E-Mail-Dienst Hey: Andere Anbieter taugen nichts, Basecamp will's besser machen

Stets E-Mails, Anhänge und Konversationen im Griff behalten. Keine Werbung, keine Nutzerauswertung. Hey verspricht viel – und kostet 99 US-Dollar jährlich.

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(Bild: Basecamp, LLC)

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Alles besser machen will Basecamp mit seinem neuen E-Mail-Dienst namens Hey. Immerhin hätten es andere Anbieter jahrelang versemmelt – und die neue Software würde nun alles zurück ins Lot bringen. Das intendierte Resultat: Der Nutzer würde wieder E-Mails schreiben wollen und nicht mehr gezwungen sein, all die Nachrichten in den Griff zu bekommen.

Konkret will Hey mit einigen Funktionen punkten, die eine Abkehr vom klassischen E-Mail-Client darstellen: Unter anderem tauchen im Imbox getauften Startbildschirm ausschließlich Nachrichten von durch den Nutzer als erwünscht gekennzeichnete Absendern auf. Handelt es sich um einen neuen Kontakt, weist Hey auf diesen hin und der Anwender kann ihn mit einem Klick einsortieren.

Nicht alle Nachrichten sind willkommen: Absender lassen sich mit Hey aus der sogenannten Imbox verbannen.

(Bild: Basecamp, LLC)

Es handelt sich allerdings nicht um einen Spam-Filter, den Hey ebenfalls integriert. Vielmehr speichert der Dienst die abgelehnten Nachrichten weitere 90 Tage – und entscheidet sich der Nutzer doch dafür, Nachrichten eines Absenders zu erhalten, stellt die Software die alten E-Mails ebenfalls wieder her. Abgelehnte Kontakte bekommen von diesen Entscheidungen nichts mit – von ausbleibenden Antworten abgesehen.

Außerdem soll die Imbox ausschließlich aktuell wichtige E-Mails vorhalten. Hat sie der Anwender schon einmal gelesen, verschiebt Hey sie in einen separaten Bereich. Bleibt keine Zeit für eine sofortige Antwort, lässt sich eine Nachricht mit einem "später antworten" kennzeichnen. Wichtige E-Mails, die jedoch nicht ständig sichtbar sein müssen, lassen sich mit einem Klick zur Seite legen – sie wandern in eine allgemeine Ablage, abseits aller anderen Nachrichten.

Erwartet der Nutzer eine wichtige E-Mail, kann er einen individuellen Schlüssel verschicken. Taucht er in der Betreffzeile auf, platziert Hey die Nachricht an prominenter Stelle in der Imbox.

Eingeordnet: Viele Informationen sortiert Hey in separate Orte ein, unter anderem finden sich alle Dateianhänge gebündelt in einem eigenen Bereich.

(Bild: Basecamp, LLC)

Auch Anhänge sammelt Hey an einem eigenen Ort. Um sie später effizienter durchsuchen zu können, sind sie mit Schlagwörtern wie dem Absender oder dem Dateiformat versehen. Hey sieht zudem keine Limitierung der Dateigröße vor – ein Umweg über Cloud-Dienste wie Dropbox sei unnötig, die Software erstellt ebenfalls einen Link für den Empfänger. Letzterer benötigt kein Konto fürs Herunterladen des Anhangs.

Des Weiteren lässt sich der Betreff einer längeren E-Mail-Konversation umbenennen. Hey will damit generische oder fehlende Betreffzeilen angehen, wodurch sich Nachrichten leichter wiederfinden lassen sollen. Um den Konversationsstrang jedoch nicht aufzubrechen, greift die neue Bezeichnung ausschließlich beim Nutzer, für alle anderen Adressaten bleibt der originale Betreff erhalten.

Behandeln mehrere Konversation dasselbe Thema, lassen sie sich zusammenführen. Hey schlägt einen passenden Betreff vor. Auch dies greift ausschließlich aufseiten des Nutzers, die anderen Kontakte bleiben bei mehreren E-Mail-Strängen. Rückgängig machen lässt sich die Funktion jedoch nicht. Ist eine Konversation nicht mehr wichtig, kann sich der Nutzer selbsttätig austragen. Die E-Mails erhält er weiterhin und sie lassen sich auf expliziten Wunsch lesen, in den neuen Nachrichten tauchen sie aber nicht mehr auf.

An einem Ort: Konversationsstränge lassen sich zusammenführen und umbenennen.

(Bild: Basecamp, LLC)

Je nach Präferenz lassen sich E-Mails fokussiert oder gebündelt abarbeiten: Auf Wunsch zeigt Hey ungelesene Nachrichten zusammen an, alternativ bereitet die Software auf Antworten wartende E-Mails in einer Schlange auf. Erhält der Nutzer von einem Absender konstant viele Nachrichten, kann Hey letztere immer in eine Zeile der Imbox packen. Basecamp hat hier insbesondere automatisierte Benachrichtigungen durch andere Applikationen vor Augen.

Wichtige Informationen aus E-Mails lassen sich markieren und in einem separaten Bereich für Textausschnitte sammeln. Außerdem kann der Nutzer Nachrichten mit Notizen versehen. Für Rechnungen, Buchungsbestätigungen und ähnliche E-Mails sieht Hey ebenfalls einen eigenen Ablageort vor. Hat der Nutzer einen Absender entsprechend markiert, sortiert die Software sie automatisch ein. Alternativ lassen sich auch einzelne Nachrichten hierhin verschieben.

Nicht zuletzt wirbt Hey mit Sicherheitsfunktionen. Unter anderem soll die Software alle in E-Mails versteckten Pixel-Tracker blockieren – Basecamp meint, 98 Prozent aller Verfolgungsversuche unterbinden zu können. Funktioniert dies nicht, soll die IP-Adresse des Empfängers zumindest nicht an den Absender geraten: Alle Bilder in E-Mails lädt zunächst der Hey-Server.

Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet Hey bewusst nicht – müssten Informationen so abgesichert werden, seien E-Mails ohnehin nicht das richtige Werkzeug. Dennoch verschlüsselt die Software Daten: at-rest, at-work und in-transit. Ungeachtet dessen kann der Anbieter selbst auf die Nachrichten zugreifen – hier wirbt Basecamp mit einem Auditierungsprozess um Vertrauen. Alle Details zu diesen und weiteren Funktionen finden Leser auf hey.com.

Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Google offeriert Basecamp seinen E-Mail-Dienst jedoch nicht gratis: Er kostet pro Nutzer 99 US-Dollar im Jahr – ohne Werbung und Auswertung der privaten Daten. Ein Testzugang steht kostenlos für zwei Wochen bereit, jedoch benötigen interessierte Nutzer bis Ende Juli 2020 eine Einladung, um die sie sich unter iwant@hey.com bewerben können.

Die Client-Software steht zum Start für Windows, macOS sowie als Snap für Linux-Distributionen zur Verfügung. Hinzu kommen Apps für Android und iOS.

(fo)