicher Kontrollen sind mit der App auch Offline-Prüfungen möglich, und zwar laut BRZ gemäß dem ISO-Standard für mobile Führerscheine (ISO 18013-5), den auch Apple und Google unterstützen. Dabei übertragen Nutzer ihre Führerscheindaten via Bluetooth an das Smartphone eines anderen Nutzers – man muss also genau wie bei physischen Ausweisen sicherstellen, dass man dem Gegenüber vertraut. Denkbare Anwendungsfälle wären zum Beispiel Automiete oder Carsharing. Der Ausweisvorgang kann laut BRZ nicht von zentralen Stellen überwacht werden, der Staat könne also nicht nachvollziehen, wann oder wo Führerscheine digital vorgezeigt werden.

Aus Sicht des österreichischen Datenschutzvereins Epicenter.Works ist das System "für Führerscheine eine taugliche Lösung". Anders als bei der digitalen Identität ID Austria seien Anstrengungen unternommen worden, "um Nutzer:innenverhalten davor zu schützen, von zentraler staatlicher Stelle eingesehen zu werden", teilte die Organisation auf Anfrage von c't mit. Diese Anstrengungen seien aber nicht perfekt und lägen unter dem Datenschutzniveau des globalen ISO-Standards.

Wenn das System auf Altersnachweise oder Schüler- und Studierendenausweise ausgeweitet werde, müsse es noch nachgebessert werden, fordert Epicenter.Works. Ein Altersnachweis sollte – der ISO-Norm entsprechend – zum Beispiel mittels "selective disclosure" erbracht werden, also durch Übermittlung nur der benötigten statt aller im Ausweis enthaltenen Attribute.

Epicenter.Works konnte nach eigenen Angaben die Datenschutzfolgeabschätzung des Projekts kurz vor Veröffentlichung prüfen und den Verantwortlichen Feedback geben. "Eine komplette Blackbox ist für uns aber die Prüf-App der Polizei, mittels derer bei Fahrzeugkontrollen der digitale Führerschein und bald auch der Zulassungsschein geprüft werden sollen", kritisiert die Organisation.

Auch in Österreich hakte die Technik nach dem Start der Führerschein-App: In den App-Stores von Apple und Google beschwerten sich Nutzer über seltsame Fehlermeldungen und anscheinend überlastete Server. Andere Anwender berichten in ihren Rezensionen jedoch, dass die App fehlerfrei laufe.

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(cwo)