ESA vergibt Auftrag für Beseitigung von Weltraumschrott aus Erdorbit

Erstmals soll ein "nicht kooperierendes Objekt" aus dem Erdorbit entfernt werden. Die ESA hofft, dadurch einen neuen Industriezweig zu schaffen.

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So soll die Müllbeseitigung aussehen.

(Bild: ClearSpace SA)

Von
  • Martin Holland

Ein Jahr nach der Vorstellung der Pläne hat die ESA nun offiziell den ersten Auftrag zur Beseitigung von Weltraumschrott aus dem Orbit vergeben. Das Schweizer Start-up ClearSpace bekommt 86 Millionen, um den oberen Teil einer 2013 gestarteten Vespa-Rakete einzusammeln und in der Atmosphäre verglühen zu lassen. Mit der Vergabe des Auftrags an ein privates Unternehmen will die Europäische Weltraumagentur ihren Angaben zufolge auch einen Teil dazu beitragen, dass sich aus dieser Dienstleistung ein neuer kommerzieller Sektor der Raumfahrtindustrie entwickeln kann. Immerhin würde der Orbit immer voller.

Die ESA hatte die Pläne vor einem Jahr vorgestellt und schon damals betont, wie wichtig es sei, diesen Markt zu schaffen. Immerhin wächst die Zahl künstlicher Satelliten im Erdorbit gegenwärtig rasant. "Stellen Sie sich vor, wie gefährlich die Hochseeschifffahrt wäre, wenn alle jemals verlorenen Schiffe weiterhin über die Ozeane treiben würden", hatte ESA-Chef Jan Wörner die Situation im Erdorbit damals erklärt. Ohne eine regelmäßige Beseitigung von Objekten, die nicht mehr genutzt werden, erhöht sich das Risiko einer Kaskade von Kollisionen immer weiter. Ein solcher Zusammenstoß würde das Trümmerproblem deutlich verschlimmern und könnte schwerwiegende Auswirkungen auf die Raumfahrt haben.

Um zu beweisen, dass die Entfernung von Weltraumschott funktioniert, will ClearSpace im Jahr 2025 nun die Mission ClearSpace-1 durchführen. Das dafür ausgewählte Vespa-Zielobjekt hat demnach eine Masse von 112 Kilogramm und entspricht damit in etwa einem Kleinsatelliten, sei aber von einfacher Form und robust konstruiert. Es kreist in einer Parkposition in rund 660 bis 800 Kilometern Höhe. Der ClearSpace-Satellit soll unter Aufsicht der ESA in eine Höhe von etwa 500 Kilometern gebracht werden und sich von dort dem Objekt nähern. Mit seinen vier Roboterarmen soll er das Objekt dann greifen, damit beide zusammen abstürzen und in der Atmosphäre verglühen können.

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"Der Plan ist, dass diese erste Entfernung ein regelmäßiges Geschäft begründet, nicht nur für die Beseitigung von Trümmern durch verantwortungsbewusste Weltraumakteure auf der ganzen Welt, sondern auch für die Wartung im Orbit", erklärt Luisa Innocenti von der ESA noch. Davon profitiere die Weltraumindustrie als Ganzes ergänzt ClearSpace-Grüner Luc Piguet: "Unser 'Abschleppwagen'-Design wird zur Verfügung stehen, um aus wichtigen Umlaufbahnen Trümmer zu entfernen, die sie für zukünftige Missionen unbrauchbar machen könnten." Damit könnten künftig auch nicht kooperierende Objekte aus dem Orbit entfernt werden und die Gefahren im Orbit deutlich reduziert werden.

(mho)