E-Auto-Investition lässt Amazon.com-Aktie 14 Prozent hochsausen

Rivian, Reklame und AWS treiben Amazons Finanzen. Der halbierte Betriebsgewinn im Weihnachtsquartal stört Investoren nicht. Prime wird teurer.

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Haustüre mit Gegensprechanlage. In der Türschnalle ist ein Amazon-Kuvert eingeklemmt.

Amazon-Zusteller sind bisweilen kreativ. Nicht überliefert ist, ob diese Sendung ihren Adressaten ereilt hat.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Inhaltsverzeichnis

Über 14 Prozent haben Amazon.com-Aktien im nachbörslichen Handel Donnerstagabend zugelegt. Amazons Nettogewinn hat sich im Weihnachtsquartal überraschend auf 14,3 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Obwohl das nur auf dem Papier so ist und vorerst kein Geld in die Kasse spült, haben institutionelle Anleger mit Aktienkäufen reagiert. Einnahmen mit AWS und Reklame wachsen besonders stark. Der nachbörsliche Kurssprung macht den im regulären Handel am Donnerstag erlittenen Verlust von rund acht Prozent mehr als wett.

Rivian-Prototyp vor der Amazon-Zentrale in Seattle

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Dass der Quartalsnettogewinn so hoch ist, liegt an Amazon.coms Investition in Rivian. Im September hat Rivian mit der Serienproduktion elektrischer Pickups begonnen. Im November hat Rivian seinen Börsengang gefeiert. Seither hat Amazons Anteil an der Firma einen Börsenwert und ist handelbar. Entsprechend hat Amazon den Buchwert der Elektroauto-Aktien angehoben, und zwar um 11,8 Milliarden Dollar. Wie Abschreibungen wirken sich auch Zuschreibungen auf den buchhalterischen Gewinn aus; am Barbestand ändern sie nichts.

Amazons Umsatz ist im vierten Quartal um gut neun Prozent auf 137 Milliarden US-Dollar gestiegen – zum ersten Mal seit 2017 ist dieser Prozentwert nicht zweistellig. Der Betriebsgewinn ist jedoch um rund 50 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar gefallen. Gleichzeitig hat sich der Nettogewinn auf 14,3 Milliarden Dollar fast verdoppelt – Rivians Börsengang sei Dank. Das hat Amazon Donnerstagabend bekannt gegeben.

Allerdings entwickeln sich die Segmente des Konzerns sehr unterschiedlich. Die Umsätze, die Amazon selbst in seinen Online-Shops macht, sind um ein Prozent auf 66,1 Milliarden Dollar gefallen. In denselben Shops verdient Amazon auch durch Gebühren, die es unabhängigen Händlern verrechnet. Das hat 30,3 Milliarden Dollar eingebracht (+11% im Jahresabstand).

Erstmals verrät der Konzern den mit Reklame gemachten Umsatz: Er ist im vierten Quartal um rund ein Drittel auf 9,7 Milliarden Dollar gestiegen. In Nordamerika dürfte Amazon nach Google und Facebook bereits der drittgrößte Vermarkter von Online-Werbung sein.

Umsätze mit Abonnements sind um 15 Prozent auf 8,1 Milliarden Dollar gestiegen. Hier plant Amazon mit mehr und hebt die Preise für Prime-Abonnements an, zunächst in den USA. Am 18. Februar steigt dort der Jahrespreis von 119 auf 139 Dollar. Amazons Ladengeschäfte, zu denen insbesondere die Supermarktkette Whole Foods zählt, haben in den drei Monaten 4,7 Milliarden Dollar umgesetzt (+17%).

Stattliche 40 Prozent mehr Umsatz haben Amazon Web Services (AWS) geschafft (17,8 Milliarden Dollar). Beim Betriebsgewinn hat AWS gegenüber dem vierten Quartal 2020 sogar um 48 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar zugelegt.

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Verluste schreibt hingegen das Handelsgeschäft. Im vierten Quartal 2020 hatte Amazon damit noch 3,3 Milliarden Dollar verdient, diesmal gibt es einen Betriebsverlust von 1,8 Milliarden Dollar. Davon entfallen 200 Millionen Dollar auf Nordamerika, der Rest auf andere Erdteile. Der Quartalsnettogewinn ist um über 98 Prozent auf die erwähnten 14,3 Milliarden Dollar gesprungen.

Im Jahr 2021 hat der Amazon.com-Konzern 470 Milliarden Dollar umgesetzt (+22%). Davon entfallen 242 Milliarden auf Produkte (+12%), 62 Milliarden auf AWS (37%) und 166 Milliarden (+33%) auf andere Dienstleistungen.

Der Jahresbetriebsgewinn ist um neun Prozent auf 24,9 Milliarden Dollar gestiegen. Wiederum dank Rivian ist der Jahresnettogewinn sogar um 56 Prozent gestiegen, auf 33,4 Milliarden Dollar. Amazons Barreserven sind 2021 um 14 Prozent auf 36,2 Milliarden Dollar abgeschmolzen. Parallel ist allerdings der Bestand veräußerbarer Wertpapiere um 42 Prozent auf 59,8 Milliarden Dollar angeschwollen.

Für das laufende Quartal erwartet Amazon 112 Milliarden bis 117 Milliarden Dollar Umsatz (+3-8%). Der Quartalsbetriebsgewinn soll von 8,9 Milliarden Dollar vor einem Jahr auf drei bis sechs Milliarden Dollar fallen. Der Rückgänge wäre noch stärker, würde Amazon nicht die buchhalterische Lebensdauer seiner Server und Netze verlängern. Das allein reduziert die Abschreibungen um eine Milliarde Dollar im Quartal.

Arbeitskräfte kann Amazon gar nicht genug finden. In den USA hat es den konzerninternen Mindestlohn inzwischen auf 18 Dollar pro Stunde angehoben, was deutlich über den rechtlich verpflichtenden Mindestlöhnen liegt. Außerdem zahlt Amazon.com in dem Land Einstellungsboni von bis zu 3.000 Dollar.

Im vierten Quartal wollte Amazon 150.000 zusätzliche Mitarbeiter einstellen, geworden sind es 140.000. Im Gesamtjahr hat Amazon seine Belegschaft um 337.000 Personen auf nunmehr 1,6 Millionen vergrößert. 2020 hatte der Konzern sogar 500.000 Mitarbeiter zusätzlich ins Unternehmen geholt. Anders ausgedrückt: In den letzten beiden Jahren hat Amazon seine weltweite Belegschaft mehr als verdoppelt.

Dank der Coronavirus-Variante Omicron kämpft Amazon derzeit mit besonders hohen Personalkosten, wie Finanzchef Brian Olsavsky Donnerstagabend in der üblichen Telefonkonferenz mit Finanzanalysten hat durchblicken lassen. Viele Mitarbeiter fallen coronabedingt aus, womit andere Überstunden machen müssen.

(ds)