ESA-Chef: Europa könnte Weltraumrennen gegen USA und China verlieren

Kommendes Jahr müssen die ESA-Staaten entscheiden, wieviel Geld die Raumfahrtagentur bekommt und wofür. ESA-Chef Aschbacher fordert große Ambitionen.

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Konzeptzeichnung der geplanten Rakete Ariane 6

(Bild: ESA - D. Ducros)

Von
  • Martin Holland

Ohne einen klaren Plan riskiert es Europa, bei einem neuerlichen Wettlauf ums Weltall das Nachsehen zu haben. Davor jedenfalls warnt der neue Chef der Europäischen Weltraumagentur ESA, Josef Aschbacher, die Mitgliedstaaten. Aschbacher fordert, dass auf der nächsten Ministerratstagung im kommenden Jahr die Reaktion Europas geklärt werden müsse. "Europa muss erkennen, dass wir aus dem Rennen herausfallen, wenn wir nicht investieren", sagte Aschbacher dem Politikmagazin Politico. Die USA und China würden immer mehr Geld in Weltraumprojekte investieren, meint Aschbacher demnach. Dort sei der Weltraum als "strategisches Element" ausgemacht worden.

Der Österreicher Josef Aschbacher ist seit Anfang März ESA-Chef und Nachfolger Jan Wörners. Vorher war er als Direktor für Erdbeobachtung unter anderem für das erfolgreiche Programm Copernicus zuständig. Zu seinem Antritt hatte er kritisiert, dass Europas Weltraumprogramme keine solchen Schlagzeilen produziere wie die USA mit dem erfolgreichen Unternehmen SpaceX oder dem Mars-Rover Perseverance. Seitdem ist China nun auch noch die erste Landung eines Rovers auf dem Mars gelungen und das direkt im ersten Anlauf.

Ohne konzertierte Anstrengungen riskiere der Kontinent, auch bei der Nutzung des Weltraums so zurückzufallen wie im Internet und bei Künstlicher Intelligenz, zitiert ihn Politico nun. Europa müsse deshalb wiederverwendbare Raketen entwickeln, sichere Satelliten-Netze für die Kommunikation planen und Missionen zu Mond und Mars prüfen.

Aschbacher verweist mit den Äußerungen einmal mehr auf das nächste Ministerratstreffen der ESA-Staaten, das 2022 stattfinden soll. Das hatte er bereits als "Space Summit" bezeichnet, auf dem die Staats- und Regierungschefs zeigen sollten, was Europa erreichen wolle. Die Veranstaltung findet in der Regel alle drei Jahre statt, legt die Prioritäten fest und bewilligt unter anderem das Geld für die anstehenden Weltraumprogramme. Die ESA hat gegenwärtig 22 Mitgliedsstaaten, die alle mit Ausnahme Großbritanniens, Norwegens und der Schweiz auch zur Europäischen Union gehören. Assoziierte Mitglieder sind noch Kanada, Lettland, Slowenien und seit wenigen Wochen auch Litauen.

(mho)