Digitalgipfel: Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammenbringen

Die Bundesregierung hält die nachhaltige Digitalisierung für eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre. Schafft die Branche den ökologischen Wandel?

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(Bild: BMWi)

Von
  • Ariane Rüdiger
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Der Digitalgipfel der Bundesregierung fand dieses Jahr zum ersten Mal virtuell statt, Motto: „Digital nachhaltiger leben“. Daneben ging es um die Dauerbrenner Breitbandausbau, digitale Bildung und KI-Finanzierung. Die Veranstaltung war hochkarätig besetzt: Von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über Bundeskanzlerin Merkel bis zu diversen Ministern und Verbandsvorständen der einschlägigen Branchenverbände und führenden Branchenunternehmen war alles vertreten, was Rang und Namen hat.

In seinem Eröffnungsstatement betonte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, dass es zu den größten politischen Herausforderungen der nächsten zwei Jahrzehnte gehören werde, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammenzubringen. Doch während es in den Bereichen Mikroelektronik, Daten und KI gute Impulse gebe, hinge Deutschland bei der Digitalisierung von Schulen und Verwaltung weiter hinterher, klagte Altmaier und forderte mehr Geschwindigkeit bei der Umsetzung digitaler Konzepte.

Das gilt auch für die Weiterbildung, wie Zahlen von Jörg Hoffmann, 1. Vorsitzender der IG Metall, belegen. Danach fühlten sich bei der Befragung von 250.000 Beschäftigten 60 Prozent der Befragten nicht mitgenommen, die Hälfte beklagt, ihr Betrieb habe keine Zukunftsstrategie. Gleichzeitig wollen sich 90 Prozent über alle Qualifizierungsstufen hinweg weiterbilden. Altmaier: „Die Frage ist nur: Qualifikation wohin?“

Die EU-Kommissionspräsidentin betonte das Engagement der EU für einen grünen IT-Einsatz. So werden 35 Prozent des zukunftsgerichteten Investitionsprogramms Horizon in Klimaschutzprojekte gesteckt. Ein Beispiel: Das globale digitale Umweltmonitoring-Projekt Destination Earth soll zu einem digitalen Zwilling des Planeten ausgebaut werden. So könne man die Entwicklung des ökologischen Zustandes der Meere oder die Geschwindigkeit des Artenschwundes quasi in Echtzeit weltweit beobachten und damit Menschen für die Folgen des Klimawandels zu sensibilisieren.

Von der Digitalbranche forderte von der Leyen, sie müsse „ihren ökologischen Wandel durchlaufen“. Dies betreffe auch die Nutzer: Wenn alle Smartphones in Europa nur ein Jahr länger genutzt würden, entspreche das dem Effekt, eine Million Autos von Europas Straßen zu entfernen. Von der Leyen deutete in der Regulierung der EU ein Recht auf Reparatur und Produktpässe mit allen enthaltenen Materialien an. Bei IT- beziehungsweise RZ-Ausschreibungen sollen Nutzer erneuerbarer Energien bevorzugt werden.

Das geplante Corona-Rettungspaket von 750 Milliarden Euro solle zu 37 Prozent in Klimaschutzprojekte und zu 20 Prozent in Digitalisierung fließen. Besonders betonte von der Leyen die Notwendigkeit, städtische Architektur mit digitalen Mitteln nachhaltig neu zu erfinden. Sie forderte dazu eine „europäische Bauhaus-Bewegung“, in der Nachhaltigkeit, Einklang mit der Natur, Kunst und die moderne Technologien zusammenfinden.