Drohende Zahlungsunfähigkeit: Zahlungsdienstleister Wirecard meldet Insolvenz an

Der Absturz von Wirecard geht ungebremst weiter. Der Vorstand hat nun entschieden, einen Insolvenzantrag zu stellen. Es drohe eine Zahlungsunfähigkeit.

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(Bild: Wirecard)

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Der strauchelnde Zahlungsdienstleister Wirecard meldet Insolvenz an und zieht damit die Konsequenzen aus den dramatischen Entwicklungen der vergangenen Tage. Wie das Unternehmen am heutigen Donnerstag mitteilte, soll der Insolvenzantrag auf Antrag des Vorstands beim zuständigen Amtsgericht München eingereicht werden. Grund seien drohende Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Ob derartige Anträge auch für die Tochtergesellschaften gestellt werden müssen, werde nun geprüft.

Wirecard wickelt als Zahlungsdienstleister die bargeldlosen Geldflüsse zwischen Händlern auf der einen und Banken sowie Kreditkartenfirmen auf der anderen Seite ab. Viele Online- und Mobil-Bezahlsysteme setzen auf Wirecard als Dienstleister.

Erst vor einer Woche hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY Wirecard darüber informiert, dass über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Prüfungsnachweise vorlägen. Bei diesem Geld geht es um etwa ein Viertel der gesamten Bilanzsumme und seitdem wurde immer deutlicher, dass dieses Geld offenbar tatsächlich fehlt. Vergangenen Freitag trat dann Vorstandschef Markus Braun zurück, am Montag wurde er festgenommen und am Dienstag kam er gegen Kaution frei. Der Aktienkurs des Dax-Konzerns stürzte in der Zeit von über 100 Euro auf derzeit unter 11 Euro ab.

Brauns ehemals rechte Hand im Wirecard-Vorstand, Jan Marsalek, wird derzeit auf den Philippinen vermutet. Er war am Montag fristlos entlassen worden. Justizminister Menardo Guevarra zufolge gibt es in dem Land Hinweise darauf, dass er erst kürzlich eingereist und noch vor Ort ist, zitiert die dpa. Die vermissten 1,9 Milliarden Euro hätten seit Ende vergangenen Jahres auf Treuhandkonten bei zwei philippinischen Banken verbucht sein sollen, doch diese Konten gab es offenbar nie. Inzwischen hat das Land Geldwäsche-Ermittlungen eingeleitet. In Singapur laufen bereits seit über einem Jahr Ermittlungen gegen Wirecard.

[Update 25.06.2020, 12:45]:

An der Frankfurter Börse kam es zu Panikverkäufen: Die Wirecard-Aktien hatten innerhalb der vergangenen sieben Tage bereits neunzig Prozent ihres Wertes verloren, nach der Insolvenzmitteilung rauschten die Papiere innerhalb kürzester Zeit auf 2,50 Euro in die Tiefe. Unter den Leidtragenden, die nun auf quasi wertlosen Papieren sitzen, sind sehr viele Kleinaktionäre.

Ein schneller Abstieg aus dem Dax droht aus heutiger Sicht nicht: "Bei einem regulären Insolvenzverfahren dagegen bleibt die Aktie bis zum nächsten regulären Anpassungstermin im Dax", erläuterte ein Sprecher der Deutschen Börse laut dpa die Regeln, die für alle Dax-Mitgliedsunternehmen gelten. Der nächste reguläre Anpassungstermin ist der 3. September.

Bei Wirecard wird nun zunächst ein Gutachter beauftragt, der die Lage des Unternehmens beurteilt. Im nächsten größeren Schritt nach dem Eingang des Insolvenzantrags beim Münchner Amtsgericht muss dann ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt werden.

Damit ist ein vor einer Woche noch als solvent und zukunftsträchtig geltender Dax-Konzern in atemberaubender Geschwindigkeit in den Abgrund gerutscht.

(mho)