Drohnenfotograf Stefan Forster über Shooting-Planung und Technik

Mit Drohnenkameras gibt Stefan Forster seinen Landschaftsfotos einen besonderen Dreh. Im Interview gibt er Einblicke in die Planung und Strapazen seiner Touren.

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Stefan Forster hat schon früh auf Drohnen gesetzt, damals gab es weniger Flugverbote.

(Bild: Stefan Forster Photography)

Von
  • Sebastian Arackal

Der Schweizer Stefan Forster hat sich als Landschafts- und Drohnenfotograf international einen Namen gemacht. In seinem umfangreichen Archiv finden sich zahlreiche Drohnenaufnahmen von Orten, die heute für Fotografen und Filmer nicht mehr so leicht zugänglich sind. Das Material ist deswegen bei Kunden wie der BBC oder Netflix begehrt. Im Interview mit c't Fotografie spricht er darüber, warum er sein Angestelltendasein gegen ein Leben als freier Fotograf eintauschte, wie er sich für seine extremen Touren körperlich fit hält und wieso er seine Drohne am Wochenende lieber im Rucksack lässt.

Wie und wann haben Sie die Landschaftsfotografie für sich entdeckt?

Ich war ein eher ungewöhnliches Kind. Statt mit Freunden zu spielen und später in den Urlaub zu fahren, war ich meistens alleine im Wald unterwegs und habe die Ruhe und Einsamkeit genossen. Farben und Formen faszinieren mich seit jeher. Ebenso die Kraft der Natur. Gewitter, Wellen, Stürme – je mehr man die Natur spürte umso besser. Die Fotografie kam erst später dazu. Erst galt die Fotografie für mich als eine Art Legitimation, um draußen sein zu können. Später wurde aus dieser Legitimation eine Berufung. Mittlerweile reist meine Kamera als Erinnerungshilfe immer mit mir und meinem Hirn. Mit fast 200 Tagen pro Jahr auf Reisen erlebt man so viel, dass man das gar nicht mehr alles aufnehmen kann.

Wie bereiten Sie Ihre Shootings vor, haben Sie einen genauen Plan bevor Sie aufbrechen?

Meine Bilder leben von den Wetter- und Lichtstimmungen. Ganz entscheidend ist natürlich, dass ich im Vorfeld das Bild insofern plane, dass ich mich vor Ort auskenne und ganz genau weiß, mit welcher Brennweite (Objektiv) ich an welchem Standort stehen muss. Dafür nutze ich Software wie The Photographer’s Ephemeris (TPE) und TPE 3D. Im Vorfeld gehe ich auch einige Male an einen Ort und kennzeichne mir die Standorte auf meiner Karte ab. Um spezielle Lichtstimmungen aufnehmen zu können, warte ich dann auch spannendes Licht, welches vor allem bei Wetterwechsel häufig vorkommt. Bei stabilen Hochdruckphasen gibt es meist keine guten Lichtstimmungen und blauer Himmel ist sowieso nicht mein Ding.

Sind Ihre Fototouren eine körperliche Herausforderung?

Für einen Landschaftsfotografen ist es essenziell wichtig, sich körperlich fit zu halten. Ich trainiere wöchentlich in den Bergen. Meine Lieblingstour führt mich von Rheintal auf den Hohen Kasten oder die Stauberen Kanzel. 1240 Höhenmeter, die ich, wenn ich zuhause bin, mehrmals pro Woche probiere zu bewältigen. Auf den Fototouren selbst unterscheide ich zwischen Fotoreisen mit Kunden und Fotoreisen, auf denen ich alleine unterwegs bin. Auf Kundenreisen liegt der Schnitt bei ein bis drei Stunden Wandern am Tag. Bei Reisen für meine eigenen Zwecke lege ich Augenmerk darauf, neue Orte zu finden und auf Hügel und Berge zu steigen. Teils kommt es vor, dass ich während eine vierwöchigen Reise bis zu zwölf Kilogramm an Gewicht verliere, die ich aufgrund meiner zweiten Leidenschaft, dem Essen, leider nur allzu schnell wieder angefuttert habe.

Arbeiten Sie alleine oder ist ein Team dabei?

Ich bin der Typ "Einsamer Wolf", so wie das wohl alle Natur- und Landschaftsfotografen sind. Ich liebe die Einsamkeit und Unabhängigkeit in meinem Beruf. Angestellt sein war nie mein Ding und ich war immer der Horror für jeden Arbeitgeber. Der glücklichste Tag meines Lebens war der, an dem ich meine Selbständigkeit antreten konnte. Mein Team besteht aus einigen Freunden, die für mich Kurse anbieten und natürlich aus meiner wunderbaren Frau Iris. Sie sorgt dafür, dass alles läuft und das Schiff nicht untergeht. Man sieht zwar immer nur meine Arbeiten und meine Geschichten, aber sie ist es, die mir den Rücken freihält und dank der ich meinen Beruf überhaupt so konzentriert ausüben kann.

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Was sind Herausforderungen beim Shooting mit Drohnen?

Mein Vorteil bei der ganzen Drohnenfotografie- und Videografie bestand darin, dass ich weltweit einer der ersten war, welcher in die Drohne investiert hat. Ich konnte mit den Drohnen noch in Ländern filmen und fotografieren, in denen Drohnen heute verboten sind und alleine der Besitz der Drohne mit Gefängnisstrafe belegt wird. Die Menschen hatten anfänglich große Freude an diesen fliegenden Giganten mit Spiegelreflexkamera. Heute ist es so wie damals, als die Autos sich häuften; es müssen Regeln her, um die millionenfach gekauften Drohnen beziehungsweise deren Piloten kontrollieren zu können. Die Schwierigkeit besteht nun darin, eine Fluggenehmigung zu kriegen. Diese ist entweder unbezahlbar, oder man muss einen Privatpilotenschein vorweisen können.

