Digitalisierung soll Ukraine wiederaufbauen und widerstandsfähiger machen

Die Ukraine sieht den Wiederaufbau nach dem Krieg als Chance, zum "größten IT-Hub Osteuropas" zu werden. IT soll auch helfen, Korruption zu bändigen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 31 Beiträge

(Bild: Міністерство та Комітет цифрової трансформації України)

Von
  • Andreas Wilkens

Innovationen der Informationstechnik sollen der Ukraine helfen, die durch die russische Invasion entstandenen Schäden in dem Land zu reparieren und künftig resilienter zu werden. Das ukrainische Ministerium für digitale Transformation hat dafür die Initiative Digital4Freedom gegründet, der sich bereits Unternehmen wie Microsoft, Rakuten, Apple, Amazon, Google, IBM, Palantir, Mastercard und Visa angeschlossen haben.

Der ukrainische Minister für digitale Transformation Mykhailo Fedorov hat die Initiative am Montag auf der Ukraine-Konferenz im Schweizerischen Lugano vorgestellt, an der Vertreter von knapp 40 Staaten und 18 internationalen Organisationen teilnehmen. Ihr Ziel ist es, die Ukraine nicht nur so schnell wie möglich wiederaufzubauen, sondern auch ins digitale Zeitalter zu führen.

Die Ukraine soll so das "freiste und digitalste Land der Welt" werden, wie die Regierung des Landes mitteilte. Ein Land, in dem die Verwaltung statt mit analogen Beamten papierlos funktioniere, bargeldlos statt mit Bargeld und die IT-Wirtschaft 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht werde. Die Ukraine soll der "größte IT-Hub in Osteuropa mit Schwerpunkt auf Sicherheitsprodukte" werden.

So weit ist die Ukraine aber noch lange nicht, zumal die russische Armee zurzeit noch im Osten des Landes wütet. Fedorov will zunächst einmal mit technischen Mitteln dafür sorgen, dass die Hilfsgüter und -gelder, die aus dem Ausland in die Ukraine fließen, in größtmöglicher Transparenz verwendet werden. Mit Hilfe von Software soll der Wiederaufbau in Gang gesetzt werden, ohne Staatsbeamte beteiligen zu müssen. Mit einem transparenten, digitalen System soll also Korruption unterbunden werden. Laut der NGO Transparency International haben 23 Prozent derjenigen, die in der Ukraine in den vergangenen zwölf Monaten die öffentliche Verwaltung beanspruchten, Bestechungsgeld gezahlt.

"Die digitale Infrastruktur ist in Kriegszeiten am widerstandsfähigsten und effektivsten, weil sie nicht durch Raketen zerstört werden kann", erklärte Fedorov. "Wir laden Unternehmen ein, sich uns beim Aufbau der digitalen Zukunft der freien Welt anzuschließen und zur Entwicklung der digitalen Ukraine beizutragen." Die Digitalisierung sei nicht nur das Fundament für den Aufschwung, sondern auch eine Vision dafür, wie das Land funktionieren könnte. "In keinem anderen Land der Welt haben Sie eine solche Chance, an der Umsetzung modernster Technologien auf staatlicher Ebene mitzuwirken", appellierte Fedorov an Unternehmen, sich an der digitalen Transformation der Ukraine zu beteiligen.

(anw)