Drohungen per Mail: BKA-Durchsuchungen bei Online-Gruppe "Schweinetreff"

Das BKA hat am Dienstag Durchsuchungen bei der Online-Gruppe "Schweinetreff" durchgefĂŒhrt. Die soll fĂŒr Bombendrohungen verantwortlich sein.

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Ein Polizeiauto rast vorbei

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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Das Bundeskriminalamt hat am heutigen Dienstag Durchsuchungen bei vier mutmaßlichen Mitgliedern der Online-Gruppe „Schweinetreff“ vollzogen. Zwei davon seien Jugendliche. Die Beschuldigten und ein jugendlicher Zeuge waren Ziel der Maßnahmen in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Den Betroffenen werfen die Strafverfolger vor, Mitglieder einer kriminellen Vereinigung zum Zweck bundesweiter Bombendrohungen zu sein. Bei den Durchsuchungen haben die Ermittler zahlreiche elektronische GerĂ€te und Speichermedien sichergestellt, schreibt die zustĂ€ndige Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Zentralstelle zur BekĂ€mpfung der InternetkriminalitĂ€t (ZIT).

Die Beamten erklĂ€ren, dass sie den mutmaßlichen TĂ€ter vorwerfen, „als Teil einer ĂŒberregional agierenden TĂ€tergruppierung fĂŒr hunderte Drohmails mit vorgetĂ€uschten bundesweiten Bombendrohungen gegen Schulen, Hauptbahnhöfen, Einkaufszentren und andere stĂ€dtische sowie öffentliche Einrichtungen verantwortlich zu sein“. Die Drohungen hĂ€tten hunderte PolizeieinsĂ€tze ausgelöst. „Auch wenn sich Drohungen als Falschmeldung herausstellen, werden sie grundsĂ€tzlich ernst genommen und jeder Einzelfall geprĂŒft.“

In solchen FĂ€llen rĂ€umen und evakuieren die Polizeibehörden betroffene GebĂ€ude, sperren weite Teile des öffentlichen Raumes ab oder unterbrechen den öffentlichen Personennah- und -Fernverkehr. Auch, wenn keine Bomben gezĂŒndet wurden, kam es deutschlandweit bei den ausgelösten Evakuierungen zu einem Sachschaden im fĂŒnfstelligen Euro-Bereich. Die Strafermittler verweisen auch auf die psychologischen Auswirkungen davon etwa bei SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern sowie LehrkrĂ€ften. Zudem bestehe die Gefahr, dass aufgrund der vorgetĂ€uschten FĂ€lle solche untergehen, die eine reale Gefahr darstellen.

Die TĂ€tergruppe habe sich rein virtuell zusammengefunden und in einer geschlossenen Messenger-Gruppe mit der Bezeichnung „Schweinetreff“ kommuniziert. Ziel sei gewesen, den „öffentlichen Frieden unter Androhung von Straftaten zum Nachteil von Leib und Leben“ zu stören, grĂ¶ĂŸtmögliche EinsĂ€tze auszulösen und auch grĂ¶ĂŸtmögliche Verunsicherung in der Bevölkerung zu stiften – um sich an der Reaktion und Aufmerksam „zu erfreuen“. Zu VerstĂ€rkung nannten die Drohmails auch islamistische Absichten und BezĂŒge. Die Ermittlungen fĂŒhrten jedoch zu keinen Belegen fĂŒr religiös motivierte Taten.

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Die „Schweinetreff“-Mitglieder waren auch in Österreich aktiv. Auch dort waren Evakuierungsmaßnahmen nötig, die hohen wirtschaftlichen Schaden erzeugt hĂ€tten. Bei der Zusammenarbeit der österreichischen und deutschen Ermittler haben diese demnach umfassende Beweise gesichert und Erkenntnisse zu den mutmaßlichen TĂ€tern und ihrer Vernetzung gewonnen. Die fĂŒhrten schließlich zur Identifizierung der vier Beschuldigten aus Deutschland.

„Online begangene Straftaten bleiben nicht folgenlos, denn TĂ€ter haben jederzeit mit einer konsequenten Strafverfolgung zu rechnen“, schließen BKA und ZIT. Zuletzt gingen sie etwa vor einem Jahr gemeinsam etwa gegen systematisches Cybermobbing und Cyberstalking vor. Die damals im Visier der Ermittler stehende Online-Gruppierung nannte sich „New World Order“ (NWO).

(dmk)