Sie schreiben auf Ihrer Website von "extremen logistischen Probleme", können Sie bitte ein Beispiel dafür geben.

Die Kameras werden zwar immer kleiner, aber dafür nimmt man mehr davon mit. Das Arbeiten mit einer Drohne erfordert auch viel Strom. Strom ist an den Orten, an denen ich reise leider nicht immer vorhanden, so muss ich teils mit großen Solaranlagen oder gar portablen Stromgeneratoren arbeiten. Wenn es sich dann noch um eine mehrtägige Tour handelt, bei der man noch das Packraft (Rucksackboot), Zelt, Schlafsack und Proviant dabei hat, steht man vor diesen logistischen Problemen, mit denen jeder Expeditionsteilnehmer zu kämpfen hat.

Was für eine Drohne, Kamera, Objektiv und Filter nutzen Sie?

Ich arbeite seit etwa zehn Jahren mit Nikon und bin ein Fan des Nikon Z-Systems, vor allem der Z9. Ich würde meine spiegellosen Kameras nie wieder gegen eine Spiegelreflex eintauschen. Der Gewichts- und Packmassvorteil ist schlicht zu groß. Und wenn man sich mal an das Echtzeit-Histogramm im digitalen Sucher gewöhnt hat, will man nichts mehr anderes. Bei den Objektiven kommen bei mir das Nikkor Z 14-30 mm, 24-120 mm und 100-400 mm zum Einsatz. Tieraufnahmen entstehen mit dem 180-400 mm und dem 500 mm. Wenn es in die Lüfte geht, nutze ich aktuell die DJI Mavic 3 Cine, DJI Mavic 2 Pro und bei Bedarf die DJI Inspire 2.

Welche Rolle spielt die Bildbearbeitung für Ihre Aufnahmen?

Die Bildbearbeitung ist natürlich bei der Aufnahme von RAW-Dateien essentiell. Da ich allerdings ständig in Zeitnot bin und die wenige Zeit, die ich zuhause bin, mit meiner Familie verbringen möchte, bin ich extrem minimalistisch, was die Entwicklung der Bilder angeht. Ich höre oft, dass ich aus einzelnen Bildern mehr hätte herausholen können. Das ist aber nicht meine Stärke und nicht mein Ziel. Wenn der Himmel nicht rosa war, war er es nicht. Dann komme ich so oft an den Ort zurück, bis der Himmel rosa ist. Diese Möglichkeit habe ich als Fotografenreiseleiter ja auch immer wieder.

"Mittlerweile fliege ich ausnahmslos dort, wo mich niemand sieht oder hört." Ist das noch so leicht möglich?

Drohnen genießen leider, seit es so viele davon gibt, keinen guten Ruf mehr. Die Medien haben hier mal wieder Glanzarbeit geleistet. Drone Bashing ist eine beliebte Schlagzeile. Um diese Unmut nicht noch weiter zu verstärken, habe ich mich vor drei Jahren entschieden, wenn immer es geht, nur noch zu fliegen, wenn niemand in der Nähe ist und ich definitiv niemanden stören könnte. Fliegen an den Wochenenden ist tabu, ebenfalls an Tagen, an denen viele Leute wandern. Selbst wenn ich gesetzlich fliegen darf, verzichte ich dann. Auch bei den Tieren achte ich sehr darauf, dass ich nicht fliege, wenn Fluchttiere in der Nähe sind. Tiere, welche jedoch keine Gefahr aus der Luft kennen, reagieren extrem entspannt auf Drohnen. Letzten Frühling konnte ich für die BBC wilde Pumas aus wenigen Metern Entfernung mit der Drohne filmen, die Tier haben sich nicht an der Drohne gestört. Vor allem Natur- und Dokufilme wären heute ohne Drohne nicht mehr denkbar.

Wie wichtig ist für Sie als Fotograf das Filmen geworden?

Obschon ich das noch vor einigen Jahren nie für möglich gehalten hätte, übersteigen die Einnahmen durch Lizenzverkäufe meiner Filme (Luftaufnahmen) jene meiner Fotografien für Bücher und Kalender um das Vielfache. Aufgrund der durch die Pandemie entstandenen Reiseprobleme sind viele Produzenten darauf angewiesen, bereits bestehendes Filmmaterial zu kaufen. Da ich mit meinen Fotoreisen oft in abgelegenen Gegenden unterwegs bin und so auch seltenes Filmmaterial aufnehmen konnte, verfüge ich mittlerweile über ein Archiv, welches von Kunden wie BBC, Netflix, Google oder LG stark genutzt wird. Die Fotografie rückt bei mir also zumindest finanziell immer mehr in den Hintergrund. Mit der Nikon Z9, mit welcher ich jetzt 8K in RAW bei 60 FPS aufnehmen kann, plane ich zukünftig auch viel mehr in mein Boden-Archiv zu investieren.

Die faszinierenden Bilder von Stefan Forster finden Sie zum Beispiel auf seiner Website oder im Portfolio der c't Fotografie. Ab dem Januar 2022 geht er auf Schweiz-Tournee mit seinem neuen Vortrag "Die Welt von Oben".

Diese Luftaufnahme gelang Stefan Forster in Neuseeland.

(Bild: Stefan Forster Photography)

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