Drei Fragen und Antworten: Entwickler müssen Low-Code-Projekte anführen

Lange hieß es, reguläre Büromitarbeiter sollten Low-Code-Projekte anpacken. Inzwischen zeigt sich: Bei Entwicklern sind sie besser aufgehoben.

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Von
  • Harald Weiss

Low-Code gilt für viele Unternehmen als die Zukunft der Softwareentwicklung, genauso viele Programmierer lehnen es ab. Das liegt unter anderem auch daran, dass es viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten dieser Technologie gibt. Der neueste Einsatz-Trend geht hin zu einer höheren Aggregationsebene. Am Rande der Appian-Europe-Veranstaltung sprachen wir mit dem Deutschland-Chef Dirk Pohla über die aktuelle Situation und wie es mit der Low-Code-Nutzung weitergehen wird.

Im Interview: Dirk Pohla von Appian

(Bild: 

Appian

)

Dirk Pohla ist Deutschland-Chef von Appian. Wir sprachen mit ihm auf der Europa-Veranstaltung über die Low-Code-Zukunft.

Herr Pohla, Low-Code gilt gemeinhin als eine Methode, mit der sich die Softwareentwicklung vereinfachen und beschleunigen lässt. Doch mit der Akquisition von Lana Labs und vielen anderen vorgefertigten Modulen im Bereich Business-Automation dringt Appian in höhere Anwendungsebenen vor. Was bedeutet dieser Kurswechsel?

Zunächst einmal: Das ist kein Kurswechsel, sondern eine logische Fortsetzung der Appian-Plattform. Low-Code bedeutete ja schon immer, dass mithilfe von wiederverwendbaren Komponenten und visuellen Tools unternehmenstaugliche Anwendungen erstellt und geändert werden können. Die dafür zur Verfügung stehenden Komponenten werden naturgemäß immer umfangreicher und leistungsfähiger. Beispiele dafür sind komplette RPA-Module oder die Process Mining-Tools von Lana Labs, deren Plattform perfekt in den Ausbau unseres Portfolios passt. Diese Erweiterungen bedeuten logischerweise, dass sich Low-Code von einer reinen Entwicklungstechnologie zu einem Konzept zur Komposition von Business-Anwendungen gewandelt hat.

Das sind dann aber recht anspruchsvolle Arbeiten, bei denen ja auch die Runtime-Umgebung, die Anbindung an andere Systeme, die Sicherheit, die Compliance und vieles mehr zu berücksichtigen sind. Kann man solche Arbeiten den angelernten Citizen-Developern anvertrauen?

Als komplettes Projekt wohl kaum, wohl aber in Verbindung mit professionellen Entwicklern und System-Architekten, denn eines ist ganz wichtig: Citizen-Developer bringen das Business-Knowhow ein und das ist eine nicht zu unterschätzende Komponente bei der Entwicklung oder Modifikation von Business-Anwendungen. Bei Low-Code-Projekten findet ja innerhalb des Teams eine Art Low-Code-basierte Kommunikation statt; diese ist strukturiert und eindeutig, sodass kaum Missverständnisse aufkommen können. Aber es stimmt natürlich: Die Projektfederführung müssen professionelle Entwickler und Designer übernehmen, deshalb richtet sich unsere Marketing-Kommunikation auch verstärkt an diese Personengruppen, in der wir ihnen klarmachen, dass sie durch Low-Code nicht ersetzt werden, sondern wesentlich produktiver sind.

Nun haben Sie aber unter Lowcode4all weltweit eine breite Weiterbildungs-Initiative gestartet, die ja vor allem Citizen-Developer hervorbringen soll. Wie passt das zusammen?

Wie schon gesagt: Citizen-Developer sind weiterhin erforderlich, und davon gibt es zu wenig. Vor allem in den USA kommt unser Selbstlern-Programm sehr gut an. In Deutschland ist die Aus- und Weiterbildung ja anders aufgebaut, sodass wir hier eine nicht so große Resonanz haben. Vieles läuft hier über innerbetriebliche Schulungen, beziehungsweise als Ergänzung zur Informatik-Ausbildung an den Hochschulen. Folglich konzentrieren wir uns auch vorwiegend auf die Universitäten, denen wir entsprechende Kurse und Ausbildungsunterstützung anbieten. Hier zeichnen sich erste Erfolge ab, die wir zwar noch nicht veröffentlichen können, die aber klar in die richtige Richtung gehen.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Pohla.

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(fo)