Donnerstag: Mitarbeiterentsorgung, Schneckenpost per E-Mail, Lego und Linux

Wie Firmen Mitarbeiter rausekeln und Standardbriefe schneller ankommen + Warum Lego schützenswert ist und Linux das bessere und schönere Windows sein kann

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Büromitarbeiter

Büromitarbeiter

(Bild: And-One/Shutterstock.com)

Von
  • Frank Schräer

Während eine Psychotherapeutin auspackt und die unternehmerische Entsorgung unbequemer Mitarbeiter erklärt, wollen GMX und Web.de traditionelle Briefe öffnen und digitalisieren, um sie den Kunden per E-Mail zu schicken. Vom Briefgeheimnis haben die Anbieter wohl genauso wenig gehört wie die Gerichte von Klemmbausteinen. Die Gestaltung von Lego-Bausteinen ist in Europa nämlich schutzwürdig.

Wer sich zu alt für Lego hält und lieber mit Computern spielt, könnte an MakuluLinux in der "LinDoz"-Edition für Windows-Umsteiger interessiert sein. Linux-Erfahrene erfreuen sich dagegen an der neuen Desktopumgebung Gnome 40 mit deutlichen optischen Änderungen. Das Wichtigste vom Tage in Kürze.

Als ehemalige Psychotherapeutin und heutige Personalberaterin hat Madeleine Leitner zahlreiche zweifelhafte Methoden des Personalabbaus kennengelernt und erfahren müssen, wie Firmen Mitarbeiter rausekeln. Psychotherapeuten haben viel zu wenig Ahnung davon, wie rabiat es in der Arbeitswelt zugeht. Deshalb können sie Patienten oft nicht richtig behandeln, die ihre Arbeit krank macht, wie sie berichtet. Wenn ihre Patienten von den Schikanen und Intrigen erzählten, denen sie ausgesetzt waren, habe sie es nicht für möglich gehalten, dass es so etwas in Wirklichkeit gibt.

Dass Unternehmen die Kommunikation ihrer Mitarbeiter überwachen, ist nichts Neues, aber nun wollen auch GMX und Web.de sowie die Deutsche Post in traditionelle Briefsendungen schauen. Dies wird als Service für die Kunden angeboten, denn diese können ihre Briefe als "digitale Kopie" früher lesen, einfacher archivieren und durchsuchen. Ob die Anwender dafür auf das garantierte Grundrecht des Briefgeheimnisses verzichten wollen, und ob eine Festplatte als Ablageort sicherer ist als ein Aktenordner, sei dahingestellt.

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Das Gericht der Europäischen Union musste sich dagegen mit Spielzeug befassen und erklärte die Gestaltung von Lego-Bausteinen für schutzwürdig. Damit widersprach es dem Amt der EU für geistiges Eigentum (EUIPO), das ein Geschmacksmuster eines Lego-Bausteins für nichtig erklärt hatte. Das EUIPO hat 2019 entschieden, dass alle Erscheinungsmerkmale des Lego-Bausteins ausschließlich durch dessen technische Funktion bedingt seien. Nach EU-Recht sind technische Lösungen nur eine begrenzte Zeit schutzfähig, um Monopole zu verhindern. Das wiederum hat Lego aufgeweckt und zur Klage beim EU-Gericht bewogen. Das EUIPO muss sich der Sache jetzt erneut annehmen.

Für Linux-Interessierte könnte MakuluLinux in der "LinDoz"-Edition für Windows-Umsteiger eine Alternative sein. "LinDoz" soll Windows-Umsteigern eine vertraute Desktopumgebung auf Linux-Basis bieten. Denn Windows-Nutzer, die zu Linux wechseln wollen, sehen sich oftmals mit Schwierigkeiten konfrontiert. Sie empfinden viele Eigenschaften des Systems – nicht zuletzt Optik und Bedienung – als ungewohnt, und das Anpassen des Systems an die eigenen Bedürfnisse fällt schwer.

Wer sich dagegen mit Linux bereits auskennt, könnte Gefallen finden an der Desktopumgebung Gnome 40, die deutliche optische Änderungen und ein neues Versionsschema mitbringt. Nachdem es in neuen Gnome-Versionen zuletzt vorrangig um die Verbesserung von Performance und Stabilität der Desktopumgebung ging, bringt Gnome 40 wieder umfassende optische Änderungen der Shell mit. Darüber hinaus hat die neue Version funktionale Neuerungen im Gepäck.

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Auch noch wichtig:

  • Facebook darf vorerst weiter ungefragt Nutzerdaten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen und dreht eine Runde um den EuGH. Nachdem das Bundeskartellamt Facebook erhebliche Einschränkungen auferlegt hat, ist Facebook vor Gericht gegangen. Und dieses hat nun erst einmal den Europäischen Gerichtshof zur Klärung einbezogen.
  • Der vorwiegend intern in Unternehmen eingesetzte Messenger Slack wollte direkte Nachrichten auch an externe Personen ermöglichen. Dies hat Slack allerdings kurzfristig wieder zurückgezogen, denn solche externen Einladungen könnten für belästigende Nachrichten und sogar Spam missbraucht werden.
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(fds)