Druck auf Smartphone-Bank N26: Bafin soll Beschränkung des Neugeschäfts erwägen

Seit 2019 nimmt die Finanzaufsicht die Neobank N26 wegen Mängeln in der Organisation aufs Korn. Die nächste Maßnahme könnte laut Bericht bald folgen.

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(Bild: JulianJD/Shutterstock)

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Die rasant gewachsene Smartphone-Bank N26 könnte bald einen harten Dämpfer erleiden: Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin erwägt laut einem Bericht des Handelsblatts, das Neugeschäft des Geldinstituts zu beschränken. Grund dafür seien organisatorische Mängel bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Betrug, die N26 nach wie vor nicht behoben habe. Unter anderem könnte die Finanzaufsicht die Annahme von Neukunden einschränken, heißt es im Bericht.

"Der Geduldsfaden der Bankenaufseher ist gerissen", zitiert das Handelsblatt einen nicht genannten Beobachter und beruft sich auf mit dem Thema vertraute Personen. Die Bafin wollte auf Anfrage von heise online den Sachverhalt nicht kommentieren, dementierte ein solches Vorhaben aber auch nicht. Dem Bericht nach sei die Maßnahme noch nicht formal beschlossen. Es deute jedoch alles darauf hin, dass ein Bescheid zeitnah erfolgen werde.

Auch N26 gab sich in der Sache eher zurückhaltend. Einzelheiten der Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden könne man nicht kommentieren, erklärte ein Sprecher. In einer Pressemitteilung betonte die Bank, dass die Zusammenarbeit mit den Finanz- und Aufsichtsbehörden ein elementarer Teil der täglichen Arbeit sei und sich in den letzten Monaten weiter intensiviert habe. Dabei gab N26 auch bekannt, sich auf Führungsebene für das Management der regulatorischen Anforderungen zu verstärken, unter anderem mit einem neuen Chief Risk Officer und einem Director of Group Risk.

Bereits seit Längerem wird N26 wegen Mängeln von der Bafin aufs Korn genommen. Zuletzt im Mai 2021 hatte die Behörde bei N26 zu einem schärferen Vorgehen gegen Geldwäsche gedrungen und einen sogar Sonderbeauftragten zur Überwachung eingesetzt. Die Smartphone-Bank solle Defizite sowohl im EDV-Monitoring als auch bei der Identifizierung und Verifizierung von Kunden beseitigen, erklärte die Bafin. Des Weiteren müsse die Bank "eine angemessene personelle und technisch-organisatorische Ausstattung zur Einhaltung ihrer geldwäscherechtlichen Verpflichtungen" sicherstellen.

Zuvor hatte die Bafin im Mai 2019 Defizite bei der Betrugs- und Geldwäscheprävention der Neobank gerügt und Besserung angemahnt. Laut den Insidern, die das Handelsblatt zitiert, ist N26 aus Sicht der Finanzaufsicht dem bisher nicht ausreichend nachgekommen. Die Bank selber sagt, dass man die Anforderungen erfüllt habe.

Dazu scheint N26 recht beliebt bei Betrügern zu sein, die die Kontonummern etwa für den Betrieb von Fakeshops benutzen. Dabei werden wohl auch oft Dritte eingespannt, die gegen Bezahlung oder unter falschen Vorgaben zur Eröffnung von Konten veranlasst werden. Eine Umfrage des Handelsblatts unter Landeskriminalämtern habe ergeben, dass die Bank auch überdurchschnittlich oft bei Geldwäscheverdachtsmeldungen vorkomme.

N26 wurde 2013 gegründet und hat seit 2016 eine eigene Banklizenz. Im Laufe der Jahre ist das Unternehmen rasant gewachsen und international expandiert. Eigenen Angaben nach hat N26 inzwischen 7 Millionen Kunden und 1500 Mitarbeiter. So mancher Beobachter fragt sich, ob man das Wachstum vielleicht zu sehr priorisiert und die Infrastruktur vernachlässigt hat. "Wachstum führt immer auch zu organisatorischen Herausforderungen", sagte ein N26-Sprecher dazu und verwies auf erhebliche Investitionen in Systeme und Personal. Gerade in den vergangenen Monaten habe man Ausgaben für den Bereich Sicherheit nochmals deutlich erhöht und verstärkt.

Dem Handelsblatt zufolge könnte eins der Probleme auch in der großen Personalfluktuation liegen. Ehemalige Angestellte sprachen demnach von ständigen Mitarbeiterwechseln, sodass aufgebautes Wissen immer wieder verloren gehe. Ähnliches schreiben Personen, die sich als frühere Mitarbeiter bezeichnen, auch in ihren Bewertungen auf der Plattform Kununu. "Entweder man wird gekündigt oder die Leute gehen freiwillig ganz schnell", heißt es etwa.

(axk)