Donnerstag: Intel gewinnt in Bilanz und vor Gericht, EU gegen Desinformation

Intel mit Jahresumsatzrekord & Sieg vor EU-Gericht + EU-Forderung nach Fakenews-Sanktionen + Linux-Sicherheitslücke in Polkit + Rückzug von Domain-Zertifikaten

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Reinraummitarbeiter hält Chip hoch

(Bild: Dragon Images/Shutterstock.com)

Von
  • Frank Schräer

Prozessorhersteller Intel darf sich doppelt freuen. Zunächst hat ein EU-Gericht eine alte Milliardenstrafe gegen Intel aufgehoben, dann weisen die jüngsten Quartalszahlen Intels neue Rekordumsätze aus, wenngleich bei sinkenden Gewinnen. EU-Abgeordnete fordern hingegen ein schärferes Vorgehen gegen Desinformation sowie ein Verbot von Spyware – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.

Intel hat seine Umsätze sowohl im vierten Quartal 2021 als auch im kompletten letzten Jahr erneut steigern können. Dies lag vorwiegend an guten Geschäften mit Produkten für Rechenzentren und an höheren Einnahmen bei Produkten für Desktop-PCs. Die steigende Nachfrage von Firmenkunden beschert Intel mehr Umsatz als je zuvor. Allerdings gingen die Gewinne zurück, denn die Betriebsausgaben steigen.

Zu den positiven Finanzzahlen Intels kommt eine für das Unternehmen positive Gerichtsentscheidung hinzu, denn das Gericht der Europäischen Union hat eine vor zwölf Jahren von der EU-Kommission gegen Intel verhängte Strafe in Höhe von 1,06 Milliarden Euro aufgehoben. In der damaligen Entscheidung hätten die EU-Wettbewerbshüter nicht ausreichend dargelegt, wie sich Intels Rabatte für Hardwarehersteller oder -händler negativ auf den Wettbewerb auswirkten. Deshalb hat das EU-Gericht die EU-Milliardenstrafe gegen Intel für nichtig erklärt.

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Der Sonderausschuss des EU-Parlaments für ausländische Einmischung fordert keine Strafen, aber schlägt Alarm: Die europäische Öffentlichkeit und die Regierungsbeamten sind sich ihm zufolge des Ausmaßes der Bedrohung durch ausländische autokratische Regime wie Russland oder China "überwiegend" nicht bewusst. Unzureichende Abwehrmaßnahmen erleichterten es böswilligen Akteuren, kritische Infrastrukturen zu übernehmen und Cyberangriffe durchzuführen. Deshalb fordern die EU-Abgeordneten ein scharfes Sanktionsregime gegen Desinformation und Spyware wie Pegasus zu verbieten.

Polkit regelt die Berechtigungen zur Kommunikation von Software im Nutzer-Kontext etwa mit privilegierten Diensten, vergleichbar mit der Windows-Benutzerkontensteuerung; es ist auf praktisch allen aktuellen Linux-Distributionen standardmäßig installiert. Eine Sicherheitslücke in Polkit erlaubt Nutzern das Ausweiten ihrer Rechte am System. Für viele Distributionen sind bereits Patches gegen den Root-Zugriff unter Linux durch die Polkit-Lücke verfügbar.

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Aufgrund eines fehlerbehafteten Prüfmechanismus gelten alle Zertifikate, die vom Let's Encrypt-Projekt mit diesem speziellen erstellt wurden, als fehlerhaft ausgegeben. Daher zieht Let's Encrypt ab Freitag dieser Woche diese Zertifikate zurück. Das Let's Encrypt-Projekt stellt kostenlose TLS-Zertifikate etwa für Webserver zur Verfügung. Dazu automatisiert das Projekt alles, bis hin zur Prüfung, ob eine Domain der anfragenden Person oder Organisation gehört. Doch nach Prüfungsfehlern zieht Let's Encrypt bestimmte Zertifikate vorzeitig zurück.

Auch noch wichtig:

  • In simplen Nummern erkennt Google Drive Urheberrechtsverletzungen. Sogar eine Textdatei mit lediglich der Ziffer 1 wurde gesperrt, denn Googles Algorithmen stufen Ziffern als Copyright-Verletzung ein.
  • Nach Intel legen heute weitere Unternehmen ihre Finanzzahlen des letzten Quartals beziehungsweise des letzten Jahres vor, unter anderem SAP, Samsung, Software AG, Mastercard, STMicroelectronics, Northrop Grumman und LG Electronics. Apple folgt am späteren Abend.
  • Der Bundesgerichtshof urteilt heute zur Klarnamenpflicht auf Facebook. In den zwei Fällen hatten Nutzer ihr Profil unter Pseudonym geführt. Daraufhin wurden sie gesperrt. Das Oberlandesgericht München hatte Facebook zuletzt im Recht gesehen.

(fds)